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Boulevard

05. Dezember 2016 | 11:34 Uhr

Musik : «Berühmte letzte Worte»: Samy Deluxe rechnet ab

vom

Was verbindet Klopapier und Deutschland? Mindestens ein Lied auf Samy Deluxes neuem Album «Berühmte letzte Worte». Genau die fallen in manchen seiner Songs allerdings weniger positiv aus.

In gewohnt launiger Rapmanier rechnet der Hamburger mit dem Staat ab. Zwischen harscher Kritik an der Flüchtlingspolitik, «fetten Beats» und Migrationsdebatten haben dennoch auch «Mama und Papa» einen Platz unter den Titeln bekommen. Kein Wunder: Denn die Platte ist, so sagt er, die «Quintessenz» aus alledem, was ihn über die Jahre bewegte.

«Ein Land in dem die Kanzlerin Flüchtlingskinder persönlich tröstet/ bevor sie sie abschiebt; ich finde das ist eine schöne Geste», bilanziert Samuel Sorge alias Samy Deluxe. Ziemlich ironisch, dabei mehr als eindeutig - denn keine geringere Parole als «mein Klopapier ist schwarz, rot, gold» rappt er in seinem gleichnamigen Song. Nicht weniger politisch zeigt er sich auch mit «Mimimi», dem Track, in dem Sorge seine Stimme den «Mitbürgern mit Migrationshintergrund» gibt.

Für den gebürtigen Hanseaten «sehr selbsterklärende Texte, die wenig Interpretation bedürfen». Überraschen dürfte das nicht, denn er selbst ist Sohn eines Sudanesen. Rassismus bekomme in Deutschland immer nur Aufmerksamkeit, wenn es Anschläge gibt oder einen «extremen Rechtsruck», sagt der 38-Jährige. «Für mich ist das Thema aber seit 1977, dem 19. Dezember, seitdem ich geboren wurde, tagesaktuell.»

Klingt ganz schön politisch. Stimmt zwar, sagt Sorge. So ist es aber gar nicht gemeint. Natürlich mache er Statements, die diesen Anschein erwecken. «Aber ich schaue mir die Welt nicht über Nachrichten an, sondern ich merke einfach, wie es den Leuten geht.» Eins sollte nämlich jedem klar sein: «Wenn es was mit Politik zu tun hat, dann ist es wenn überhaupt politische Satire.» Und das bedeute auch, nicht jeden Text auf die Goldwaage zu legen. «Am Ende geht es mir um die Performance, um die Poesie und um den Flash dahinter.» Eben das, was die Arbeit eines Künstlers ausmache.

Und mit dieser Arbeit dürfte er allem Anschein nach zufrieden sein. «Berühmte letzte Worte» sei sein bislang «bestausproduziertestes» Album. «Jede Spur, jedes einzelne Instrument, jeder Schnipsel hat seine Berechtigung.» Ihm selbst sei es musikalisch sehr wichtig gewesen, dass es «fette Rapbeats» enthält, der Text, der später darauf kam, sei dann quasi «Cherry on top» (engl. das i-Tüpfelchen).

Selbst produziert hat er diesmal deutlich weniger. Vielmehr ging es ihm um das Gesamtpaket - sprich die Videos, die grafische Inszenierung und die Inhalte. Und wer denen zuhört, könnte meinen, im Jugendtagebuch eines heute Erwachsenen zu schmökern. «Diese ganzen reflektierten Songs und Geschichten über mein Leben und wie ich aufgewachsen bin, das ist natürlich schon sehr erwachsen.» Gemeint sind etwa Lieder wie «Papa weint nicht» oder «Von Dir Mama». Verglichen mit anderen Songs zeigen die sich weniger laut, mehr melodisch, vielleicht reifer. Ein Grinsen kann er sich trotzdem nicht verkneifen. «Es hätte auch einem schlauen 17-Jährigen einfallen können.»

Was unter dem Strich zählt, ist für Samy Deluxe das Gesamtpaket. «Allein durch den Vorsatz: 'Es könnte dein letztes (Album) sein', soll es sich so anfühlen, als wärst du damit zufrieden», sagt der Rapper. Ob es das Ende ist? Wir wissen es nicht. «Ich habe es nicht geplant, aber es kann ja trotzdem alles passieren an Launen oder Realitätsveränderungen», sagt er. Was wir aber übrigens wissen: Sein Klopapier ist «tatsächlich ganz normal weiß.»

Website Samy Deluxe

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erstellt am 03.Mai.2016 | 06:00 Uhr

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