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Jost de Jager tritt zurück
KOMMENTAR: Der Ritter von der tragischen Partei
Ist Jost de Jager nun endgültig eine tragische Figur - oder ist nicht vor allem seine Landes-CDU eine tragische Partei? Ja, der Vorsitzende, der jetzt seinen Hut nimmt, hatte zuletzt keine Fortune mehr. Aber mit seinem überraschenden Ausstieg aus der Politik zeigt der 47-Jährige, dass sich der Held für eine Wahlnacht nicht in einem unauflösbaren Dilemma befindet. Der Ritter von der tragischen Partei nimmt sein Schicksal in die Hand.
Wie hatten ihn die CDU-Freunde nach Schließung der Wahllokale am 6. Mai gefeiert, weil sie aus der Landtagswahl - wenn auch nur hauchdünn - als stärkste Partei hervorgegangen waren! Am nächsten Morgen begann die Metamorphose: Aus dem Sieger wurde ein Verlierer, aus Parteifreunden wurden Intriganten. Keiner machte den Stuhl frei, um dem Spitzenkandidaten doch noch zu einem Landtagsmandat zu verhelfen. Mit dem Verlust der Regierungsmacht war de Jager für die Funktionärsriege uninteressant geworden. Posten konnte er ihnen nicht mehr verschaffen. Warum also noch Solidarität üben mit einem, der sich weder nach der Spitzenkandidatur noch nach dem Landesvorsitz gedrängt hatte? So geht Politik: Jost de Jager war vielen in der CDU - auch auf kommunaler Ebene - nicht mehr "nützlich". Der Mohr hatte seine Schuldigkeit getan.
Partei unter Zugzwang
Warum dieser schockartige Rücktritt gerade jetzt erfolgt, bleibt (vorerst) das Geheimnis des einstigen Leistungsträgers im Kabinett Carstensen. Es war einsam um ihn geworden. Aber er hat mit seinem Coup immerhin ein Zeichen gesetzt. Bevor er endgültig zum Getriebenen wird, setzt de Jager die Partei unter Zugzwang. Jetzt muss sie zusehen, wo sie bleibt.
Die Nord-CDU ist in Lager gespalten. Provinzfürsten versuchen darin ihre Claims abzustecken. So blass Jost de Jager in seiner Ausstrahlung auch war: die Zurückgebliebenen sind noch farb- und formatloser. Sonst hätten sie dem bisherigen Vorsitzenden den Übergang gestalten lassen. Jetzt kommt eine neue Interimslösung, aber kaum eine bessere.
Nach einem Aufbruch, nach neuen Perspektiven hat sich die Landes-CDU gesehnt. Doch ihr bleibt nur Mittelmaß - das Schicksal einer Partei, die sich zu lange selbst genügte.


