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Boulevard

05. Dezember 2016 | 13:31 Uhr

Medien : Die Kino-Väter

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Das Kino übt noch heute, in Zeiten des Fernsehens und des Streamings im Internet, eine große Faszination aus. Doch wer hat es eigentlich geschaffen und so richtig populär gemacht? Es waren zwei französische Geschäftsmänner, und über sie ist nun die Doku «Die Kino-Väter» zu sehen, an diesem Dienstag (21.45 Uhr, Arte).

Léon Gaumont und Charles Pathé sind das Kino schlechthin, auch wenn sie es nicht erfunden haben - das waren 1895 die Brüder Lumière. Die beiden Franzosen Gaumont und Pathé haben aber zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Filmindustrie aufgebaut, wie wir sie heute kennen. In knapp 15 Jahren schufen sie die Filmstudios, die Kinos, die Apparate, den Farb- und den Tonfilm.

Gaumont ist ein begnadeter Unternehmer, Pathé ein einfallsreicher Ingenieur - sie sind sehr gegensätzlich, und doch tun sie sich schließlich erfolgreich zusammen. Pathé will partout kein Metzger werden wie sein Vater, sondern strebt als Abenteurer in die weite Welt hinaus. Gaumont will unbedingt seinen Traum verwirklichen und dafür sorgen, dass die Bilder laufen lernen.

1895 gründet Filmpionier Gaumont (1864 - 1946) das Unternehmen «Société L. Gaumont et compagnie», um fotografische Apparate zu bauen und zu vertreiben. Ein Jahr später bringt er den Chronophotograph Demeny-Gaumont auf den Markt, eine Apparatur, die sowohl als Filmkamera als auch als Projektor eingesetzt werden kann. Gaumont steigt daraufhin in die Filmproduktion ein und erfindet 1902 das Chronophon, mit dem die Bilder eines Films mit dem Ton eines Plattenspielers synchronisiert werden können. Ab dem Jahr 1908 werden so kurze Sprech- und Opernfilme produziert, es werden Filmstudios, Entwicklungslabors und Kinos erbaut. Gaumont wächst somit zum schärfsten Konkurrenten von Pathé heran.

Das gefällt Pathé (1863 - 1957) natürlich gar nicht, hat er doch nach neuen Geschäftsideen gesucht und dabei die Vorliebe des Publikums für mordlüsterne Geschichten auf Zelluloid entdeckt. Er ist der erste, der das Kino als zukunftsträchtige Industrie betrachtet und den Ausbau vorantreibt. Er kauft die Patente der Gebrüder Lumière, entwickelt eine Studiokamera, stellt ein Inventar an Filmausrüstungen zusammen und produziert billiger, um mehr zu verkaufen. Er stellt nur Frauen als Arbeiterinnen ein und sorgt dafür, dass es ihnen und seinen 2000 Angestellten in seinem Betrieb überhaupt gut geht - so gibt es für sie immerhin einen einwöchigen bezahlten Urlaub.

Pathés Unternehmen expandiert rasch nach England und Österreich, später nach Russland, Japan, Australien und in die USA. Es entstehen zahlreiche Meisterwerke der Filmkunst wie «Treues Herz» von Jean Epstein oder «Das Rad» (beide 1923) von Abel Gance. Vor allem junge und unbekannte Regisseure wie Alice Guy-Blaché («La Fée Printemps», in Farbe) oder Louis Feuillade («Fantômas») bekommen eine Chance.

Filmautorin Emmanuelle Nobecourt zeichnet ein faszinierendes und beflügelndes Porträt zweier außergewöhnlicher Männer, die sich einem gemeinsamen Ziel und einer großen Leidenschaft verschworen haben. Mit wohltuender Erzählstimme, vielen Privataufnahmen aus den beiden Familienarchiven und wunderschön zusammengestellten (nachcolorierten) Illustrationen und Filmausschnitten nimmt sie den Zuschauer mit auf eine faszinierende Zeitreise.

Gaumont und Pathé waren beide ausgesprochen einfallsreiche Visionäre mit dem Finger am Puls der Zeit und schafften es - trotz zunehmender Konkurrenz des Tonfilms aus den USA und daraus resultierender nachfolgender Pleiten und Schließungen ihrer Unternehmen - den Filmkonsum massentauglich zu machen. Die Margerite (nach dem Vornamen seiner Mutter) ist bis heute das Logo der Firma Gaumont; der gallische Hahn nimmt dieselbe Rolle bei Pathé ein. Uhr ihr Kino lebt weiter.

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erstellt am 16.Aug.2016 | 00:01 Uhr

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