CO2-Speicher: Gefahr oder Beitrag zum Klimaschutz?
Leck. "Wir werden aus Dr. Schiffer keinen CCS-Gegner machen", so Hanno Fecke am Ende einer Podiumsdiskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung in der Nordsee-Akademie in Leck. Unter dem Titel "(K)eine saubere Sache? - die unterirdische CO2-Speicherung und die Zukunft der erneuerbaren Energien", moderierte der Husumer Messechef und SPD-Bundestagskandidat die Veranstaltung. Dabei wollte er von seinen Gästen Antworten wissen.
Im Mittelpunkt der kritischen Fragen stand Dr. Hans-Wilhelm Schiffer, Leiter der allgemeinen Wirtschaftspolitik/Wissenschaft beim Energiekonzern RWE AG. Schiffer machte deutlich, dass sein Unternehmen trotz der im Bundestag vertagten Entscheidung über das CCS-Gesetz noch nicht das weitere Vorgehen festgelegt habe. Ob die seismischen Untersuchungen für die Einlagerung des verflüssigten CO2-Gases unter Nordfriesland nach der Entscheidung des Bundestages jetzt beendet werden, "würde mit allen Interessengruppe beraten".
"Wir halten nichts von einem CO2-Endlager in Nordfriesland", machte Fecke zu Beginn deutlich. Man müsse sich aber die Frage stellen, wie es mit der Energiepolitik weiter gehen solle. "Wir sind froh, dass das Gesetz vorläufig gescheitert ist. Schade ist nur, dass die Politik erst nach massiven Protesten reagiert hat", bedauerte Diskussionsteilnehmer Carl-Heinz Christian sen, Vorsitzender des BUND in Nordfriesland. In der Verschiebung der Entscheidung über das Gesetz bis nach der Bundestagswahl vermutet er ein Wahl-Täuschungsmanöver. Die 28 neu geplanten Kohlekraftwerke und auch die Atom-Meiler behinderten den Ausbau erneuerbarer Energien, kritisierte er.
"Es geht nicht um die Sicherung der Kohle, bei CCS geht es um Klimaschutz", hielt Schiffer ihm entgegen. Die Einführung der CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) sei unverzichtbar, wenn es um das Erreichen der Klimaschutzziele gehe. Zum massiven Ausbau erneuerbarer Energien zählten auch die Kernenergie und CCS, betonte er. "CCS bedeutet geringere Strompreise, Sicherung der Arbeitsplätze und hat volkswirtschaftliche Vorteile", warb Schiffer für den Einsatz der "innovativen" Technik. Einräumen musste er allerdings, dass dieses Verfahren bisher nicht in Großtechnik umgesetzt werden könne. An der Technik werde weltweit geforscht.
"Die Kohleverstromung ist ein Auslaufmodell. Wir müssen so schnell wie möglich die regenerativen Energien nutzen", forderte Brar Riewerts, Vorsitzender des Regionalverbandes NF des Bundesverbandes WindEnergie. "Der Einsatz der CCS-Technologie für große Kohlekraftwerke ist Quatsch, für Biomasse eine Option", ergänzte Christian sen. Kohleverstromung sei kein Auslaufmodell, der Einsatz von Kohle werde noch steigen, prophezeite hingegen Schiffer. Selbst Bundesumweltminister Sigmar Gabriel befürworte den Einsatz von CCS. Eine Richtlinie der EU zum Einsatz von CCS aus diesem Jahr verpflichte die Mitgliedsstaaten, das Gesetz innerhalb von zwei Jahren in nationales Recht umzusetzen, machte er deutlich. "Da haben die Länder aber das Recht, den Inhalt frei zu gestalten", hielt Riewerts dem entgegen.
Bis mit Hilfe anderer Energien die Ziele des Klimaschutzes erreicht seien - in diesem Zusammenhang nannte Schiffer einen Zeitraum von 50 Jahren - forderte er den Einsatz der CCS-Technologie, auch für die Gas-Verstromung. Riewerts wünscht sich bessere Infrastrukturen für den Einsatz erneuerbarer Energien. "Wenn die CO2-Einlagerung in Nordfriesland erfolgt, bringen Sie hier eine Leistung für den Klimaschutz. Wir wollen mit Überzeugungsarbeit für Akzeptanz in der Bevölkerung sorgen", gab Schiffer den kritischen Fragern aus dem Publikum mit auf den Weg.




