Gemeinden favorisieren gemeinsamen Bürgerwindpark
Volles Haus: Rund 100 Einwohner aus Hanerau-Hademarschen und Oldenbüttel nahmen an der Windkraft-Versammlung teil. Foto: Kühl
Hanerau-hademarschen. "Ich habe hier heute Abend fast nur positive Beiträge gehört", stellte Amtsvorsteher Klaus Bock fest, als sich am Mittwochabend um 21.20 Uhr die gemeinsame Einwohnerversammlung der Gemeinden Hanerau-Hademarschen und Oldenbüttel dem Ende zuneigte: "Jetzt sollten wir den Bau von Windkraftanlagen ernsthaft anpacken - wenn wir jetzt gemeinsam vorgehen, können wir daraus etwas machen, von dem alle profitieren."
Informationen zum Planungsstand und der möglichen Ausweisung von Windeignungsflächen in den Flurbereichen Hamer, Holstentor und Bokhorst seien das Thema des Abends, hatte Hademarschens Bürgermeister Volker Timm bei seiner Begrüßung erklärt: "Das ist heute keine Veranstaltung, in der verbindliche Entscheidungen getroffen werden." Die für den Bau von Windkraftanlagen tauglichen Flächen seien 42 und 130 Hektar groß, erläuterte Timm und gab das Wort weiter an den Referenten: Walter Eggersglüß von der Landwirtschaftskammer (LWK).
Der Energieberater begann seinen Vortrag mit einer Auflistung der "Vorteile und Nachteile der Windenergie". Spätestens als er beim Pro-Argument "Standbein für Landwirte" angekommen war, musste dem Publikum klar sein, dass es an diesem Abend keine allzu ausgewogene Darstellung der Chancen und Risiken von Windkraft geben würde. "Ich bin ja von der LWK, die Landwirte sind für mich also die wichtigsten Leute", bekannte Eggersglüß, "für die bin ich eingestellt, die sind meine Klientel." Nach einer ausführlichen Darstellung der übrigen Pro-Faktoren (Strom ohne Abgasemission, kein Verbrauch endlicher Rohstoffe, Stärkung der Region, Arbeitsplätze, Gewerbesteuer) wurden die Kontra-Argumente vom LWK-Experten mit deutlich spürbarem Vorbehalt vorgetragen. Manche Leute würden die Windkraftanlagen einfach "nicht leiden" mögen und "hässlich finden"; wenn die Sonne schiene, könnten die Rotorblätter hin und wieder Schatten werfen und das sei dann "ärgerlich", und "bestimmte Vogelarten werden diese Flächen meiden." "Schade" sei es, wenn die Dorfgemeinschaft unter der Windkraftdiskussion leide. "Darum bin ich ein großer Freund von Bürgerwindparks", sagte Eggersglüß, "denn da werden möglichst viele Menschen mitgenommen, die sich beteiligen können." Passend zu seiner eigenen Pro-Windkraft-Einstellung wies der LWK-Energieberater dann auf geeignete Maßnahmen hin, um die Akzeptanz von Windkraftprojekten in der Region zu erhöhen (sorgfältige Planung, Auswahl "besonders leiser Anlagetypen", frühzeitige Information), um dann abschließend noch Tipps zur Gründung eines Bürgerwindparks zu geben.
In der Diskussion wollte ein Oldenbütteler von seinem Bürgermeister wissen, ob die Windmühlen negative Auswirkung auf den Fremdenverkehr am NOK hätten. "Der Tourismus spielt in diesem Bereich keine Rolle", meinte Bock und verkündete: "Wir in der Gemeinde Oldenbüttel haben eine sehr weite Neigung hin zu einem Bürgerwindpark, damit wir möglichst viel von der Wertschöpfung in der Region behalten." Wichtig sei, dass "alle gleichmäßig was von dem Kuchen abkriegen", betonte Bock, "deshalb appelliere ich an alle Landeigentümer: Unterschreibt nichts!" Eins sollen die Landbesitzer aber doch unterschreiben: nämlich eine "Verpflichtungserklärung", wonach sie ihre Flächen für ein Bürgerwindparkprojekt zur Verfügung stellen. Entsprechende Formulare werden in Kürze sowohl in Hademarschen als auch in Oldenbüttel an alle Landeigentümer verschickt.




