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Boulevard

10. Dezember 2016 | 02:18 Uhr

TV-Tipp : Der Teufel von Split

vom

Sonntag ist längst nicht mehr der einzige Krimi-Tag. Die ARD hat den Donnerstag für sich entdeckt - und verbindet Verbrecherjagd mit internationalen Locations wie Istanbul, Zürich und Athen. Nun soll eine neue Kroatien-Reihe Zuschauer in ihren Bann ziehen.

Sie lösen Fälle in Athen, jagen Kriminelle in Tel Aviv und decken Morde in Istanbul auf. Viele der Ermittler aus den Donnerstags-Krimis in der ARD sind inzwischen ausgesprochen beliebt.

Nun begeben sich drei neue Kommissare in den kriminellen Untergrund von Split, der Weltkulturerbe-Stadt an der Adria. Mit «Der Teufel von Split» startet am Donnerstag (20.15 Uhr im Ersten) der erste Kroatien-Krimi, am 22. September folgt «Tod einer Legende».

Der Kroatien-Krimi baut Spannung mit Kontrasten auf. Die selbstbewusste, aber durchaus komplizierte Branka Maric, gespielt von Neda Rahmanian («Die Pfefferkörner»), setzt ihren Charme und ihre Dickköpfigkeit ein, um sich in einer Männerdomäne zu behaupten. Sie wird zur ersten Frau an der Spitze der Mordkommission, kämpft aber gegen Vorurteile und Skepsis.

Gleich ihr erster Mordfall als Chefin bringt ihre Stellung ins Wanken. Denn in den Augen ihrer Vorgesetzten braucht Maric zu lange dazu, ihn zu lösen. Ein Mann wird im Hafen von Split tot aufgefunden. Die Ermittlungen führen in die Vergangenheit, zur ehemaligen Kampftruppe des Ermordeten während des Jugoslawienkrieges. Dann wird ein zweites Mitglied umgebracht. Bei Maric berührt der Fall einen wunden Punkt - denn ihr Bruder, im Krieg gefallen, gehörte der gleichen Einheit an.

Die Vielschichtigkeit und das Selbstbewusstsein der Kommissarin hat Schauspielerin Rahmanian angezogen. «Diese Frau, die sich in einer männerdominierten Welt durchsetzen muss und es auch tut, und das mit einer Leichtigkeit und einem Selbstverständnis», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur über ihre Rolle. «Auch mit Schwierigkeiten und Konflikten in der Biografie.»

Unterstützung bekommt Maric von ihren Kollegen in der Mordkommission. Emil Perica, gespielt von Lenn Kudrjawizki («The Transporter Refueled», «Abschnitt 40»), ist vom Krieg gezeichnet und entstammt der konservativen Gesellschaft, steht seiner Chefin aber loyal zur Seite. Auch der stille Ex-Soldat Borko Vucević (Kasem Hoxha, «Soko Wien») hält Maric den Rücken frei.

Mit den Kroatien-Krimis geben Drehbuchautor Christoph Darnstädt und Regisseur Michael Kreindl einen Einblick in die Gesellschaft des jüngsten EU-Mitglieds. Themen wie die Rolle der Frau und die Narben des Jugoslawienkrieges bilden den Hintergrund für die Kriminalfälle.

«Mir ist das sehr wichtig, dass es immer mehrere Schichten gibt, die nicht unbedingt auserzählt werden, aber immer mitschwingen», sagte Kudrjawizki. «Das ist das, was Zuschauer interessiert: eine Idee zu bekommen von einer Kultur, einem Land, was in die EU gehört.»

Rahmanian und Kudrjawizki sind geübt darin, sich in andere Kulturen hineinzuversetzen. Beide Schauspieler sind im Ausland geboren und spielen im deutschen Film und Fernsehen meist ausländische Rollen oder Figuren mit ausländischen Wurzeln. Die im Iran geborene Rahmanian verkörperte etwa in «Leberkäsland» eine türkische Mathematikprofessorin.

Dass die 37-Jährige durchaus eine «stinknormale deutsche Mutter» spielen könne, derartige Rollen aber selten bekomme, störe sie nicht. Dies erfordere noch etwas Zeit vom deutschen Fernsehen, sagte Rahmanian. Wichtig für sie sei, ob sie die Biografie und Geschichte der Figur berühre. «Wo diese Rolle letztendlich herkommt, versuche ich gar nicht persönlich zu nehmen.»

Der in Russland geborene Kudrjawizki hat nach eigenen Angaben eine Zeit lang mit seinen Rollenangeboten gehadert - «der böse Russe, der böse Jugoslawe, der böse Grieche, der Italiener, der Womanizer». Irgendwann habe er Lust gehabt, den «Good Guy» zu spielen. Doch seine Sichtweise habe sich in den vergangenen Jahren gewandelt. «Wenn man über sich selbst reflektiert, dann merkt man, dass es Rollen gibt, die man niemals spielen wird. Das ist einfach Teil unseres Berufes.»

Zwar hat der Kriminalfall in «Der Teufel von Split» wenig Überraschungen auf Lager. Der erste Kroatien-Krimi bietet aber einen interessanten Einblick in Gesellschaft und Sitten des Landes und spektakuläre Aufnahmen von der historischen Stadt Split. Auch ist die facettenreiche Branka Maric eine sympathische Kommissarin, die immer wieder für Spannung sorgt.

Kroatien-Krimi - Der Teufel von Split

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erstellt am 15.Sep.2016 | 00:01 Uhr

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