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Boulevard

09. Dezember 2016 | 02:59 Uhr

Gute Bilanz : Bjarne Mädel: «Ich würde nicht so viel anders machen»

vom

«Den Tod an sich würde ich gern vermeiden», sagt Bjarne Mädel. Es sei für ihn so unvorstellbar, nicht mehr da zu sein, dass er mit dem Thema nur humorvoll umgehen könne. Nicht nur als «Tatortreiniger».

Als «Tatortreiniger» begegnet Schauspieler Bjarne Mädel (48) in der gleichnamigen TV-Comedy dem Tod mit schwarzem Humor. Komisch und tragisch wird es, wenn er im Fernsehfilm «Wer aufgibt ist tot» als Spiegelverkäufer mit ihm konfrontiert wird.

Denn so richtig tot ist seine Filmfigur erst einmal nicht, sondern kann noch einiges im Nachhinein korrigieren. Mädel selbst hätte da gar keinen so großen Bedarf und erzählte im Interview der Deutschen Presse-Agentur auch, wie wenig ein Lottogewinn bei ihm verändern würde - im Gegensatz zu einer Nichtraucher-App.

Frage: Was würden Sie ändern, wenn Sie im Nachhinein etwas in Ihrem Leben korrigieren könnten?

Antwort: «Diesen Wunsch kennt wohl jeder. Bei mir wären das aber gar nicht so wahnsinnig viele Dinge. Irgendwie macht das schon alles Sinn so, die Summe der einzelnen Teile ist es eben. Man kommt dahin, wo man gerade ist, und wird zu dem, der man ist, durch alles, was man erlebt und getan hat. Es gibt ja die berühmte Frage: Was würdest Du machen, wenn Du im Lotto gewinnst? Wenn Leute darauf antworten, sie würden alles anders machen, denke ich immer: wie traurig. Also ich würde nicht so viel anders machen, sondern zum Beispiel immer Schauspieler sein wollen - auch bei einem Millionengewinn im Lotto.»

Frage: Schauspieler zu werden, stand für Sie schon immer fest?

Antwort: «Früher wollte ich mal Schriftsteller werden. Ich wollte mir Geschichten ausdenken, aufschreiben und dann in Kalifornien am Strand liegen und auf Ideen für den nächsten tollen Roman warten. Damals hatte ich eine sehr romantische und auch sehr naive Vorstellung vom Schreiben, die ich dann aber auch sehr schnell wieder aufgegeben habe. Schauspieler bin ich wahnsinnig gern, ich habe aber auch ganz viel Glück gehabt in den vergangenen Jahren, dass es so gut läuft. Toi, toi, toi! Aber auf all die Zigaretten, die ich in meinem Leben geraucht habe, würde ich im Nachhinein gern verzichten.»

Frage: Wie lange haben Sie denn geraucht - und vor allem: wie viel?

Antwort: «29 Jahre lang, zuletzt auch sehr stark, also am Schluss zwei Schachteln täglich. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich nie wieder anfangen zu rauchen. Vor vier Jahren habe ich damit aufgehört, seitdem zeigt mir eine Nichtraucher-App genau an, wie viele Zigaretten ich seither nicht geraucht und wie viel Geld ich dadurch gespart habe. Die Zahl der nicht gerauchten Zigaretten fasziniert und motiviert mich. Ich habe natürlich noch häufig Lust, eine zu rauchen - aber dann wären die 50 000, auf die ich inzwischen verzichtet habe, ja umsonst gewesen.»

Frage: Beim «Tatortreiniger» oder jetzt im Film «Wer aufgibt ist tot» spielt der Tod eine Rolle. Wie gehen Sie selbst mit diesem Thema um?

Antwort: «Den Tod an sich würde ich gern vermeiden. Es ist für mich so unvorstellbar, nicht mehr da zu sein, dass die einzige Chance für mich darin besteht, humorvoll mit diesem Thema umzugehen. Wenn man sich wirklich ernsthaft damit beschäftigt, dürfte man eigentlich nur noch Dinge machen, von denen man überzeugt ist, dass sie für die Ewigkeit sind. Leichte Unterhaltung wäre schon mal ausgeschlossen. Würde ich alles nur im Angesicht des Todes betrachten, hätte ich allein schon morgens Motivationsprobleme, überhaupt aufzustehen. Ich versuche das Thema einfach so gut es geht zu vermeiden.»

Frage: Wenn Sie sich dann doch mal damit befassen: Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Antwort: «Ich stelle mir vor, dass danach nur noch reine Emotionen vorhanden sind und dass ich mich dann freier bewegen kann, weil ich nicht mehr an meinen Körper gebunden bin. Aber tief in mir drin gibt es auch die Angst, dass danach gar nichts kommt und ich einfach nicht mehr da bin - das ist wie gesagt für mich unvorstellbar.»

ZUR PERSON: Bjarne Mädel, 1968 in Hamburg geboren, wurde als «Ernie» in der TV-Serie «Stromberg» und als Polizist in der Serie «Mord mit Aussicht» einem großen Publikum bekannt. Sein «Tatortreiniger» erhielt unter anderem zwei Grimme-Preise. Das Kino-Drama «24 Wochen» mit ihm und Julia Jentsch in den Hauptrollen war im Wettbewerb der vergangenen Berlinale der einzige deutsche Beitrag.

Wer aufgibt ist tot

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erstellt am 17.Nov.2016 | 23:59 Uhr

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