zur Navigation springen

Boulevard

09. Dezember 2016 | 10:44 Uhr

TV-Tipp : Die Stille danach

vom

In einer Schule tötet ein Jugendlicher fünf Menschen und erschießt sich dann selbst. Danach ist nichts mehr wie es war. Der Film «Die Stille danach» stellt die Familie des Täters in den Fokus.

Es ist ein ganz normaler Tag an einer Schule: Stimmengewirr und Lachen hallen durch das Gebäude, Schüler laufen in kleinen Gruppen durch die Gänge. Bis das Unfassbare geschieht: Der 15-jährige Felix erschießt mehrere Mitschüler und sich selbst.

Sieben Minuten dauert der Amoklauf des Jungen. «Er war's nicht ... der ist noch ein Kind, der kann keiner Fliege was zuleide tun», sagt seine Mutter voller Überzeugung, als sie ihren toten Sohn in der Rechtsmedizin identifizieren muss. Bis gerade eben hat die OP-Schwester noch ein sorgenfreies Leben mit Mann und zwei Kindern geführt.

«Diesen Abgrund, vor dem man dann plötzlich steht, dieses Leben, wo alles auf einen Schlag verändert ist - darüber nachzudenken und darüber zu erzählen, das hat mich sehr interessiert», sagt Regisseur und Grimme-Preisträger Nikolaus Leytner («Die Auslöschung»). Sein Film «Die Stille danach» wird am Mittwoch (12. Oktober, 20.15 Uhr) zeitgleich im Ersten und bei ORF 2 gezeigt.

Ursula Strauss («Schnell ermittelt»), ausdrucksstarker österreichischer Schauspielstar, spielt in der ORF/MDR-Produktion die Mutter, die zunächst alles nicht wahrhaben will: Sie fordert den Ermittler auf, den «wirklichen Täter» zu finden und stellt ein Foto ihres Sohnes in das Kerzenmeer vor der Schule. Er kenne den Felix nicht, wirft Paula Rohm dem Polizisten vor. Doch wie gut kannte sie selbst ihren Sohn?

Erfurt 2002, Winnenden 2009. In beiden Städten erschossen ehemalige Schüler an ihren Schulen viele Menschen. «Vergleichbare Fälle in Europa hat es bislang nur in Deutschland und Schweden gegeben», heißt es im Film in den fiktiven Nachrichten nach dem Amoklauf. «Die Stille danach» spielt in einer Stadt in Österreich. Dort wird Felix' Mutter im Supermarkt beim Einkaufen angestarrt, ihr Auto auf dem Parkplatz mit roter Farbe beschmiert. Als sie in der Kirche bei der Trauerfeier für die Opfer erscheint, wird sie angespuckt. Später bekommt sie Probleme bei der Arbeit. So geht es auch ihrem Mann, dem ehemaligen Radrennprofi Michael (Peter Schneider).

Die Familie erhält Hassbriefe. Es kommt zu Differenzen und gegenseitigen Vorwürfen bei dem Paar. Er will einen Entschuldigungsbrief an die Angehörigen schreiben, seine Frau ist skeptisch. Er will wegziehen, sie sagt: «Was passiert ist, das nehmen wir mit - überall hin.» «Du solltest zu Deinem Sohn stehen und überlegen, was wir falsch gemacht haben», fordert sie von ihrem Mann. «Wozu soll ich denn stehen, verdammt nochmal? Dazu, dass er fünf Menschen erschossen hat?», entgegnet er.

Wie soll das Leben nach einer solchen Tat weitergehen? Er habe bewusst erzählen wollen, was mit dieser Familie und nicht mit den Opfern passiert, beschreibt der Regisseur und Buchautor seine Herangehensweise. Ihn interessierten prinzipiell normale, scheinbar ganz gewöhnliche Menschen, die dann in eine extreme Situation kommen. «Wie diese Familie, die auf den ersten Blick völlig intakt scheint und wo es dann plötzlich passiert, dass der Sohn in der Schule Amok läuft.»

Die Frage nach dem Warum lässt sich auch hier nicht klären. Da gab es, wie sich erst nach und nach herausstellt, Mobbing und ein hässliches Video davon im Netz, eine unerwiderte Schwärmerei für ein Mädchen in der Schule und wohl ein Leben ohne echte Freunde. Und dann fällt dem Schüler (Enzo Gaier) eine fahrlässig leicht zugängliche Waffe in die Hände. Jeder in der Familie trägt in dem Film einen Teil der Verantwortung.

«Die Stille danach» ist intensiv und bedrückend, hat starke Momente, aber auch schwache und unnötige Szenen. Eine davon zeigt, wie das Mädchen, in das Felix verliebt war, seiner Mutter erzählt, dass er bei der Tat mit Tränen in den Augen und der Pistole in der Hand vor ihr stand. Es ist ein Film, der für Diskussionen sorgen könnte. Gleich im Anschluss soll darüber im Ersten in der Sendung «Maischberger» gesprochen werden.

Die Stille danach

zur Startseite

von
erstellt am 12.Okt.2016 | 00:01 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert