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Boulevard

05. Dezember 2016 | 17:41 Uhr

Medien : Der Bulle und das Landei

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Kommissare treten im deutschen TV-Film gerne zu zweit auf, und sie streiten oder sie lieben sich. In der Reihe «Der Bulle und das Landei» machen sie sogar beides - und das mit sichtlicher Freude. Im sechsten Film mit dem Titel «Goldrausch» ist das an diesem Donnerstag (20.15 Uhr, Das Erste) sehr schön zu sehen.

Der Bulle heißt Killmer (Uwe Ochsenknecht), und das Landei ist die Kati (Diana Amft). Sie wohnen im beschaulichen Eifelstädtchen Monreal. Die beiden können nicht mit- und auch nicht ohne einander, und jetzt sind sie plötzlich auch noch verheiratet. Die Hochzeit war schon in der vorigen Folge zu sehen und passierte während einer durchzechten Nacht. Nachdem das vorgeschriebene Trennungsjahr überwunden ist, treten beide nun vor Bürgermeister Drömmer (Bernhard Schütz), der die ersehnte Scheidung vollziehen soll. Doch daraus wird angesichts ständiger Störungen nichts.

Dann kommt auch noch die Nachricht vom jähen Hinscheiden des Altbürgermeisters Wolter (Dieter Schaad), der seinem Treppenlift zum Opfer gefallen ist. Zuvor hatte er gegenüber seiner Haushälterin Hermine Blücher (Irm Hermann) angekündigt, bald «eine Bombe platzen zu lassen.»

Bei dieser Bombe handelt es sich um dubiose Vorkommnisse aus den letzten Kriegstagen, die in Rückblenden erzählt werden. Es geht um Nazigold, das angeblich nahe des Dorfes versteckt wurde, um diverse Altlasten und einen Postraub, und dann taucht ein Geständnis per Brief auf. Schließlich macht sich das halbe Dorf bei einer abstrusen Schatzsuche im Wald zu schaffen, da ein hoher Finderlohn ausgesetzt ist. Gefunden wird dort nichts. Dafür aber später - und ganz woanders. Und der arme Herr Wolter ist nicht einfach nur vom Treppenlift gefallen - da wurde schon kräftig nachgeholfen. Die verdächtigte und schon reichlich verschroben wirkende Frau Blücher war es allerdings nicht.

«Ich finde, dass beide Hauptfiguren sehr genau gezeichnet sind. Vor allem die Chemie zwischen Diana und mir stimmt einfach. Die beiden sind allein als Polizisten schon ein gutes Team. Killmer hat ja grundsätzlich Probleme damit, auf sein Herz zu hören», sagte der Schauspieler Uwe Ochsenknecht (60, «Die Udo Honig Story», «Seitensprung mit Freunden») im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur: «Er ist ja im Grunde gar nicht so cool, wie er vorgibt, und Kati durchbricht dann seine Schroffheit und legt gerne immer wieder seine weiche Seite offen.»

Das kann man wohl sagen. Aber Ochsenknecht meint auch: «Das Format fährt ja stets gute Quoten ein, weshalb wir im Grunde gleich weiterdrehen könnten. Allerdings entscheidet die ARD das leider stets nur von Fall zu Fall, wenn die Quote feststeht.»

Das stimmt leider - und verwundert zugleich. Die beiden Autoren Uwe Kossmann und Markus Hoffmann haben nämlich gemeinsam mit Regisseur Torsten Wacker einen munteren Provinzkrimi in Old School-Manier inszeniert, der randvoll ist mit mehr oder minder wunderlichen Figuren - im sympathischen Sinne. Hinzu kommt ein sehr trockener Humor mit alltagstauglichen Sprüchen wie «Kinder und Bekloppte sagen die Wahrheit».

Das Beste ist aber ein sehr spielfreudig aufgelegtes Ensemble - allen voran Irm Hermann, die hier einmal mehr mit spitzem Mund und strafendem Blick aus eisigen Augen eine Glanzvorstellung liefert. Ach ja - und trotz ständig bimmelnder Telefone im Amtszimmer des Bürgermeisters wird die Scheidung von Killmer und Kati doch noch vollzogen. Wie lange das nun Bestand haben wird - das bleibt angesichts einer alsbald folgenden Versöhnung der beiden zur Schmuse-Musik von Barry White sehr fraglich.

Goldrausch

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erstellt am 21.Apr.2016 | 00:01 Uhr

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