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Boulevard

10. Dezember 2016 | 04:15 Uhr

Dänischer Leckerbissen : Chili Klaus, Youtubes schärfster Schmecker

vom

Claus Pilgaard ist Verkoster. Whisky und Wein interessieren ihn nicht. Er zerkaut die schärfsten Chili-Schoten vor laufender Kamera und ist in Dänemark eine Art realer Chuck Norris.

Aarhus | Ein Jeder lacht vor Mitleid, wenn der Jüte Claus Pilgaard mal wieder eine Verkostung seiner liebsten Gartenfrucht vorführt. Er nimmt eine Chili-Schote der schärfsten Sorte, zerkaut sie vor laufender Kamera und lässt Tausende Zeugen seiner geschmacklichen Höllenfahrt werden, die er seine „große Leidenschaft“ nennt. Während des „Trips“ ist er stets voll des Lobes.

Jeder weiß, welche Schärfe die Früchte entwickeln können. Wer nur eine grobe Vorstellung hat, muss nur Claus oder einem seiner Gäste bei ihrer Selbst-Tortur auf höchstem geschmacklichen Niveau ins Gesicht schauen. Sogar seiner Schwiegermutter Else hat „Chili Klaus“ schon eine Schote zu essen gegeben.

Chili-Klaus in Aktion: Dänischkenntnisse weitestgehend überflüssig. Pikant wird es ab Minute 0:58.

 

Langsam und genüsslich lässt er es sich schmecken, nachdem er die Herkunft erläutert und die positiven Eigenschaften der vitaminreichen Südfrucht dem Zuschauer liebevoll nähergebracht hat. In den ersten 20 Sekunden gelingt es ihm noch, die enthaltenen Antioxidanten zu preisen und will trotz des beginnenden Schärfenrauschs immer noch die eine oder andere geschmackliche Nuance entdecken.

Mit sanften Worten beschreibt er sein Erlebnis, lobt die Chili, wie sie „aus dem Ohr“ rauskommt. Schließlich eskaliert es in seinem Mund und er driftet in einen seelenlosen Zustand des Leids. Chili Klaus ringt um Fassung und Contenance – schließlich sind wir hier bei einer Verkostung. Der Youtube-Held hustet, schwitzt, kämpft und lächelt mit dem einreißenden Anschein dänischer Gemütlichkeit. „Hygge“ mit scharfer Schote.

„Chili-Klatsch“ mit Schwiegermutter. Die Mutprobe startet bei Minute 01:54.

 

Wie kommt man eigentlich auf so eine Idee? Den West-Jüten wird in Dänemark allgemein eine gewisse Verrücktheit nachgesagt, wie es hierzulande bei Torhütern und Linksaußen – vielleicht auch bei Ostfriesen - der Fall ist. Paul Pilgaard stammt von dort. In Aarhus arbeitet er als Musiker und nennt sich „Klaus Wunderhits“. Chilis züchtet er bereits seit 2008 in seinem Garten – weil sie schöner sind als Tomaten. Im Sommer 2013 weiß der 49-Jährige Schöngeist gerade nicht, wie er seine Facebook-Seite bestücken soll und postet sein Chili-Erlebnis. Es wird sein wahrer Wunderhit.

Über 180.000 Facebook-Fans versammeln sich inzwischen in seiner Gruppe „Chili Klaus“ und hören dem Entertainer zu, wenn er mal wieder eine Habanero mampft. Knapp 30 Chili-Clips hat er inzwischen auf Youtube – mal mit und mal ohne prominenten Gast, der oder die ihm mit halber Schote zuprostet. Auch Politikern hat er schon mit einer seiner wirkungsvollen Gartenfrüchte die Sprechwerkzeuge betäubt. Selbst der Weihnachtsmann reiste aus Grönland an. Seine Chili-Show schafft es ins Fernsehen. Er schreibt ein Buch über die Härten seines Geschmacks. Eine Biersorte trägt seinen Namen, in kürzester Zeit wird er zur Kult-Figur.

Vatertag in Kopenhagen.

 

In Kopenhagen treffen sich Anfang Juni 1.000 Fans des Chili-Hypes und essen im Kollektiv jeder eine Geister-Chili – die zweitschärfste Schote der Welt. Verpackt sind sie in einer Tüte mit dem Logo ihres Helden „Chili Klaus“ Der Flashmob isst, kaut, keucht, schwitzt, taumelt, leidet und lacht. Wann hört das Brennen endlich auf? Keiner weiß es. „Warten bis der Zug kommt“, rät der Guru selbst. Zu Schaden kommt niemand.

Die Sorte „Carolina Reaper“ bleibt dem Youtube-Helden vorenthalten. Mit mehr als zwei Millionen SHU auf der Scoville-Schärfenskala ist sie als Hybrid die schärfste kulinarische Angelegenheit unter der Sonne. Chili-Klaus hat seine eigene Skala von eins bis 15 entwickelt, die sein Markenzeichen geworden ist: Er spricht nur von „Windstärken“. Der „Scorpion Morouga Red“ gibt er sogar die Höchstwertung.

Ein Protestsong – der sich anscheinend gegen Sexismus richtet – bei „Windstärke 15“.
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erstellt am 19.Jun.2014 | 19:32 Uhr

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