Lübeck: Neonazi-Bustransport kommt Mahnmal für Deportation zugute
Lübeck. Bereits vor den eigentlichen großen Demonstrationszügen an diesem Sonnabend gab es am vergangenen Wochenende es einen Vorgeschmack: Eine rechtsorientierte Gruppe hatte am Sonnabend eine so genannte Mahnwache nahe der Dankwartsbrücke abgehalten. Die Neonazis waren zuvor auf Anforderung der Polizei in Bussen des Stadtverkehrs vom Bahnhof dorthin transportiert worden, um Ausschreitungen vorzubeugen. Die Verwendung von Bussen des Stadtverkehr Lübeck hierfür war von zahlreichen Lübeckern kritisiert worden.
"Damit es keinen Zweifel gibt: Der Stadtverkehr distanziert sich aufs Schärfste von allen rechtsradikalen Ansichten und Aktionen. Der Stadtverkehr Lübeck sieht derzeit keine Möglichkeit, die Bereitstellung von Bussen für Polizei-Sonderfahrten grundsätzlich zu vermeiden. Wir stellen zum Wohl der Sicherheit der Stadt unbürokratisch Busse für derart problematische Sonderfahrten zur Verfügung", nimmt Willi Nibbe, Geschäftsführer des Stadtverkehrs zu den Vorwürfen Stellung. "Wir wollen an diesen Transporten keinen Cent verdienen, sondern sorgen zusammen mit der Polizei dafür, dass Nazis und Hooligans so schnell wie möglich aus der Stadt geschafft werden", so Nibbe weiter. Deshalb werde das Unternehmen die Kritik an dieser Praxis dennoch zum Anlass nehmen, über Alternativen mit der Polizei zu sprechen und darauf hinzuwirken, dass im Rahmen der Beförderung keine Nazi-Propaganda in den Bussen sichtbar platziert wird.
Positives Ergebnis der Sonderfahrt: In Abstimmung mit dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats, Ulrich Pluschkell, wird der Stadtverkehr Lübeck das Fahrgeld spenden - für das Mahnmal auf dem Bahnhofsvorplatz, das an die Deportation und Ermordung der 92 jüdischen Bürger aus Lübeck erinnern soll, die am 6. Dezember 1941 vom Lübecker Bahnhof aus nach Riga transportiert wurden.



