HUSUMER NACHRICHTEN
Nordfriesland
Landrats-Stelle wird ausgeschrieben
Der Kreistag legte gestern erste Einzelheiten für die bevorstehende Landratswahl im August fest. Weil Amtsinhaber Dieter Harrsen erneut kandidiert, fungiert sein Stellvertreter, der Hauptausschuss-Vorsitzende Jörg von Sobbe (rechts), als Wahlleiter. Foto: volkert bandixen
Nordfriesland. Am 10. Oktober endet die sechsjährige Amtszeit von Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen. Aber er bewirbt sich um eine zweite. "Selbstverständlich", sagt er selbstbewusst. Wie bei seiner ersten Wahl im Jahr 2007, als noch die Bürger das Wort hatten, muss er sich dabei der Konkurrenz stellen. Denn die Stelle der Landrätin oder des Landrates wird öffentlich ausgeschrieben. Das hat gestern der nordfriesische Kreistag mit Stimmen von CDU, Grünen und FDP bei etlichen Gegenstimmen und Enthaltungen beschlossen. Der Kreistag ist es auch, der nach Abschaffung der Direktwahl diesmal entscheidet, wer in Zukunft auf dem Chefsessel der Kreisverwaltung in Husum Platz nehmen darf. Als Termin für die Landratswahl ist der 23. August festgelegt. Wie die Mehrheitsverhältnisse im Kreistag dann aussehen, ist völlig offen. Denn bei der Kommunalwahl am 26. Mai entscheiden vorher noch die Wahlberechtigten, wie sich das Gremium in den nächsten fünf Jahren zusammensetzt.
Obwohl die Fraktions-Chefs dieses Verfahren schon 2012 einvernehmlich abgestimmt hatten, kam es in der Sitzung im Kreishaus teils zu heftigen Auseinandersetzungen über die Verfahrensweise. Auslöser waren Anträge von zwei kleinen Fraktionen. So wollte der SSW die Entscheidung über das Verfahren um einen Monat verschoben wissen. Den Verzicht auf eine Ausschreibung beantragte gar die Wählergemeinschaft Nordfriesland/Die Unabhängigen (WG-NF). Sie ist die politische Heimat von Dieter Harrsen, der seine Mitgliedschaft aber seit seiner Wahl zum Landrat ruhen lässt.
Weder der eine, noch der andere Antrag waren jedoch mehrheitsfähig. Mit Blick auf einen Vorlauf für die Beratungen von einem halben Jahr und der Übereinkunft der Fraktions-Chefs sprach Tim Hanke (CDU) von einem "Paradestück von Realitätsverweigerung". Eine Ausschreibung sei das Regelverfahren. "Das ist keine Vorentscheidung der CDU für oder gegen den amtierenden Landrat. Wir können uns durchaus vorstellen, weitere sechs Jahre mit ihm zusammenzuarbeiten." So argumentierte auch Thorsten Schulze: Mit der Arbeit von Harrsen seien die Freien Demokraten "sehr zufrieden". Aber: "Wir müssen uns die Mühe machen, alle Bewerber anzuschauen, gerade weil die Bürger nicht mehr direkt wählen können." "Drum prüfe, wer sich ewig bindet", sagte Uwe Schwalm von den Grünen. Wenn diese für eine Ausschreibung seien, bedeute das noch lange nicht, "dass wir diesen Landrat nicht wählen würden."
"Einen Vertrauensbeweis für unseren jetzigen Landrat" in Form des Verzichts auf die Ausschreibung wünschte sich hingegen Jürgen Jungclaus von der WG-NF. Mit Durchsetzungsfähigkeit sowie hoher Sach- und Fachkompetenz ausgestattet, sei dieser in der Lage, die begonnene Arbeit ziel- und ergebnisorientiert fortzusetzen hin zu einer modernen und leistungsfähigen Verwaltung und der Wahrung nordfriesischer Interessen gegenüber dem Land. Dem Antrag, auf eine Ausschreibung zu verzichten, schloss sich Ulrich Stellfeld-Petersen für den SSW an.
Die Sozialdemokraten enthielten sich der Stimme. Sie verweisen auf eine Entscheidung nach ihrem Programmparteitag für die Kreiswahl am 23. Februar. Fraktions-Chef Thomas Nissen: "Natürlich wird diese Prüfung auch den amtierenden Landrat einbeziehen, zumal wir ihn bei seiner ersten Wahl unterstützt und gegen CDU und Grüne durchgesetzt haben." Allerdings: "Wäre ich Landrat, würde ich mich, wenn ich mich einer Ausschreibung stellen müsste, als zweite Wahl betrachten, weil man doch offenbar nach einem Besseren sucht."
"Das ist keine Personaldebatte", mahnte daraufhin Tim Hanke. Und Thorsten Schulze betonte, der Amtsinhaber werde nicht zum Landrat zweiter Klasse degradiert, sondern eher gestärkt, wenn er vom neuen Kreistag gewählt wird und sich dabei gegen Mitbewerber durchsetzt.


