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Boulevard

10. Dezember 2016 | 19:39 Uhr

Beziehungsdrama : «Die Habenichtse»: Romanverfilmung mit Julia Jentsch

vom

Mit «Die Habenichtse» gewann Katharina Hacker vor zehn Jahren den Deutschen Buchpreis. Jetzt wurde der Roman für das Kino adaptiert - mit zwei starken Hauptdarstellern.

Es ist der 11. September 2001, an dem sich Isabelle (Julia Jentsch) und Jakob (Sebastian Zimmler) verlieben. Das private Glück und die Ohnmacht nach den Terroranschlägen auf das New Yorker World Trade Center mischen sich in der darauffolgenden Zeit - mit fatalen Folgen für das Leben des jungen Paares.

Denn der gemeinsame Freund Hans ist bei den Attentaten getötet worden. Hans, der Isabelle und Jakob nach zehn Jahren ohne Kontakt ein Wiedersehen bei einer Vernissage in Berlin ermöglicht hat. Hans, dessen Job bei einer auf Restitutionsansprüche spezialisierten Anwaltskanzlei in London von Jakob übernommen wird.

«Die Habenichtse» lautet der sprechende Titel der Romanverfilmung. Vor zehn Jahren gewann Schriftstellerin Katharina Hacker mit «Die Habenichtse» den Deutschen Buchpreis. Nach dem Drehbuch von Mona Kino hat Regisseur Florian Hoffmeister («3 Grad kälter») die Geschichte von Isabelle und Jakob nun verfilmt.

Herausgekommen ist ein in schwarz-weiß gedrehtes Beziehungsdrama - mal spröde, mal leidenschaftlich. Das Grundgefühl des Verlorenseins und eine gewisse Ratlosigkeit bestimmen Roman wie Film. Fast kammerspielartig lenkt die Verfilmung den Blick vor allem auf das Paar, das schnell geheiratet hat, nun nicht richtig weiß, wie es weitergehen soll und stattdessen still verzweifelt aneinander vorbei lebt.

Julia Jentsch («24 Wochen», «Effi Briest») spielt die eigentlich energisch zum Glück entschlossene Isabelle, die Jakob nach London folgt. Sebastian Zimmler («Hüter meines Bruders», «Was bleibt») ist Jakob, der von Schuldgefühlen geplagt durch ein trostloses Leben schleicht. Der schauspielerischen Kraft von Jentsch und Zimmler verdankt «Die Habenichtse» seine Intensität.

«Unsere Liebe ist schuld», sagt Jakob, der nach einem Schuldigen für den Tod von Hans und nach dem Sinn seines eigenen Lebens sucht. Kann die Liebe von Isabelle und Jakob dann überhaupt noch eine Zukunft haben? Auch die Grafikerin Isabelle sucht krampfhaft nach ihrer Bestimmung. Die Affäre mit einem Drogendealer und die Begegnung mit einem offensichtlich von ihren Eltern vernachlässigten und misshandelten Nachbarsmädchen sind aber nur weitere Anhaltspunkte für die Verlorenheit der jungen Frau.

Auf einer Parkbank kommt es schließlich zu einer Art Aussprache zwischen den Eheleuten. «Ich bin es leid, allein zu sein», sagt Isabelle. «Ich auch», erwidert Jakob. Wie wird ihre Zukunft aussehen? Jetzt, da sich Eifersucht und Unsicherheit in die eigentlich sehr innige Beziehung eingeschlichen haben?

Die Entscheidung für die schwarz-weiße Optik erscheint nur folgerichtig - es ist eine Entscheidung für die Konzentration auf das Wesentliche: den Blick in die Gesichter von Isabelle und Jakob, in ihre verwundeten, ratlosen Seelen.

Die Habenichtse, Deutschland 2016, 104 Min., FSK ab 12, von Florian Hoffmeister, mit Julia Jentsch, Sebastian Zimmler

Die Habenichtse

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erstellt am 27.Nov.2016 | 15:19 Uhr

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