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Boulevard

08. Dezember 2016 | 07:01 Uhr

Erinnerung an einen Skandal : Armani und das Saint-Germain-Trauma

vom

Vor 18 Jahren wurde eine Schau in Paris von Giorgio Armani abgesagt - bis heute wird über die Gründe spekuliert. Derzeit ist Armani wieder in Paris - doch die Absage von damals lässt den legendären Modeschöpfer noch immer nicht los.

Mit 82 Jahren ist Giorgio Armani noch immer einer der ganz Großen in der Mode. Er «dekonstruierte» den Herrenanzug und machte Hosenanzüge in der Damenmode salonfähig. Sein Stil ist zeitlos, puristisch und dezent.

Erst im September besuchten Stars wie die Tennisspieler Serena Williams und Novak Djokovic seine Schau in Mailand. Doch trotz des riesigen Erfolgs - ein Ereignis im Jahr 1998 in Paris lässt den Multimilliardär bis heute nicht los. Damals verboten die französischen Behörden seine Schau.

Nun - 18 Jahre später - will er zum ersten Mal seit der Absage seine junge Prêt-à-Porter-Linie «Emporio» in der französischen Hauptstadt zeigen. Der Modeschöpfer, der allerdings in Paris regelmäßig mit seinen Haute-Couture-Kreationen vertreten ist, erzählt im dpa-Interview, dass die Erinnerung noch immer schmerzt. Wurde die Schau verboten, weil ein Italiener den Franzosen schlicht nicht passte?

Frage: 1998 wurde eine aufwendig vorbereitete Modenschau von Emporio Armani von den Pariser Behörden verboten. Bei der Pressekonferenz am folgenden Tag war Ihr Ärger deutlich zu spüren. Wie sind heute Ihre Gefühle im Hinblick auf diese Episode?

Antwort: Ich bin immer noch darüber verärgert. Die Art und Weise, wie die französischen Behörden damals die Angelegenheit regelten, machte mich betroffen, und die Erinnerung daran schmerzt noch immer. Um zwei Uhr nachmittags strichen sie meine für den Abend geplante Schau mit dem Grund, dass es nur 16 statt der geforderten 17 Notausgänge gab. Obwohl ich ihnen zusicherte, dass wir einen weiteren Notausgang für die Schau öffnen würden. Sie blieben ungerechtfertigt stur.

Frage: Die Behörden führten «Sicherheitsrisiken» für das Verbot an. Aber die Medien vermuteten politische Gründe. Die geplante Eröffnung eines neuen Geschäftes in dem Kult-Gebäude der ehemaligen «Pharmacie Saint-Germain» durch einen Italiener war auf Gegenwehr gestoßen. Haben Sie je erfahren, was die wahren Gründe für die Absage der Schau waren?

Antwort: Nun, die ehemalige «Pharmacie Saint Germain» war ja ein «Drugstore» geworden mit einigen Dienstleistungen wie einem kleinen Bistro, das ich erhalten und aufwerten wollte. Zur Feier der Wiedereröffnung hatte ich die Restaurierung der farbigen Glasfenster der Kirche von Saint Germain gesponsort. Aber auch heute kenne ich die wahren Gründe für die Entscheidung nicht.

Frage: In den darauffolgenden Jahren wurde das Emporio-Geschäft zu einem unter vielen in Saint-Germain-des-Prés. Das Café galt bald als Treffpunkt schicker Pariser. Glauben Sie, dass eine ähnliche Aktion wie damals gegen ein italienisches Modehaus heute in Frankreich noch möglich wäre?

Antwort: Das glaube ich nicht. Seit 1998 hat sich die Welt verändert, begonnen mit der gemeinsamen europäischen Währung, dem Öffnen von Ländergrenzen. Zwischen der nationalen Kammer der italienischen Mode und der französischen Chambre Syndicale de la Couture Parisienne sind zwei wichtige Abkommen getroffen worden. Die Szenerie hat sich also vollkommen verändert.

Frage: Haben Sie je eine Art Triumph gefühlt ob der späteren perfekten Integration des Emporio-Armani-Ladens in die Szene von Saint Germain?

Antwort: Ich würde nicht von Triumph sprechen, da das eine Arroganz beinhaltet, die mir fremd ist. Aber ich empfinde es als immense Belohnung, wenn ich an unsere Anfänge denke und all die Hindernisse, die wir überwinden mussten. Ich habe immer gedacht, dass die Rive Gauche und insbesondere diese intellektuelle, rebellische Gegend für Emporio Armani perfekt wären, weil sie eine junge Welt verkörpern - gefangen zwischen Tradition und Innovation.

Frage: Seit gut zehn Jahren gehören Sie nun zur Pariser Schauenszene mit der regelmäßigen und sehr erfolgreichen Präsentation Ihrer Haute-Couture-Linie Armani Privé. War es deutlich leichter, die Welt der französischen Hohen Schneiderkunst zu betreten als die des - eher massentauglichen - Prêt-à-Porter?

Antwort: Es war anders, denn wenn in Stein gemeißelte Regeln respektiert werden, dienen sie auch als Schutz. Und so lief es auch. Es gibt viel weniger Marken hier als beim Prêt-à-Porter. Es gibt immer noch sehr viel Druck, aber das betrifft meistens nur einen selbst und die eigene Schau. Das Klima ist ganz anders als beim Prêt-à-Porter. Ich brauche all meine Energie, doch gleichzeitig gibt es ein Gefühl von Empathie und Verbundenheit, eine Art Kameradschaft, die wirklich besonders ist.

ZUR PERSON: Giorgio Armani (82) gilt in Italien als lebende Legende. Nur wenige Designer haben die Modegeschichte so nachhaltig beeinflusst wie der Mailänder. Armani ist Eigentümer des von ihm 1975 gegründeten und nach ihm benannten weltweit agierenden Modeimperiums. Armani verkauft neben Kleidung und Accessoires auch Schmuck, Brillen, Interior-Design, Düfte oder Kosmetik unter einer Reihe von Markennahmen - wie Giorgio Armani, Emporio Armani oder Armani Casa. Der am 11. Juli 1934 in Piacenza als zweites von drei Kindern geborene Italiener ist ledig und hat keine Kinder.

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erstellt am 03.Okt.2016 | 09:42 Uhr

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