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Boulevard

10. Dezember 2016 | 19:40 Uhr

Einschaltquoten : Duell ums Weiße Haus

vom

Wahlkämpfe in den USA gelten als aufwendige Inszenierungen. Das Fernsehen und das Internet haben die Kampagnen drastisch verändert. Schmutzige Tricks sind allerdings nichts Neues.

Bei den US-Präsidentschaftswahlkämpfen geht es zur Sache. Den eigenen Kandidaten möglichst gut und den Gegner so unglaubwürdig wie möglich aussehen zu lassen, war schon immer ein zentrales Ziel der Wahlkampf-Teams. Die Mittel haben sich geändert, die Wahlkämpfe sind aufwendiger geworden, die Tricks aber nicht unbedingt schmutziger, wie die gut recherchierte und sehenswerte Dokumentation «Duell ums Weiße Haus» (Regie: Ingo Helm) zeigt, die am Dienstag auf Arte (22.30 Uhr) läuft.

Historiker kommen da zu Wort, ehemalige Wahlkampfhelfer, Politikberater und Journalisten. Viele Originalaufnahmen aus zahlreichen US-Wahlkämpfen aus den Zeiten vor Hillary Clinton und Donald Trump gibt es auch.

John F. Kennedy ist 1960 der erste Kandidat, der mit Hilfe des Fernsehens ins Amt kommt. Zu seiner Kampagne gehört erstmals in großem Stil TV-Werbung. Seine Wahlkämpfer holen dafür seine Familie vor die Kamera - und lassen den demokratischen Kandidaten damit umso sympathischer rüberkommen. Das Fernsehduell zwischen Kennedy und seinem Konkurrenten Richard Nixon sehen 70 Millionen Amerikaner. Kennedy wirkt jung, cool und elegant, Nixon in erster Linie unrasiert. Radiozuhörer finden zwar, er habe sich besser geschlagen. Aber die 70 Millionen vor den Fernsehern sind ganz anderer Ansicht - Kennedy gewinnt.

Acht Jahre später tritt Nixon 1968 noch einmal an. Auf ein Fernsehduell mit seinem Konkurrenten Hubert Humphrey lässt er sich nicht mehr ein und setzt stattdessen auf Town-Hall-Meeetings, bei denen begeisterte Anhänger kräftig für ihn klatschen. Das gibt tolle Fernsehbilder her. In den Wahlkampfspots zeigt sein Team glückliche Jugendliche - keine kritischen Demonstranten. Bei uns macht auch die Jugend keinen Ärger, lautet die Botschaft. Diesmal zieht Nixons Masche: Er gewinnt.

1976 ist Jimmy Carter Kandidat der Demokraten. Er trägt demonstrativ Jeans, tritt hemdsärmelig auf und inszeniert sich als bodenständiger Erdnussfarmer, auch wenn er das nicht wirklich ist - mit Erfolg. Ronald Reagan, 1980 Carters konservativer Konkurrent, ist eigentlich Schauspieler. Rollen glaubhaft zu verkörpern, ist er gewohnt. Nach dem Einmarsch der Sowjets in Afghanistan und der Geiselnahme im Iran, verspricht er den Wählern überzeugend ein starkes Amerika. Und im Fernsehen macht er eine gute Figur, weil er seine Auftritte ausgiebig probt. Reagan erzielt einen Erdrutschsieg.

Sein Nachfolger George Bush tritt 1992 gegen den 46-jährigen Bill Clinton an. «It's the economy, stupid» - «Es kommt auf die Wirtschaft an, Dummkopf» ist Clintons Motto für den Wahlkampf. Sein Team versucht, Bush als ökonomisch ahnungslos darzustellen - und als Lügner. Bush hatte vor Kameras gesagt «Read my lips, no new taxes» - also keine neue Steuern versprochen, sie dann aber doch kräftig erhöht. Diese Aufnahmen zeigte Clintons Wahlkampfteam immer wieder.

Bei Talkshows im Fernsehen dürfen Gäste den Kandidaten nun Fragen stellen. Bush kommt damit nicht gut klar, guckt gelangweilt ungeduldig auf die Uhr. Clinton wirkt viel lockerer, punktet durch gut einstudierte Pointen. Er ist telegen, er geht in Kochshows, spielt im TV Saxophon - und gewinnt die Wahl.

Ähnlich wie Clinton kommt auch Barack Obama im Fernsehen gut rüber. Aber er hat auch die neuen Medien vestanden: Als er 2008 antritt, setzt er auf das Internet. Sein «Yes, we can»-Video wird auf YouTube viral. Seine Webite hat einen genialen Button: «Donate now!», Unterstützer können online sofort Geld spenden.

Obama bekommt 500 Millionen Dollar über das Internet zusammen. Und er erreicht über das Web potenzielle Wähler, an die man sonst kaum herankommt, gerade die jungen. Sein Erfolg hat viele Väter, aber ohne seine Homepage hätte er vermutlich alt ausgesehen. Das war zwar kein besonders raffinierter Wahlkampftrick, aber doch ziemlich clever.

Duell ums Weiße Haus

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erstellt am 01.Nov.2016 | 00:01 Uhr

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