Nachfolger für de Jager gesucht
Absagewelle in der Nord-CDU
Kiel. Der Vorsitzende der Kieler CDU-Landtagsfraktion, Johannes Callsen, will nach dem Rücktritt von Jost de Jager nicht neuer Landesparteichef werden. "Ich stehe für den Landesvorsitz nicht zur Verfügung. Wir brauchen jetzt ein geordnetes Verfahren für die Wahl eines neuen Landesvorsitzenden. Dieses Verfahren wird der Landesvorstand am Donnerstag beschließen", sagte Callsen. Auch der Bundestagsabgeordnete Johann Wadephul sagte, er wolle sich nicht um den Landesvorsitz bewerben. Der frühere CDU-Landeschef führte berufliche Gründe an.
Mit seiner Absage reiht sich Callsen in die Riege der CDU-Männer ein, die bereits ihren Hut aus dem Ring gezogen hatten. Bis zum 24. Januar läuft die Bewerbungsfrist für mögliche Nachfolgekandidaten. Am 16. März soll der neue Chef gewählt werden - noch rechtzeitig, so die Hoffnung, um Personaldebatten im Vorfeld der Kommunalwahl am 26. Mai beendet zu haben.
Rückzug auf breiter Front
Ein "geborener" Nachfolger indessen ist nicht ins Sicht. Als dienstältester Parteivize wird der Europaabgeordnete Reimer Böge (61) die Geschäfte kommissarisch führen, wenn de Jager ab Donnerstag auch formell nicht mehr im Amt sein wird. Doch das Amt möchte Böge nicht übernehmen. "Ich schließe eine Kandidatur aus", sagte er dem sh:z. Die Notwendigkeit als Landesvorsitzender im Norden präsent zu sein und das Mandat im Europaparlament, das "geht nicht zusammen".
Auch Ex-Landtagspräsident Torsten Geerdts winkte am Mittwoch ab. "Ich werde mich um das Amt des CDU-Landesvorsitzenden nicht bewerben", äußerte Geerdts, der bei der Landtagswahl im vergangenen Mai ein Parlamentsmandat verpasste.
Der Parlamentarische Staatssekretär im Innenministerium und Ehemann von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder sagt ebenfalls ab. "Ich schließe eine Kandidatur aus familiären Gründen aus", sagte Ole Schröder. Die Belastung würde sonst zu groß, es bliebe zu wenig Zeit für die kleine Tochter.
Liebing zeigt kein Interesse
Ambitionen werden Parteivize Liebing nachgesagt. Doch auch der 47-jährige Bundestagsabgeordnete lässt kein Interesse erkennen: "Ich bin kein Bewerber", sagt Liebing, der im November mit nur 67 Prozent der Stimmen als Parteivize gewählt worden war.
De Jager hat am Dienstag überraschend seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. Der 47-Jährige war erst Ende November zum CDU-Landeschef wiedergewählt worden, aber mit einem sehr mäßigen Ergebnis. Zuvor setzte sich de Jager nur äußerst knapp im Rennen um die Direktkandidatur zur Bundestagswahl im Wahlkreis Flensburg-Schleswig durch. Diese Enttäuschungen trugen maßgeblich zu seinem Rücktritt bei.
Ich sage Ihnen was er will : einen noch sicheren Posten als er schon immer hatte und besser bezahlt. Ich sage Ihnen, was "Langnase" nicht will : keinen SChleuderstuhl.
Das ist das, wovor sich Leute fürchten, die an erster Stelle sehr gut versorgt sein wollen.
Die CDU sollte die Gelegenheit nutzen und sich selbst auflösen: Niemand braucht sie und nicht einmal die eigenen Leute wollen sie...sie können ja alle in die Grünen eintreten, die sind ohnehin so eine Art "CDU mit Windkraft" - während die CDU weiterhin alles tut, um die regenerativen Energien zu verhindern und kaputt zu machen, um die Atomkraft zurück zu bekommen. Das aber können wir uns einfach nicht mehr leisten.
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Der Fraktionsvorsitzende Johannes Callsen will also nicht Parteichef der Nord-CDU werden. Das fehlt auch noch. In der Landespolitik ist er als Fraktionsvorsitzender bisher überhaupt nicht zur Geltung gekommen. Absolut farblos! Von daher wäre ein Johannes Callsen als Parteichef, der nun mal ein entsprechendes Format und Auftreten braucht, kläglich gescheitert.
Allerdings sollte sich die CDU intern die Frage stellen, ob man einen Mann im Zuge der Neuausrichtung weiterhin den Job des Fraktionsvorsitzenden ausüben lassen will, der erst durch sein Wirken im Kreis Schleswig-Flensburg bezüglich des Bundestagsmandats im Wahlkreis 1 seinem Parteichef so viele Steine in den Weg gelegt und somit letztendlich auch die gesamte Partei gesprengt hat. Da darf ein Herr de Jager dann auch menschlich reagieren und sich über die fehlende Unterstützung aus den eigenen Reihen beklagen. Herr Callsen hat die CDU Schleswig-Holstein, Herrn de Jager, die CDU Schleswig-Flensburg und auch sich selbst enorm beschädigt - und trägt somit sehr viel Verantwortung für den desaströsen Zustand der CDU!
Es kann nur besser werden. Aber die CDU muss den Mut für einen kompletten Neuanfang haben. Für einen angestrebten Regierungswechsel bei der nächsten Landtagswahl wäre jedenfalls noch genug Zeit...