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Boulevard

03. Dezember 2016 | 20:54 Uhr

Film : Bestseller-Verfilmung «Mängelexemplar» auf DVD 

vom

Als der Roman «Mängelexemplar» von Moderatorin Sarah Kuttner 2009 erschien, erinnerte die Atmosphäre an ein Studio der aussterbenden Fernseh-Musiksender: wirres und aufgeregtes Geplapper, bunte Kulissen, schrille Outfits und ein anglophoner Jargon, der so manchen Sprachästheten erschauern ließ.

Der Roman wurde dank seiner rotzfrechen und intelligenten Autorin aber zum Bestseller. 20144 hat Regisseurin und Drehbuchautorin Laura Lackmann den Erfolgsroman verfilmt - weniger aufgeregt, verschlankt, und sie hat sich vor allem dem Thema Depression etwas differenzierter genähert. Jetzt liegt «Mängelexenmplar» auch auf DVD (Warner Home Video) vor.

Karo (Claudia Eisinger) ist anstrengend, egozentrisch, viel zuemotional. «Ich mag mich selber nicht.» Das nervt ihre Chefin in derEventagentur, die sie rausschmeißt. Das nervt ihren Freund Philipp(Christoph Letkowski), der sie verlässt. Geliebt haben sich diebeiden zwar nie so recht, aber immerhin hat Philipp Karo etwas Haltgegeben.

Davon gibt es in ihrem Leben nicht viel: der Vater (Mini-Auftritt vonDetlev Buck) ist seit in der Kindheit nicht existent, die Mutter(Katja Riemann) depressiv, die Oma (Barbara Schöne) fürsorglichverständnisvoll und die beste Freundin Anna (Laura Tonke) mit eigenen Problemen beschäftigt und müde davon, dass sich alles immer nur um Karo dreht. Die ist wahlweise himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt, auf jeden Fall total irre.

Also beschließt Karo ohne Geld und Job, dass ihr nur eine Therapieweiterhelfen kann. Nicht viel quatschen - «Meine Kindheit istziemlich durchschnittlich» - sondern lieber gleich eine amtlicheDepression bescheinigen lassen und Antidepressiva schlucken. Dasmacht die Therapeutin Annette (Maren Kroymann) natürlich nicht mit.Karo soll sich kennenlernen, in sich hineinhorchen, Dingehinterfragen und akzeptieren. «Ich hab Urlaub von mir», sagt sieirgendwann einmal, als sie merkt, wie schlecht sie sich selber tut.

Es gibt Aufs und Abs, eine Versöhnung mit Mutter und bester Freundin, Liebeswirrungen, eine Begegnung mit dem Vater, der vor ihren Augen die Figur von Philipp annimmt, da er ähnlich belanglos faselt. Und es gibt das Kind in Karo, «das jeder mit sich herumträgt» und das bei Laura Lackmann als lebendige Filmfigur auftritt. «Du musst das Kind in dir annehmen», lautet einer der vielen Sätze aus dem Lehrbuch der Küchenpsychologie.

Regisseurin und Drehbuchautorin Lackmann hat die Handlung deutlich verschlankt und sortiert, die Stakkatosprache aufs Minimum reduziert. Das tut gut. Vor allem verleiht sie ihren Figuren Tiefe. Jede für sich ist nachvollziehbar und nicht nur Kulisse für die aufgekratzte Karo, die so traurig und gleichzeitig so frech-fröhlich aus ihren riesigen blau-grünen Augen blickt.

Mängelexemplar

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erstellt am 25.Nov.2016 | 15:54 Uhr

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