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Boulevard

24. März 2017 | 21:04 Uhr

Helfer : Doku über Aleppos Weißhelme

vom

In «Die letzten Männer von Aleppo» begleiten Kameras den Alltag der Retter einer freiwilligen Hilfsorganisation in Aleppo - einer umkämpften und verwüsteten Stadt, mitten in Syriens Bürgerkrieg.

Khaled sucht den Himmel ab. Er hofft, dass er nichts findet, doch der Blick nach oben verheißt nichts Gutes: Drohnen und Kampfflugzeuge überfliegen die Stadt. In der Nähe steigen Rauchsäulen empor, Menschen schreien, Sirenen heulen - Aleppo wurde wieder getroffen.

Eines der wenigen noch stehenden Häuser in der verwüsteten nordsyrischen Stadt war das Ziel. Khaled, Mahmoud und Subhi gehören zu den ersten, die am Unglücksort ankommen. Sie schaffen Trümmer zur Seite und hoffen auf Geräusche von Verletzten, um ihnen helfen zu können. Die drei Männer gehören zur freiwilligen syrischen Rettungsorganisation «Weißhelme», die in der Dokumentation «Die letzten Männer von Aleppo» mit der Kamera begleitet wurde.

Khaled und sein Team können an den Orten der Detonationen meist nur noch Körperteile und Leichen bergen. Nur selten gibt es Überlebende - und wenn, dann schwer verletzt und blutüberströmt. Was sie in den Trümmern nie finden, ist Hoffnung. Trotzdem helfen sie mit den bescheidenen Mitteln, die sie zur Verfügung haben.

Vor Beginn des Bürgerkriegs war Aleppo Syriens Handelsmetropole und mit mehr als zwei Millionen Einwohnern neben Damaskus die größte Stadt des Landes. Dann wurde sie heftig umkämpft, mehr als 31 000 Menschen wurden in den vergangenen Jahren getötet. 

Flüchten oder ausharren, müssen sich die Einheimischen fragen. Es gibt wenig Lebensmittel, kaum Medizin. Und überall Asche und Rauch. Selbst in ruhigen Phasen geht der Blick ständig nach oben.

So wie Khaled sagen manche: «Ich bleibe in Aleppo, egal was passiert.» Sie würden lieber sterben, als die Flucht zu versuchen. Andere wünschten, sie könnten weg. Deutschland ist ein begehrtes Ziel.

Den bedrückenden Alltag der Gruppe haben der syrische Regisseur Feras Fayyad und sein Co-Regisseur Steen Johannessen aus Dänemark bis Ende Oktober 2016 fast zwei Jahre lang mit ihren Kameras begleitet. Nach der Premiere beim renommierten Sundance Filmfestival, wo das Werk kürzlich in der Sektion Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde, kommt das Ergebnis nun auch bei uns in die Kinos. 

Die Dokumentation wirft einen ausführlichen Blick auf die persönlichen Geschichten, die sich hinter den täglich wiederkehrenden zweiminütigen Beiträgen der Nachrichtensendungen verbergen. In dem mehr als eineinhalbstündigen Film wird nichts geschönt, nichts ausgelassen, jedes Detail gezeigt. Für einige Zuschauer ist das vielleicht harte Kost, für die Menschen in Aleppo aber Alltag.

Die letzten Männer von Aleppo

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erstellt am 13.Mär.2017 | 11:59 Uhr

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