zur Navigation springen

Deutschland & Welt

05. Dezember 2016 | 05:34 Uhr

Jubiläum mit Borowski und Lindholm : 1000. „Tatort“: Höllenfahrt nach Leipzig - sehenswert

vom

Diesen Taxifahrer wird man nicht vergessen, sagt Frank Kober. Er ist bereits mitgefahren, im „Taxi nach Leipzig“ des Jahres 2016.

Beim 1000. Mal darf man schon fragen: Ist der „Tatort“ wirklich eine Bereicherung unseres Geistes oder doch nur verschwendete Lebenszeit? Schließlich ist dieser „Mord zum Sonntag“ zuerst Unterhaltung, könnte man all die Stunden vor der Glotze besser nutzen.

Nun, vielleicht hat ja der Literaturwissenschaftler Jochen Vogt doch recht, der den „Tatort“ als den „wahren deutschen Gesellschaftsroman“ apostrophiert. Dieses Ritual zur immer selben Zeit und große mediale Lagerfeuer, an dem immerhin zwei Drittel aller Deutschen wenigstens einmal im Jahr hocken.

Klar, dass da das Jubiläum besonders knistern muss. Warum nicht, wie beim ersten Mal, mit einem „Taxi nach Leipzig“? Das dachte sich Alexander Adolph (Buch und Regie) und schickt heute die Kommissare Charlotte Lindholm und Klaus Borowski (Maria Furtwängler, Axel Milberg) auf dieselbe Strecke, die 1970 der Hamburger Kommissar Trimmel (Walter Richter) nahm. Nur, dass die beiden Exzentriker höchst unfreiwillig auf Tour gehen.

Denn Charlotte und Klaus landen nach einem Polizeiseminar in Braunschweig zufällig im Taxi von Rainald Klapproth (Florian Bartholomäi) und glauben zunächst, mit ihrem penetranten Altkollegen Sören Affeld (Hans Uwe Bauer) ein echtes Problem an Bord zu haben. Doch als Affeld auch den Taxifahrer nervt, bricht dieser ihm kurzerhand das Genick. Und plötzlich sehen sich unsere Edel-Cops einem taxifahrenden Ex-Elitesoldaten und einem ungewissen Schicksal ausgeliefert.

Entführer Rainald Klapproth (Florian Bartholomäi) auf dem Weg nach Leipzig - für die Kommissare Lindholm (Maria Furtwängler) und Borowski (Axel Milberg) eine Fahrt ins Ungewisse.
Entführer Rainald Klapproth (Florian Bartholomäi) auf dem Weg nach Leipzig - für die Kommissare Lindholm (Maria Furtwängler) und Borowski (Axel Milberg) eine Fahrt ins Ungewisse. Foto: Meyerbroeker/NDR

Mehr wird nicht verraten. Nur, dass es diesmal nicht Fürtwängler und Milberg sind, die dieses klaustrophobische Kammerspiel zum Kochen bringen, sondern Bartholomäi. Selten ist eine so zerrissene Figur zu erleben. Zwischen Liebe und Hass, Vernunft und Wahnsinn.

Was stand 1970 noch an der Bürowand von Erstkommissar Tremmel? „Der Beamte hat immer recht“? Von wegen. Adolph macht heute Abend nicht nur diesem, sondern auch den sonst so altklugen Sprüchen von Lindholm und Borowski den Garaus. Sehenswert!

„Tatort: Taxi nach Leipzig“, 20.15 Uhr, ARD.

Welche Kommissare Sie in den nächsten Wochen erwarten, können Sie unserer Tatort-Vorschau entnehmen. Immer aktuell auf www.shz.de/tatort.

zur Startseite

von
erstellt am 13.Nov.2016 | 09:42 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen