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Boulevard

09. Dezember 2016 | 04:59 Uhr

Film : «Die Wahrheit erfassen»: Bertrand Tavernier wird 75

vom

 In dem Historienfilm «Die Prinzessin von Montpensier» wollte er zeigen, wie barbarisch Töten sein kann, in der Comic-Verfilmung «Quai d’Orsay» haben ihn die Machtintrigen des französischen Außenministeriums interessiert.

Seit über 45 Jahren wandert Bertrand Tavernier zwischen Krimis, Psychothrillern, Historienfilmen, Science-Fiction, Romanzen und Satire hin und her. Für sein umfassendes Repertoire erhielt der französische Filmemacher 2015 beim Filmfest in Venedig den Goldenen Ehrenlöwen für sein Lebenswerk. Die Begründung der Jury: Er sei ein nonkonformistischer und couragiert vielseitiger Autor. Ein Image, auf das Tavernier stolz ist. An diesem Montag (25. April) wird er 75.

«Ich beleuchte Themen, Universen, Epochen und verschiedene Länder, um die Wahrheit zu erfassen. Dass ich in keine Kategorie passe, gefällt mir», sagte er vor wenigen Monaten in einem Interview der französischen Sonntagszeitung «Le Journal du Dimanche». Er wolle nicht als eingebildet erscheinen, doch glaube er, dass darin seine Stärke liege. 

Tavernier kann auf über 50 Filme zurückblicken, darunter das eindrucksvolle Psychodrama «Der Richter und der Mörder» mit Isabelle Huppert, den Science-Fiction-Film «Der gekaufte Tod» mit Romy Schneider und Harvey Keitel oder «Der Lockvogel», das schonungslose Porträt einer jungen Generation ohne Werte. 

Auch wenn der in Lyon geborene Regisseur keine Vorliebe für ein bestimmtes Genre hat, sind seine Filme dennoch an ihrer komplexen Kamerabewegung, ihren unerwarteten Nahaufnahmen sowie ihrer Gesellschaftskritik zu erkennen. «Ich interessiere mich für einfache Menschen, die ich mit all ihren Fehlern und Qualitäten dem Zuschauer näherzubringen versuche. Mich interessieren Leute, die kämpfen, die versuchen, die Dinge um sich herum zu bewegen und zu verändern», beschreibt er seine Filme.

Dabei geht es ihm nicht darum, Thesen aufzustellen oder Institutionen anzugreifen. Er wolle nicht die Welt verbessern, sondern zeigen, wie sie ist und wie sie vielleicht sein könnte, erklärte er. So dreht er mit «Es beginnt heute» einen Film über jene, die in Frankreich an der Armutsgrenze leben. Und in «Jenseits des Stadtrings» zeigt er, unter welchen Bedingungen die Einwanderer in Frankreich leben.  

Jean-Luc Douin, sein Biograf, beschreibt Tavernier als Mann mit vielen Interessen und Eigenschaften. Dazu zählen Geduld und Diskretion. Über sich selbst sagte Tavernier einmal: «Ich nehme mir bei meinen Filmen viel Zeit und bringe viel Geduld auf. Ich stehle nicht einfach Bilder und fahre dann wieder heim.»  

Bevor Tavernier das französische Kino entdeckte, fand er seine Vorbilder auf der anderen Seite des Atlantiks. Western gehörten zu seinen bevorzugten Genres und Samuel Fuller («Die Hölle von Korea») zu seinen Lieblingsregisseuren. Sein Interesse für das US-Kino hat er gemeinsam mit dem Filmkritiker Jean-Pierre Coursodon in dem mehr als 1000-seitigen Nachschlagewerk «50 ans de cinéma américain» (50 Jahre amerikanisches Kino) zusammengefasst.

Dann entdeckte er Jean Renoir und mit ihm den französischen Film. Sein erster Spielfilm  «Der Uhrmacher von St. Paul» brachte ihm 1974 gleich den internationalen Durchbruch. Für das Drama über ein junges Paar, das den Leiter eines Werkschutzes erschießt, gewann er bei den Berliner Filmfestspielen einen Silbernen Bären.

Tavernier gilt als anspruchsvoll, nicht nur seinen Filmen gegenüber. Zusammen mit Volker Schlöndorff hat er das Lycée Henri IV in Paris besucht, das angesehenste Gymnasium in Frankreich. Er studierte zunächst Jura, bevor er über das Schreiben von Filmkritiken zur Regie fand. Drehen sei wie eine Therapie, hat er einst gesagt. Auf seiner Liste stehen einige der Meisterwerke der Filmgeschichte.

Blog von Bertrand Tavernier

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erstellt am 24.Apr.2016 | 23:59 Uhr

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