zur Navigation springen

Boulevard

05. Dezember 2016 | 13:42 Uhr

Medien : Der Tote am Teich

vom

Ein Mann geht im Morgengrauen aus dem Haus und stapft mit Schneeschuhen durch das jungfräuliche Weiß vom verschlafenen Dorf in den Wald. Gelassen und hoffnungsvoll kontrolliert er Wildtierkamera um Wildtierkamera.

Sepp Ahorner (Josef Hader) hofft auf Foto-Beute, «einen Elch!». Als er am zugefrorenen Teich ist, findet er allerdings eine Leiche und eine Blutspur auf dem Eis. Danach ist nichts mehr wie es war im idyllischen Bergort im oberösterreichischen Mühlviertel, in dem der Landkrimi «Der Tote am Teich» spielt. Die ORF-Produktion nach einem Drehbuch von Susanne Freund wird an diesem Freitag (20.15 Uhr, Arte) erstmals im deutschen Fernsehen ausgestrahlt.

Der Tote ist Jakob Prantner (Philipp Hochmair), ein Prokurist aus der Stadt auf Urlaub im Böhmerwald. Wie die Ermittlerinnen, die erfahrene Kommissarin Grete Öller (Maria Hofstätter) und ihre junge ehrgeizige Kollegin Lisa Nemeth (Miriam Fussenegger), herausfinden, war er nicht gerngesehen in dem kleinen Ort. Die Frauen treffen auf eine Mauer des Schweigens. Das Motiv aber scheint schon nach einem ersten Hinweis klar: Eifersucht. Das Opfer hatte Streit mit einem gehörnten Ehemann. Der hat allerdings ein Alibi.

Mit jedem Schritt spinnt sich nun ein neuer Faden, zugleich gerät die alte Ordnung der Dorfgemeinschaft ins Wanken. Auch Sepp Ahorner, ein frühpensionierter Polizist, mischt mit bei der Suche nach dem Täter, obwohl alle Fäden in seine Familie führen. Hader, einer der beliebtesten Schauspieler Österreichs, zeichnet wunderbar den gebrochenen und einsamen Ex-«Schnüffler». Nachdem er den Unfalltod von Frau und Tochter nicht aufzuklären vermochte, hat er resigniert.

Der Tote auf dem Eis weckt allerdings alte Instinkte, auch wenn es schmerzt: die Tatwaffe, ein Eisstock, stammt vom Hof seiner Cousine, wo das Opfer wohnte. Der Ex-Polizist - gefühlvoller Mann mit rauer Schale - forscht auf eigene Faust und gegen sein Umfeld. Dabei brechen Konflikte auf und kommt Verborgenes aus der Vergangenheit ans Licht. Und nicht nur bei Ahorners brodelt es, selbst der Pfarrer harrt ängstlich der Dinge. Bei ihm hat der Täter als braver Katholik sein Geheimnis gebeichtet.

Regisseur Nikolaus Leytner («Ein halbes Leben») inszenierte die Handlung mit Gefühl, Humor und einem Schuß Ironie. Dabei zeigt er auch die Landschaft - in Wintersonne oder trübem Dämmerlicht. Meist ist es dunkel wie das Motiv für die Tat. In der Abgeschiedenheit der Provinz raufen sich nicht nur Öller und Nehmet zusammen, die sich anfangs die üblichen Kämpfe Jung gegen Alt liefern, Naivität gegen Erfahrung, Ehrgeiz gegen Gelassenheit. Und bei Ahorner reaktiviert der Fall die Fähigkeiten eines ehemaligen Spitzenermittlers.

Mit viel Feingefühl und Schmerz bringt er die Frauen auf die richtige Spur. Das hochkarätige Darstellerensemble - auch mit Erni Mangold als Mutter Ahorner und Thomas Reisinger als gehörnter Ehemann - und die Natur machen den spannenden Kriminalfall zu einem besonderen Film des Genres mit halbem Happy-End: Die ungleichen Kommissarinnen sind beim «Du», und der Ex-Polizist lebt auf. Nur widerwillig lassen sie die Handschellen klicken - nach dem Segen am Aschermittwoch. Und nach dem Fasching wird es dann doch noch kitschig: Öller kehrt zurück ins Dorf zu Ahorner - und auf der Alm ist ein Elch zu sehen.

Der Tote am Teich

zur Startseite

von
erstellt am 29.Apr.2016 | 00:01 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert