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Boulevard

20. Januar 2017 | 00:37 Uhr

Medien : Bergfried

vom

Ein Junge überlebt ein Nazi-Massaker in der Toskana. Jahrzehnte später macht er sich auf die Suche nach einem der Täter. Der ARD-Film «Bergfried» setzt sich mit Schuld, Sühne und Gerechtigkeit auseinander - mit einem ernüchternden Ende.

Ein österreichisches Alpendorf in den 80er Jahren. Der Italiener Salvatore quartiert sich im Gasthof ein und - so empfinden es die Bewohner - schnüffelt herum. Salvatore sucht einen Mörder. Den Mann, der als Soldat kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges seine Familie bei einem Massaker getötet hat.

Mit «Bergfried» zeigt das Erste an diesem Mittwoch (21. September, 20.15 Uhr) ein aufrüttelndes Drama, das auf einer wahren Begebenheit beruht.

Am 12. August 1944 richteten deutsche Soldaten in dem toskanischen Dorf Sant'Anna di Stazzema mehrere Hundert Zivilisten hin, darunter etwa 130 Kinder. Erst Jahrzehnte später befasste sich die Justiz mit dem Massenmord - ohne Konsequenzen für die noch lebenden Täter.

«Der Film ist der Versuch, Gerechtigkeit zu üben. Einfach indem man das öffentlich macht und ins Bewusstsein der Menschen rückt, tut man was für die Opfer», sagte Regisseur und Drehbuchautor Jo Baier der Deutschen Presse-Agentur. Vielen Menschen in Deutschland sei nicht bewusst, welche Verbrechen die Nazis in Italien angerichtet haben.

Baier wollte jedoch nicht das Massaker zeigen, sondern die Auswirkungen, die es bis heute auf die Überlebenden und Angehörigen hat. Salvatore (Fabricio Bucci) hat die grausame Tat als Kind überlebt, weil dem Soldaten die Munition ausging. «Glück gehabt, kleiner Spaghetti», sagt der Deutsche. Ein Satz, der Salvatore nicht mehr aus dem Kopf geht. 40 Jahre später will er den Mann finden.

Nur der alte Stockinger (Peter Simonischek) kommt als Täter in Frage. Der lebt mit seiner ungeliebten Tochter Erna (Katharina Haudum) und seinem Enkel Robert (Benedikt Blaskovic) auf einem Hof. Erna verliebt sich in Salvatore. Obwohl - oder gerade weil - sie weiß, dass ihr Vater keine Italiener mag. In der Witwe Frieda (Gisela Schneeberger) findet Salvatore eine Verbündete.

Salvatore stellt Stockinger schließlich zur Rede, eine Narbe am Kinn verrät ihn. Doch der Alte lässt die Vorwürfe an sich abprallen. Der Film könne ein Anlass sein, sich mit dem Thema Schuld auseinanderzusetzen, sagte Jo Baier. Wie lebt man mit dieser Schuld?

«Vieles ist einfach auch vergessen, und die Generation unserer Kinder, die sagen ja auch schon wieder, dass sie dieses Themas so überdrüssig sind. Andererseits muss man die Erinnerung wach halten», sagte Gisela Schneeberger. Auch wenn sie überzeugt ist, dass es «noch genügend Unbelehrbare» gibt, die die Taten relativieren und mit einem Film wie diesem auch nicht erreicht werden könnten.

Peter Simonischek findet es «gerade in der aktuellen politischen Situation» wichtig, diesen Film zu zeigen. «Es besteht die Gefahr, dass sich Dinge wiederholen und dass man im Schutz eines Regimes, im Schutz einer Gesellschaft plötzlich die Legitimation bekommt, die grausligsten Sachen zu machen.»

Eigentlich will Salvatore den alten Stockinger umbringen - entscheidet sich dann aber doch dagegen. Für den Regisseur Jo Baier war klar, dass der Täter am Ende ungeschoren davon kommen muss. «Denn das ist die Realität».

"Bergfried"

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erstellt am 21.Sep.2016 | 00:01 Uhr

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