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Boulevard

10. Dezember 2016 | 02:09 Uhr

Medien : 3sat-Krimiserie «Janus»: Eigenwilliger Schmäh

vom

Krimiserien gibt es wirklich in großer Fülle - auch aus Österreich («Stockinger», «Trautmann», «Soko Kitzbühel», «Tatort»). Man könnte aktuell auch die bislang ganz ordentlich laufende Serie «Vorstadtweiber» (ARD) mit all ihren kriminellen Machenschaften dazu zählen.

Jetzt kommt die siebenteilige Serie «Janus» hinzu, die von diesem Dienstag (20.15 Uhr, 3sat) an mit den ersten drei Folgen zu sehen ist. Am Mittwoch (6.7.) laufen dann die Folgen vier und fünf, und am Donnerstag (7.7.) die Folgen sechs und sieben (jeweils ab 20.15 Uhr, 3sat).

Dr. Leo Benedikt (Alexander Pschill) arbeitet als forensischer Psychologe in Wien. Er beschäftigt sich mit dem, was in den Köpfen geistig abnormer Rechtsbrecher vorgeht, und so fordert ihn die Bezirksinspektorin Cara Horvath (Franziska Weisz) oft als Sachverständigen an. Für ihn ist klar, dass nahezu jedes Verbrechen in der Psyche entsteht und auch dort gelöst werden sollte - und dass man einem «Monster» niemals den Rücken zuwenden darf.

Angesichts einer ganze Reihe von mysteriösen Selbstmorden stößt er auf den Pharmakonzern «Janus». Diese undurchsichtige Firma besitzt offenbar ungeahnte Macht und Möglichkeiten, und ein gewissenloser Pharmareferent macht kaltblütig und skrupellos davon Gebrauch. Auch Leos Frau Agnes (Barbara Romaner) und sein Sohn Flo (Moritz Uhl) geraten zeitweilig in Gefahr.

Hauptdarsteller Alexander Pschill (46) ist in seiner Heimat Österreich ein bekannter Schauspieler, auch auf der Bühne, wo er am Wiener Theater in der Josefstadt in «Das Interview» und «Ladies Night» zu sehen war. Im Fernsehen (ORF) spielte er in der Comedy-Serie «Die Lottosieger» und in der Krimiserie «Soko Donau» - sie lief als «Soko Wien» im ZDF. Von 2002-2004 war er als Kriminalinspektor Marc Hoffmann als Herrchen von «Kommissar Rex» (Sat.1) zu sehen.

Seine überzeugende Rolle als ebenso impulsiver wie unsensibler Dr. Leo Benedikt in «Janus» legt er als recht eigenwilligen Schöngeist und formvollendeten Ästheten an: Der attraktive Mann mag gutes Essen und ebensolche Musik, und er trägt gern einen massgeschneiderten Anzug samt Einstecktuch aus britischer Herstellung. Allerdings vernachlässigt er Frau und Kind (bei beiden fließen darob Tränen).

Regisseur Andreas Kopriva («Schnell ermittelt», ORF; «Vier Frauen und ein Todesfall», ORF/ARD) setzt auf ziemlich viel österreichischen Witz und sehr speziellen Humor - gerne auch «Wiener Schmäh» genannt -, der außerhalb der Alpenrepublik nicht immer verstanden wird, auch schon rein akustisch nicht. «Es gibt einen roten Faden, der sich konstant durchzieht, und immer wieder passiert etwas», sagte Kopriva im Interview mit 3sat. «Und auch die Charaktere entwickeln und verändern sich zunehmend. Uns interessieren die Psychologie und die Menschen dahinter.»

Das ist erfreulich, und so wird dieser durchgehend erzählte Fall in den sieben Folgen tatsächlich spannend, humorvoll und wendungsreich aufgebaut. Einige Parallelen zu US-Serien wie «Dr. House» und «Bones» sind nicht zu übersehen, insbesondere bei den Rückblenden und eingefügten Phantasien des Psychologen. Doch stellt die Serie überwiegend eine gelungene Mischung aus den Elementen Thriller, Familiendrama und Kriminalstory dar und lotet so manche Grenze jenseits gängiger Moralvorstellungen aus.

Auch für die Darsteller gibt es einige Fallhöhen - erwähnt sei hier ausdrücklich Franziska Weisz («Der Chinese») als frech-temperamentvolle und mutige Polizistin. Die Story lebt jedoch eindeutig von der schillernden Hauptfigur: Der Psychologe hat sich selbst ein gehöriges Kartenhaus gezimmert, das ständig einzustürzen droht, und er muss sich obendrein einer satten Lebenslüge stellen. Doch leider bleibt nach den sieben Folgen vieles unaufgelöst und das Ende daher ziemlich offen - die geplante zweite Staffel der Serie kam trotz guter Einschaltquoten nicht mehr zustande.

Janus

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erstellt am 04.Jul.2016 | 23:59 Uhr

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