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Boulevard

04. Dezember 2016 | 11:15 Uhr

Prozesse : Demo für Gina-Lisa Lohfink - «Ich bin überwältigt»

vom

Jubel brandet auf, als das Model Gina-Lisa Lohfink in einer Prozesspause auf die Straße tritt. Vor dem Kriminalgericht in Berlin-Moabit haben sich etwa 100 Unterstützer der 29-Jährigen versammelt und sitzen dort über Stunden auf der Straße. Der Verkehr muss umgeleitet werden.

Mit brüchiger Stimme haucht Lohfink ihren Anhängern am Montag entgegen: «Ich bin überwältigt..., dass ihr mir so helft.» Auf Transparenten steht: «Du bist nicht allein».

Die frühere «Germany's next Topmodel»-Kandidatin steht wegen falscher Verdächtigung vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten. Sie hatte einem Fußballer sowie einem VIP-Manager Vergewaltigung vorgeworfen. Der Verdacht bestätigte sich bei ersten Ermittlungen nicht. Die beiden Männer bekamen aber einen Strafbefehl, weil sie einen Film vom Sex mit Lohfink verbreitet hatten.

Lohfink bekam wegen falscher Verdächtigung ebenfalls einen Strafbefehl - sie sollte 24 000 Euro zahlen. Weil sie den nicht akzeptierte, kam es nun zu einer öffentlichen Verhandlung. Es stand auch die Vermutung von Lohfink im Raum, dass ihr K.o.-Tropfen verabreicht worden seien.

Der Fall hat bundesweit Aufsehen erregt und spaltet die Gemüter. Die einen sehen Lohfink als ein Opfer der Justiz sowie als Vorkämpferin für die Rechte von Frauen, die sexuelle Gewalt erlitten haben. Andere sehen in dem Fall eine inszenierte Tränenshow. Die Beweisaufnahme kommt am Montag nicht wie geplant zu Ende.

Der erste Zeuge, der aufgerufen wird, ist der heute 28-jährige Fußballer, der damals in Wolfsburg spielte und Lohfink in einem Berliner Club kennenlernte. Der Sex sei einvernehmlich gewesen - an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Juni 2012. «Ich würde niemals etwas machen, was sie nicht will», sagt der Sportler. «Das war schon eine engere Bindung zwischen uns.» In der zweiten Nacht habe nach ihm auch der Manager Sex mit dem Model in dessen Wohnung gehabt. Der Strafbefehl des Managers ist noch nicht rechtskräftig, weil er wegen unbekannter Adresse bislang nicht zugestellt ist.

Vor dem Gerichtssaal sind schrille «Nein, nein, nein»-Rufe zu hören. Wachtmeister schleppen eine Femen-Anhängerin weg, die mit nacktem Oberkörper demonstriert.

Er habe den Strafbefehl wegen der Verbreitung des Videos geschluckt, damit die Sache nicht noch weiter öffentlich werde, sagt der Fußballer, der heute im Ausland spielt. «Ich habe sehr darunter gelitten, das hat meiner Karriere geschadet.» Er habe den Sex auch gefilmt, «aber ich habe das niemals an die Presse gegeben».

Immer wieder schüttelt Lohfink den Kopf, wischt sich Tränen aus den Augen, atmet schwer und wedelt sich Luft zu. Einer der beiden Anwälte hält kurz ihre Hand. Im Gerichtssaal äußert sich Lohfink nicht, das machen ihre beiden Anwälte. Vor dem Saal 572 sagt Lohfink nach achtstündiger Verhandlung in die Kameras: «Ich seh' in keinem Menschen das Böse, obwohl mir das angetan wurde.» Erinnerungen seien hochgekommen. Es sei ein ekliges Gefühl gewesen, dem Mann wieder zu begegnen.

Ihr Anwalt zeigt sich überzeugt, dass es diesen Prozess nach der Reform des Sexualstrafrechts nicht gegeben hätte. Der Bundestag will das verschärfte Gesetz noch vor der Sommerpause verabschieden. Danach soll als Vergewaltigung bestraft werden, wenn das Opfer - auch ohne körperliche Gegenwehr - Nein sagt und dies nicht akzeptiert wird.

Doch vorher kommt es zum Eklat. Lohfink und ihre beiden Verteidiger verlassen am Nachmittag empört den Verhandlungssaal, als Richterin Antje Ebner die umstrittenen Videosequenzen zeigen und dazu die Öffentlichkeit nicht ausschließen will. Das Material sollte auf einem Laptop, abgewandt vom Publikum und ohne Ton, angesehen werden. «Bei Ihnen hakt's wohl», schmettert Anwalt Christian Simonis der Richterin entgegen. Sie wartet ruhig auf die Rückkehr der drei.

Dann stellen die Verteidiger einen neuen Befangenheitsantrag gegen die Richterin - wie schon am Morgen. Über die Anträge entscheidet ein anderes Gericht. Sollte ihnen stattgegeben werden, muss die Verhandlung zunächst ausgesetzt werden.

Als Zeugin spricht auch Lohfinks Ex-Managerin. Die 40-Jährige erzählt, wie Lohfink nach der zweiten Partynacht irgendwann nachmittags mit einem Taxi vor einem Köpenicker Hotel angekommen und torkelnd und verstört ausgestiegen sei. «Da hab' ich schon gesehen, da stimmt was nicht.» Richterin Ebner wundert sich: «Davon haben Sie kein Wort bei der polizeilichen Vernehmung gesagt, das ist doch aber wichtig. (...) Oder war das gar nicht so?»

Die nächsten Prozesstermine sind der 18. Juli und der 8. August. Am 18. Juli werden aber Lohfink und ihre Verteidiger nicht kommen - es ist ein Überbrückungstermin, damit das Verfahren nicht platzt.

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erstellt am 27.Jun.2016 | 18:59 Uhr

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