Kieler Segelregatten

Die Segelwelt hat sich verändert

24. September 2010 | 00:00 Uhr | Von ise


Größer, leichter, schneller: Der Trimaran „l’Hydroptère“ ist die schnellste Rennyacht der Welt. Seine Jungfernfahrt machte er auf der Kieler Förde 2010. Foto: dpa

Größer, leichter, schneller: Der Trimaran „l’Hydroptère“ ist die schnellste Rennyacht der Welt. Seine Jungfernfahrt machte er auf der Kieler Förde 2010. Foto: dpa

Vieles hat sich in der Segelwelt seit 1936 verändert. Immer raffiniertere Kunststoff-Cocktails haben Jollen und Yachten leichter und schneller werden lassen.

Kiel. Vor allem der "America's Cup" ist zum Synonym für eine Millionen verschlingende Materialschlacht geworden. Zugleich sorgen jene Neuerungen, die Ingenieure dabei im Kampf um Sekunden austüfteln, für Technologieschübe im Yachtsport. Umso erstaunlicher die Karriere des Star-Boots: Im Winter 1910 ging sein Stern in einer Werft an der amerikanischen Ostküste auf. Konstruiert wurde es als erste richtige Einheitsklasse. Billig sollte das Zwei-Mann-Boot außerdem sein, so dass geschickte Segler den kantigen Holz-Rumpf selbst zusammenzimmern konnten. Seit 1932 hat es das 6,9 Meter lange Kiel-Boot auf bisher mehr als 75 Jahre Olympia-Karriere gebracht. Als erste Deutsche holten 1936 der Berliner Peter Bischoff und sein Vorschoter Hans-Joachim Weise Gold mit ihrem Star namens "Wannsee". Mehr als 8000 Boote mit dem Stern im Großsegel wurden gebaut, inzwischen zumeist aus Polyester oder Epoxidharz: Das Star-Boot hat sich angepasst und ist auch nicht von den Regattabahnen wegzudenken.

Segeln ist Hobby und Wirtschaftsfaktor zugleich. Rund 1,65 Milliarden Euro haben Deutschlands Werften und Zubehörbranche 2009 umgesetzt, Superyachten nicht eingerechnet. In Schleswig-Holsteins Segelclubs sind derzeit 32.000 Mitglieder registriert, weitere 23.000 Skipper sind in Hamburg unterwegs. Im gesamtdeutschen Durchschnitt allerdings besitzt nur etwa jeder 200. Deutsche ein Segelboot, und nach den Statistiken des "Bundesverbands Wassersportwirtschaft" ist das Durchschnittsalter der Bootseigner auf 56 gestiegen. Auch ohne demografischen Faktor: Von beidem haben Ältere meist mehr. Heute dient das Surfbrett oft als Einstieg in den Wassersport: Es ist schnell, aber preiswert und handlich. Parallel blüht die Szene der klassischen Yachten: 1936 waren die 8 Meter R-Yachten noch die Königs-Klasse der Regatta-Bahnen, heute sind sie Hingucker bei Treffen schlanker Mahagoni-Veteranen, wie auch Krupps "Germania III".


 
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