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Boulevard

06. Dezember 2016 | 15:09 Uhr

TV-Tipp : Das Kino des Ken Loach

vom

Zwei Goldene Palmen in Cannes, mehr als 50 Jahre im Filmgeschäft: Ken Loach hat als Chronist gesellschaftlicher Missstände großes Kino über die kleinen Leute gemacht. Eine Doku würdigt den 80-Jährigen und sein unermüdliches Schaffen.

Die 80 Jahre merkt man Ken Loach nicht unbedingt an. Zwar hatte der preisgekrönte britische Regisseur erst 2014 seinen Ruhestand als Filmemacher verkündet, doch der Abschied währte nicht lange. Denn ein Jahr später gewannen die Konservativen erneut die Unterhauswahl.

Das ließ ihm keine Ruhe. Wenige Monate vor seinem 80. Geburtstag bekam er im Mai 2016 für das Sozialdrama «Ich, Daniel Blake» in Cannes seine zweite Goldene Palme. In ihrer Hommage «Das Kino des Ken Loach - Wut, Mut und Menschlichkeit» an den schonungslosen wie feinfühligen Beobachter sozialer Missstände, die Arte an diesem Mittwoch (21.55 Uhr) zeigt, kommt Regisseurin Louise Osmond, dem Meister sehr nah. Sie zeigt ihn direkt bei der Arbeit - auch dann, wenn mal etwas nicht so klappt wie erhofft.

Den Finger in die Wunde zu legen gefällt natürlich nicht jedem. Und das bekam auch der Filmemacher in seiner rund 50-jährigen Karriere allzu oft zu spüren. In den 70er und 80er Jahren verschwanden manche Produktionen angesichts seiner sozialistischen Überzeugung gar in den Archiven der BBC und wurden nicht gesendet. «Er ist wahrscheinlich der linkeste und subversivste Regisseur, den dieses Land je hatte und ein perfekter Gentleman», sagt sein langjähriger Wegbegleiter und Freund, der britische Produzent Tony Garnett. «Er würde selbst beim Kaffeekränzchen im Kirchenkreis eine gute Figur machen.»

Neben Produzenten und Schauspielern kommen in der 90-minütigen Dokumentation nicht zuletzt Loachs Familienmitglieder zu Wort und erzählen von seinen Anfängen als Mitglied einer Bühnentruppe, über die Jahre als Jurastudent in Oxford bis hin zu den ersten Regiearbeiten für die BBC. Und natürlich auch von den schwierigen Jahren, vor allem in der Thatcher-Ära und der relativ späten Anerkennung nach dem Comeback in den 90ern.

Regisseurin Osmond tut gut daran, die Akteure sprechen zu lassen und viel Originalmaterial aus den verschiedenen Phasen von Loachs Wirken zu zeigen. Neben vielen persönlichen Anekdoten, etwa seiner Vorliebe für Musicals, die seine Töchter preisgeben, lässt sie die Zuhörer auch an den dunkelsten Stunden seines Lebens teilhaben, als ein tödlicher Autounfall das Leben der Familie für immer veränderte.

Was macht die Arbeit von Ken Loach aus? Unisono loben praktisch alle seine besondere Fähigkeit, mit den Darstellern zu arbeiten und auf sie einzugehen. «Am Ende glaubst Du wirklich, diese Figur zu sein», sagt einer seiner Schauspieler. Doch auch eine andere Seite, die Tony Garnett als Schonungslosigkeit bezeichnet, kommt zur Sprache. Später sagt der langjährige Wegbegleiter: «Der springende Punkt ist, dass Ken sich von nichts abschrecken lässt.»

Cillian Murphy, Hauptdarsteller in dem Kriegsdrama «The Wind That Shakes the Barley», für das Loach 2006 zum ersten Mal in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet worden war, beschreibt seine Eindrücke aus der Zusammenarbeit so: «Gegen Ende der Dreharbeiten hatte ich überhaupt nicht mehr das Gefühl, etwas darzustellen. Es war völlig authentisch, wirklich und echt, und zwar weil Ken genau das wollte.»

Arte-Website zum Film

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erstellt am 26.Okt.2016 | 00:01 Uhr

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