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Boulevard

05. Dezember 2016 | 05:35 Uhr

Medien : Abschied von den USA: Zamperoni moderiert «Tagesthemen»

vom

Ingo Zamperoni ist als ARD-Korrespondent im Mississippi geschwommen, auf einem Flugzeugträger gelandet und zu Besuch bei Barack Obama im Rosengarten vom Weißen Haus gewesen. Am 24. Oktober wird er Moderator der «Tagesthemen». Ob er Washington wohl vermisst?

Ingo Zamperoni wird der neue Moderator der «Tagesthemen». Noch lebt der 42-Jährige mit seiner Familie in Washington. Seit Januar 2014 ist er ARD-Korrespondent in der Hauptstadt der USA.

«Ein Traumjob», sagte er im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur, freut sich aber genauso auf die neuen Aufgaben in Hamburg. Dem Abschied sieht er deshalb mit einem «sehr lachenden und einem sehr weinenden Auge» entgegen. Ab 24. Oktober moderiert er aus Hamburg.

Frage: Sie haben gesagt, die Stelle im ARD-Hauptstadtstudio in Washington sei ein Traumjob gewesen - wie fühlt sich der Abschied jetzt an?

Antwort: Der Abschied fällt schwer. Da brauche ich nicht um den heißen Brei herumreden. Seit meinem Volontariat war Auslandskorrespondent mein Traumjob, und wenn ich mir was hätte malen können, dann Washington. Ich habe einen persönlichen Bezug zu den USA, aber es ist auch objektiv ein spannendes Berichtsgebiet. Es gibt tolle Studios überall auf der Welt für Korrespondenten, aber entweder hat man unheimlich viel zu tun und muss rödeln wie in Brüssel zum Beispiel, weil ständig Sitzungen sind, das ist Wahnsinn, was die Kollegen da leisten. Oder man ist ständig auf Reisen wie die Kollegen im Studio Singapur, die für den Pazifik zuständig sind und 16 verschiedene Länder.

Frage: Und als Korrespondent in Washington?

Antwort: In Washington hat man irgendwie von beidem etwas. Ich hab' tolle Filme machen können von einem Cattle Drive (Viehtreiben) in Wyoming, ich bin auf einem Flugzeugträger gelandet für einen Film über das Verhältnis zwischen den USA und China. Ich bin im Mississippi geschwommen mit einem Navy Seal, der das für einen wohltätigen Zweck gemacht hat. Und gleichzeitig ist immer die Frage, wenn irgendwas in der Welt passiert: Was sagt Washington dazu? Weil die Entscheidungen, die im Weißen Haus gefällt werden, auch Auswirkungen haben auf Europa und auf Deutschland. Es ist dieses breite Spektrum, das toll ist. Ich war auf dem roten Teppich bei der Oscar-Verleihung 2014, und ich war im Rosengarten vom Weißen Haus bei einer Pressekonferenz von Präsident Obama. Und das ist wirklich das, was mich an diesem Posten sehr gereizt hat. Insofern wird es auch kein leichter Abschied.

Frage: Sie sind viel durchs Land gefahren, an die texanisch-mexikanische Grenze oder ins Silicon Valley. Wird Ihnen das nicht fehlen?

Antwort: Ja, schon. Das Gute ist, dass es kein Abschied auf unbestimmte Zeit wird, dadurch dass meine amerikanische Familie ja da ist, und wir dann an Weihnachten und in den Ferien immer wieder dort sein werden. Klar, aber es ist eben was anderes, ob man nur zwei Wochen durch die Canyons fährt oder im Florida am Strand liegt, oder ob man da lebt. Aber gerade in Hamburg war ich im neuen Studio, und da kribbelt es dann plötzlich, und da sage ich «Oh, wow, das wird eine Supergeschichte». Und meine Vorfreude hat das nochmal deutlich gesteigert. Insofern ist das ein sehr lachendes und ein sehr weinendes Auge bei mir. Die Umstände könnten ja besser nicht sein, ich kenne die Stadt, ich kenne viele Redakteure, Kollegen. Es hat sich ein bisschen was getan, aber es ist nicht die große Unbekannte.

Frage: Wie haben Sie die Medienlandschaft in den USA wahrgenommen?

Antwort: Viel Licht und viel Schatten. Es gibt herausragende Medien. National Public Radio ist ein Medium, das in der Breite, im Tiefgang und in der Analyse großartig ist und Spaß am Radio macht und Pflicht ist für mich am Morgen. Aber es gibt auch die Sender, die eine Agenda haben und sagen, wir prügeln das jetzt in eine Richtung. Das Problem ist, dass das die Polarisierung des Landes noch befördert.

Frage: Wie haben Sie in den USA die Arbeitsbedingungen als Journalist erlebt? Hat man da alle Möglichkeiten?

Antwort: Man stößt an Grenzen zum Beispiel im Wahlkampf und in der politischen Berichterstattung. Da steht man als ausländisches Medium in der letzten Reihe. Man bringt nix, keine Wählerstimmen. Donald Trump hat gesagt «We don't do foreign media!» - «Wir kümmern uns nicht um ausländische Medien!» Der hat aber auch die «Washington Post» rausgeschmissen, weil die schlecht über ihn berichtet hat, die haben allerdings nur gesagt, wie es ist. Das ist schon bedenklich, das kennen wir sonst eigentlich nur aus ganz anderen Ländern. Gleichzeitig ist es in den USA viel normaler, dass irgendwo Fernsehkameras auftauchen. O-Töne zu bekommen, ist viel einfacher als in Deutschland.

ZUR PERSON: Ingo Zamperoni kam 1974 in Wiesbaden zur Welt. Er studierte Amerikanistik, Geschichte und Jura. Mit einem Stipendium ging er zum Auslandsstudium nach Boston und arbeitete anschließend im ARD-Studio in Washington. Seit Januar 2014 ist er dort für die ARD Auslandskorrespondent und lebt mit seiner amerikanischen Frau und drei Kindern in der US-Hauptstadt. Ende Oktober wird er Moderator der «Tagesthemen».

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erstellt am 13.Sep.2016 | 12:46 Uhr

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