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Boulevard

11. Dezember 2016 | 11:01 Uhr

Leute : Die ewige Monarchin: Queen Elizabeth II. wird 90

vom

Queen Elizabeth II. liebt Kleider in leuchtenden Farben, sperrige Handtaschen und geht nie ohne Hut außer Haus. In die Politik mischt sich die Königin nicht ein. Ihre Reden sind wenig mitreißend. Doch im Palast heißt es über das britische Staatsoberhaupt: «She is very much at the helm» - Sie hat das Steuer fest in der Hand.

Am 21. April wird die Queen 90 Jahre - sie ist die älteste Königin der Welt, nie zuvor hat ein britischer Monarch ein solches Alter erreicht. Und eines steht fest: Für 90 ist die alte Dame noch verdammt gut in Form. Jetzt soll gefeiert werden - königlich!

Die Deutschen haben sie noch in bester Erinnerung: Im Sommer 2015 tourte sie durch Deutschland, Höhepunkte waren eine Fahrt auf der Spree und ein bewegender Besuch im Konzentrationslager Bergen-Belsen.

Gemeinhin gehen 90-Jährige ihre Feiern eher etwas ruhiger an - nicht so die Queen. Kein geringerer als US-Präsident Barack Obama macht am 22. oder 23. April seine Aufwartung in Schloss Windsor. Worüber die beiden wohl reden - über Donald Trump, das Enfant terrible der US-Politik, über das Brexit-Referendum in Großbritannien? Der Haken ist: Die Queen gibt keine Interviews, niemals. Daher wissen die Untertanen nicht, was ihre Königin wirklich denkt.

Apropos Brexit: Bei dem Thema ist die Queen jüngst übel in die Schlagzeilen gerutscht. Das Massenblatt «The Sun» wollte erfahren haben, dass die Monarchin den Austritt aus der EU favorisiert. Die Königin, peinlich um politische Neutralität bemüht, was not amused.

Und was tat der Palast? Er beschwerte sich beim Presserat! Kaum ein Ereignis demonstriert deutlicher, wie sehr sich die Zeiten geändert haben. Früher warfen Könige und Königinnen derart Aufmüpfige in den Kerker - heute zieht der Buckingham Palast vor den Presserat. Freundlich und nett ist die Queen, aber ohne Macht. Ist das der Grund, dass die Briten sie lieben?

Da ist zum Beispiel Mike O' Neill, ein Rentner in London, der sein Einkommen mit Putzen aufbessern muss. «Tief in meinem Herzen bin ich Monarchist», bekennt der Mann stolz. Geht es um die Queen, kommt er regelrecht ins Schwärmen. «Sie ist schon so lange dabei... Sie hält alles zusammen.» Politikern gibt Mike keine guten Noten, der Königin schon. Laut Umfragen denken die meisten Briten ganz ähnlich. Man hat sich an die nette alte Dame gewöhnt, keiner will sie missen.

Dann sind da auch noch diese wunderbar unzeitgemäßen Traditionen, diese überkommenen Usancen und Marotten der Royals, die die Briten so lieben. Ein schier unerschöpflicher Fundus ist die königliche Webseite «The British Monarchy» - hochprofessionell gemacht.

Etwa zum Thema «Begrüßung der Queen». Zwar heißt es, eigentlich gebe es keine feste Regeln. «Doch viele Leute wollen die traditionelle Form der Begrüßung einhalten. Für Männer heißt das der Diener (nur der Kopf), die Frauen machen einen Knicks.» Die korrekte Anrede sei «Your Majesty», danach möge man bitteschön «Ma'am» sagen. Als etwa Michelle Obama vor ein paar Jahren das Tabu brach und die Queen leicht umarmte, löste das eine längere Debatte aus. Bisher galt immer: Berühren verboten!

Man kann der Queen auch einen Brief schreiben. Adresse: Buckingham Palace. Als Unterschrift hätte der Palast gern die Formulierung: «I have the honour to be, Madam, Your Majesty's humble and obedient servant.» Auf deutsch: «Ich habe die Ehre, Madam, Ihrer Majestät demütiger und ergebener Diener zu sein.»

Noch skurriler ist, was die Webseite etwa zum Thema «Interessen der Queen» zu bieten hat. Da liest man: «Ein Tierliebhaber von Geburt an.» Ein tiefes und bemerkenswertes Interesse habe sie an Pferden und Hunden, aber sie wandere auch gerne und interessiere sich für traditionelle schottische Tänze. Ist das alles, für das sich die britische Königin interessiert?

Was hat die Queen nicht schon erlebt, was hat sie nicht schon durchgemacht! Als Kind musste sie wegen der deutschen Bombardierungen London verlassen, die meiste Zeit lebte sie in Windsor. Dafür tanzte sie inkognito auf den Straßen, als die Deutschen im Mai 1945 kapitulierten.

Sie war ein blutjunges Mädchen, als sie «ihren Prinzen» kennenlernte - und ins Schwärmen geriet. Seit sage und schreibe 68 Jahren ist sie mit Prinz Philip verheiratet, einem Spross aus dem Hause Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg. Sie sagt, er sei ihr immer eine Stütze. Er beklagte sich mitunter über seine Rolle als «Mann an ihrer Seite». Wenn im Juni in London die ganz große Queen-Feier steigt, wird Philip 95 (10. Juni).

Elizabeth war 23, als ihr Vater starb. Als sie 1953 gekrönt wurde, kauften sich auch viele Deutsche eigens einen Fernseher, um mit dabei zu sein. Ein Dutzend Premierminister hat sie erlebt, von Winston Churchill bis David Cameron. Alle haben allwöchentlich bei ihr auf dem Sofa gesessen und von ihren Amtsgeschäften geplaudert. Es heißt, am schlechtesten habe sie sich mit Margaret Thatcher vertragen.

Doch trotz aller Sympathie und Liebe der Untertanen - macht die Queen auch nur den kleinsten Fehltritt, sind die Briten unerbittlich mit ihrer Kritik. Zum Beispiel: Zum Abschluss und Höhepunkt der Geburtstagsfeiern lädt die Queen Anfang Juni zum Mittagessen auf der Prachtstraße The Mall ein. 10 000 Gäste werden erwartet, an langen Tisch werden sie sitzen, «hamper style», nennt das der Palast, Essen aus dem Picknickkorb, serviert vom Warenhaus Marks&Spencer.

Doch als herauskam, dass die Gäste 150 Pfund für das eher frugale Lunch zahlen müssen, hagelte es Kritik. «Der 90. Geburtstag der Queen droht zum royalen PR-Desaster zu werden», ätzte etwa die Zeitung «The Independent».

Was den Umgang mit der Öffentlichkeit angeht, so hat die Queen dazugelernt. Im Spätsommer 1997 kam ihre geschiedene Schwiegertochter Diana bei einem Autounfall in Paris ums Leben. Zu wenig Trauer und Gefühl soll sie damals an den Tag gelegt haben, die Untertanen reagierten mit Unverständnis und Kopfschütteln, die Medien mit beißender Kritik, kurzzeitig schien die Monarchie ins Wanken zu geraten.

Seitdem gibt sich die Queen, so Insider, weicher, zugänglicher, wendet sich bei öffentlichen Auftritten dem Volk zu, winkt mehr als früher, lächelt mehr als früher.

Die Queen wird 90, «obwohl sie nicht daran erinnert werden will», wie aus dem Palast verlautet. Sie habe mitunter Rückenschmerzen, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Doch Langlebigkeit liegt ihr vermutlich in den Genen - ihre Mutter wurde 101.

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erstellt am 19.Apr.2016 | 13:57 Uhr

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