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Boulevard

03. Dezember 2016 | 05:47 Uhr

Medien : Bedingt abwehrbereit

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Der Nationalismus in Europa ist alles andere als Geschichte, es gibt Konflikte und Kriege in aller Welt. Das Bedürfnis nach mehr Sicherheit im eigenen Land wird offenbar stetig größer. Spielt deshalb die Verteidigung künftig wieder eine größere Rolle? Solchen Fragen geht die TV-Dokumentation «Bedingt abwehrbereit» nach, die an diesem Donnerstag (20.15 Uhr, 3sat) zu sehen ist.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) wird gleich zu Beginn zitiert: «Ist Deutschland bereit zu führen? Meine Antwort ist: Ja, wir sind bereit». Etwas später wird sie im Film-Interview sagen: «Ich kann die Deutschen gut verstehen mit dem Wunsch, dass man nicht Militär einsetzen müsste. Wir würden uns das auch wünschen, wenn die Welt ruhiger wäre. Aber ich sehe auch, dass es ein wachsendes Verständnis dafür gibt, dass es Situationen gibt, dass der Einsatz von Militär unverzichtbar ist».

Autor John A. Kantara (52) erklärt dem Zuschauer viel: Die Bundeswehr ist derzeit in 16 Krisengebieten wie Mali oder Afghanistan im Einsatz. Mit 178 000 Soldaten und knapp 70 000 zivilen Beschäftigten ist sie in etwa so groß wie mancher DAX-Konzern, «ähnelt aber in ihrer bürokratischen Behäbigkeit eher einem Maschinenbaukombinat der ehemaligen DDR», wie es im Filmkommentar heißt.

Nachwuchs und Spezialisten werden händeringend gesucht. Laut der Dokumentation ist nur die Hälfte der Eurofighter einsatzbereit, von sechs neuen U-Booten könnten vorerst nur vier in See stechen. Viele Verträge der Bundeswehr seien zudem um die 20 Jahre alt und eher zugunsten der Rüstungsindustrie formuliert. Die Verknüpfung von Industrie und Bundeswehr ist wohl schwer aufzulösen - die Minister kommen und gehen, die Beamten bleiben. Um umstrittene Rüstungsexporte geht es in dem Film natürlich auch.

Da stellt sich schon die Frage: Ist die Bundeswehr attraktiv genug für junge Menschen? Ein Beispiel zeigt, dass nicht jeder genommen wird, obwohl er möchte: Die Körpergröße muss stimmen, die bisherige Ausbildung auch. Eine junge Frau interessiert sich für ein Medizinstudium beim Bund, scheitert aber an 8 Zentimetern: Sie ist 1,54 Meter groß, als Voraussetzung gelten 1,62 Meter. Verstehen muss man das nicht.

Zu Wort kommen in der Dokumentation Politiker verschiedener Parteien und Fachleute wie der Militärökonom und Jurist an der TU Berlin, Prof. Markus C. Kerber: «Man spricht davon, dass vom ganzen System Bundeswehr nur 30 Prozent einsatzbereit sind». In dieselbe Kerbe schlagen auch der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels (SPD), und der Oberst der Reserve und Vorsitzende des Reservistenverbandes, Roderich Kiesewetter (MdB, CDU), der meint: «Die Reform der Bundeswehr greift erst dann, wenn ihre Finanzierung nachhaltig gesichert ist. Sie wird aber in diesem Jahrzehnt noch nicht abgeschlossen sein.»

Ob das alles detailiert auch im neuen Weißbuch der Bundeswehr stehen wird, das die sicherheitspolitischen Leitlinien enthalten und erstmals seit zehn Jahren wieder erscheinen soll? Wohl kaum. Es geht darin vielmehr um Gefahren für Deutschland, also Themen wie «Transnationaler Terrorismus, Cyberbedrohung, Nationalismus und unkontrollierte Migration». Auch von den gegenseitigen Abhängigkeiten in der europäischen Sicherheitspolitik ist dort die Rede. Aufeinander angewiesen sind die Sicherheitspartner bestimmt - die Welt ist einfach viel zu groß für den Rückfall in nationale und militärische Kleinstaaterei.

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erstellt am 09.Jun.2016 | 00:01 Uhr

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