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Boulevard

03. Dezember 2016 | 14:41 Uhr

Medien : Der Tod im Kreis

vom

Eine Therapiegruppe tagt, man schenkt sich während einer sogenannten «Familienaufstellung» im Kreis gegenseitig nichts, und dann liegt am nächsten Morgen ein Mann aus der Runde in einer großen Blutlache tot am Boden - mit einem Bratspieß im linken Auge.

Wer hat das nur getan - einer der vier aus der Gruppe, womöglich gar der Leiter - oder war es die Köchin? Um die Aufklärung des üblen Verbrechens in Krakau geht es in dem polnischen Spielfilm «Der Tod im Kreis», der an diesem Freitag (20.15 Uhr, Arte) zu sehen ist.

War es Selbstmord, ein Einbruch - oder wurde Henryk Telak (Krzysztof Globisz) brutal ermordet? Bei der Aufstellung kam heraus, dass seine Tochter sich kürzlich umgebracht hat, nachdem sie missbraucht worden war, dass sein Sohn krank ist und dass er eine ausgesprochen schwierige Beziehung zu seiner Frau hatte - die angesichts seines unschönen Todes erstaunlich gefasst reagiert.

Henryk wurde als zutiefst unglücklicher, gebrochener Mensch geschildert, den niemand in seiner unmittelbaren Umgebung wirklich beachtet hat. Also könnte ein Motiv wie Rache, Hass oder verschmähte Liebe in Frage kommen. Der Staatsanwältin Agata Szacka (Maja Ostaszewska) und dem Polizisten Slawomir Smolar (Marek Bukowski) wird schnell klar, dass der Täter aus der Gruppe stammen muss - oder dass es der betreuende Psychotherapeut Dr. Rudzki (Olgierd Lukaszewicz) selbst gewesen sein könnte.

Ganz so einfach ist die Geschichte dann doch nicht. Vielmehr führen die Nachforschungen in die kommunistische und korrupte Vergangenheit Polens, genauer in das Jahr 1987. Agata und Slawomir entdecken üble Machenschaften mächtiger früherer Drahtzieher, die immer noch ihre Strippen ziehen - und sie entdecken nebenbei ihre tiefen Gefühle wieder, die sie vor einigen Jahren füreinander empfunden haben. Sie erklären kurzerhand alle Therapieteilnehmer in Einzelverhören zu Hauptverdächtigen und versuchen so, sie gegeneinander auszuspielen. Die Situation spitzt sich zu, als sich herausstellt, dass alte Kader noch immer mächtig sind und die Polizei nur ein Papiertiger ist.

Man erfährt in diesem Film sehr viel über das Thema Familienaufstellung, bei der meist Familiengeheimnisse zu Tage kommen, von denen die Teilnehmer bislang nicht die blasseste Ahnung hatten. Ob das nun gut oder doch nicht so gut ist - für ungeahnte Folgen ist hier auf jeden Fall gesorgt. Kameramann Marcin Koszalka findet einige lange Kameraschwenks über die schöne Stadt Krakau, die den Zuschauer ein wenig ablenken sollen von allzuviel therapeutischen Informationen. Wer mag, der kann auch ein paar Bezüge zur aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung in Polen herstellen.

Der etwas zu bemühte Film von Drehbuchautor und Regisseur Jacek Bromski («Alice») will wohl ein Psychothriller sein, doch reicht es lediglich zu einem leidlich spannenden und verworrenen Krimi - der zum blutigen Ende hin ziemlich unglaubwürdig wird. Verwirrende Rückblenden (in schwarz-weiß) gibt es reichlich, witzige Momente hingegen kaum. Immerhin taucht ein Pathologe mit Sinn für seltsamen Humor auf - was ja auch in deutschen Krimis mal vorkommt. Dieser hier sagt: «Wir können der Leiche den Penis abschneiden, und den kann man dann im Glas auf den Schreibtisch stellen».

Der Film basiert auf dem Roman «Warschauer Verstrickungen» von Zygmunt Miloszewski, in dem es statt der Staatsanwältin Agata den Ermittler Theodor Szacka gibt. Warum dieser Geschlechterwandel sein musste, bleibt unerfindlich. Unzweifelhaft jedoch ist, dass Maja Ostaszewska (43) den Part der toughen Ermittlerin recht überzeugend spielt. Die polnische Schauspielerin wurde in Krakau geboren, spielte eine kleine Rolle in «Schindlers Liste» (1993, Regie: Steven Spielberg) und wurde einem breiteren Publikum durch ihre Hauptrolle in «Das Massaker von Katyn» (2007, Regie: Andrzej Wajda) bekannt.

Doch leider kann auch sie nicht verhindern, dass einen die Auflösung der Geschichte (ein Rachefeldzug nach dem Motto: Auge um Auge) alsbald nicht mehr sonderlich interessiert - und dass der Film eindeutig zu lang und zu langatmig geraten ist.

Der Tod im Kreis

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erstellt am 20.Mai.2016 | 00:01 Uhr

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