Lichtermeer und Plakate gegen Rechtsextremisten
Glücksburg. Eine Demonstration gegen die vorzeitige Haftentlassung von Sexualstraftätern, angemeldet von einer polizeilich unbekannten Frau - das sorgte am Sonnabendmittag für reichlich Aufruhr in Glücksburg. Die "Fördebande", eine antifaschistische Jugendorganisation der IG-Metall, hatte von der geplanten Demonstration erfahren und nach eigenen Angaben Hinweise darauf erhalten, dass sich hinter den rund 50 angemeldeten Demonstrationsteilnehmern zumindest einige aus dem rechtsextremen Spektrum befinden sollten. Daher rief die "Fördebande" zu einer Gegendemonstration auf.
Rund 100 Anhänger von ihr und anderen Organisationen wie dem Deutschen Gewerkschaftsbund sowie zahlreiche Bürger versammelten sich daraufhin am ZOB, an dem die eigentliche Demonstration gegen die Haftentlassung von Sexualstraftätern starten sollte, sowie rund um den Marktplatz Schinderdam. Ebenfalls im Einsatz waren rund 80 Beamte der Landespolizei aus Flensburg, dem Kreis Schleswig-Flensburg sowie aus Kiel, um gewaltsame Auseinandersetzungen der beiden demonstrierenden Gruppen zu verhindern.
Die Aktivisten der "Fördebande" und ihre Anhänger machten mit Transparenten, Plakaten und Handzetteln darauf aufmerksam, wer nach ihren Informationen hinter der geplanten Demonstration steckt und stellten ihre eigene politische Position dar.
Dann, kurz nach dem eigentlich für 12 Uhr geplanten Demonstrationsbeginn, endete die Aktion abrupt. "Die Frau, die die Kundegebung angemeldet hat, hat diese ohne Angabe von Gründen wieder abgemeldet", wie Marina Bräuer von der Flensburger Polizei erklärte. "Vermutlich haben die unsere Gegendemon stration bemerkt und zu viel Gegenwind für ihr rechtsextremes Gedankengut befürchtet", meinte einer der Gegendemonstranten.
Zur Sicherheit blieben die Polizeikräfte noch einige Zeit vor Ort. Gegen 13 Uhr rollten dann auch die Gegendemonstranten ihre Transparente wieder ein und beendeten ihre Aktion.
Am Abend ging es dann auf dem Schinderdam weiter. Mehr als 7500 Teelichter, deren Lichtschein einen großen Teil des Marktplatzes in ein warmes Lichtermeer verwandelte, dazwischen Dutzende Menschen mit Feuerzeugen: Dieses Bild bot sich dort um 19 Uhr. In Anlehnung an die möglicherweise von Rechtsextremisten geplante und dann kurzfristig wieder abgesagte Demo am Mittag hatte die Flensburger "Fördebande" zu einem Gedenken an die rund 7500 während der NS-Zeit im Konzentrationslager Theresienstadt ermordeten Kinder aufgerufen. Jedes Teelicht sollte für ein ausgelöschtes Kinderleben stehen und auf die wahre Gesinnung der Rechtsextremen aufmerksam machen.
Unterstützt wurde diese Gedenkaktion vom Deutschen Gewerkschaftsbund, der IG Metall- und Verdi-Jugend, der Initiative "Gemeinsam gegen Neonazis" und dem SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Wolfgang Wodarg.
Daneben kamen auch viele Glücksburger Bürger auf den Marktplatz und zündeten ihre mitgebrachten Teelichter an. Durch diese Beteiligung wurde die Marke von 7500 Teelichtern sogar noch überschritten. In stillen Minuten gedachten alle, die auf den Marktplatz gekommen waren, der grausamen Taten in Theresienstadt.



