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Deutschland & Welt

04. Dezember 2016 | 02:58 Uhr

Energiewende : 100 Prozent Ökostrom wurden nicht erreicht

vom
Aus der Onlineredaktion

Zu Pfingsten sollte sich Deutschland laut einer Prognose kurzfristig durch Strom aus erneuerbaren Energien versorgen. Das klappte nur fast.

Berlin | Nach dem schwierigen Versorgungsrekord vom Muttertag durch Wind-, und Sonnenstrom hatte die Denkfabrik „Agora Energiewende“ für Pfingsten eine kurzzeitige Ökostrom-Vollversorgung vorausgesagt. Ökostrom-Vorreiter fieberten dem Augenblick entgegen. Das Wetter spielte mit – ordentlich Sonne, kräftiger Wind – doch der historische Moment blieb trotz des vorauseilenden Jubel aus.

Die Meldungen über Vollversorung mit Ökostrom werfen Zukunftsträume auf, doch es zeigt sich auch, dass die ehrgeizigen Ziele im bestehenden System nicht erreicht werden können. Doch weder die Netze noch die wirtschaftlichen Mechanismen sind gerüstet – auch wenn die Vorhersagen klare Hinweise geben.

Der „Agorameter“ hatte noch am Pfingstmontag für den Sonntag zwischen 14 und 15 Uhr feiertagsbedingt eine Stromnachfrage von 45 Gigawatt prognostiziert. Biomasse, Sonne und Wind produzierten zu diesem Zeitpunkt 46 Gigawatt. Der Strompreis fiel wie schon acht Tage zuvor ins Negative. Ausländische Verbraucher wurden diesmal kurzfristig mit bis zu 35 Euro pro abgenommener Megawattstunde „entschädigt“, am Wochenende zuvor waren es sogar bis zu minus 130 Euro gewesen.

Foto: www.agora-energiewende.de

Das lang ersehnte Ziel der treibenden Kräfte bei der Energiewende schien nun erreicht. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Bundestagsfraktion der Grünen, Oliver Krischer, frohlockte in einer Pressemitteilung: „Die Erfolgsgeschichte muss nun weitergehen: Wir brauchen den Ausbau der Erneuerbaren, damit es hundert Prozent Erneuerbare nicht nur am Pfingstsonntag, sondern immer öfter gibt.“

Es kam letztlich doch anders: Während Agora die Einspeisung der regenerativen Energien ins Stromnetz vergleichsweise akurat vorhergesagt hatte, gab es einen deutlich höheren Gesamtstromverbrauch als angenommen. Das Ködern kommerzieler Abnehmer an der Strombörse führte diesmal zu dem Effekt, dass die Nachfrage kräftig anstieg. Offenbar hatten Einkäufer aus dem Ausland damit bereits geliebäugelt. Am Montag zog die Agentur ihre Vorhersage zurück und korrigierte die Gesamtlast deutlich nach oben auf 57 Gigawatt (80 Prozent). Es fehlte letztlich also noch einiges, um das symbolische 100-Prozent-Ziel zu erreichen.

Das Problem bei Überversorgungen bleibt, dass die konventionellen Kraftwerke sich nicht mehr ausreichend herunterregeln lassen, um den Überschuss zu drosseln. Die Marktmechanismen an der Energiebörse greifen mal zu träge – oder wie an Pfingsten zu kräftig.

Besonders die Stromzwischenspeicherung und „New 4.0-Lösungen“ sind ein viel diskutiertes Thema in Wissenschaft und Politik, um trotz der Schwankungen eine stabile Versorgung zu gewährleisten. Pumpspeicherwerke in Norwegen sollen in Zukunft dafür sorgen, dass der volatile Strom bei Bedarf verfügbar sein wird. Zudem wird erwogen, den Strom im Norden generell billiger zu machen, auch um Anreize in Süddeutschland zu schaffen, mehr auf Erneuerbare zu setzen.

Deutschland will im Jahr 2050 100 Prozent seines Strombedarfs durch erneuerbare Energien generieren. Rein rechnerisch könnte Schleswig-Holstein das jetzt schon. In Dänemark reichen zu bestimmten Zeitpunkten bereits die aus Windenergie gewonnenen Stromstärken aus, um den Bedarf zu decken. Die Überschüsse werden nach Deutschland, Norwegen und Schweden exportiert.

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erstellt am 17.Mai.2016 | 16:38 Uhr

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