Glückstadt

Schock: 65 Mietern sollte Gas abgedreht werden

25. März 2009 | 09:00 Uhr | Von Christine Reimers

Hatte Angst, dass kein warmes Wasser mehr aus dem Hahn kommt: Werner Thormählen. Foto: Reimers

Mit rund 50 000 Euro steht ein Vermieter bei den Stadtwerken in der Kreide. Diese wollten den Mietern Wasser und Gas abstellen.

Glückstadt. Der Schock ist Werner und Erika Thormählen anzumerken. Ein Schreiben der Stadtwerke liegt bei dem Rentnerehepaar auf dem Tisch. Mit der Androhung: Am Donnerstag werden Wasser und Gas abgestellt. Grund: Der Vermieter hat seit Monaten die Nebenkosten nicht an die Stadtwerke abgeführt. Betroffen sind weitere 64 Mietparteien in der Klaus-Groth-Straße.

Jetzt gibt es kurzfristig Entwarnung. Die Wohnungsbau "Capricornus" hat sich telefonisch gegenüber den Stadtwerken bereit erklärt, bis Donnerstag eine Teilzahlung der aufgelaufenen Schulden von rund 50 000 Euro zu bezahlen.

Das Wasser sollte abgestellt werden

Für Werner Thormählen ist das Verhalten von "Capricornus" unverständlich. "Da stimmt etwas nicht", sagt der 80-Jährige. Seit 45 Jahren wohnt der ehemalige Bahnangestellte in seiner 50 Quadratmeter großen Wohnung. Seine 76-jährige Ehefrau ist krank, deshalb hat er auch ihren Pflegedienst darüber informiert, dass das Wasser abgestellt werden sollte.

"Ich war mehr als erschrocken", sagt der Glückstädter über das Schreiben. "Es ist so, als wenn ich einen Hammer gegen den Kopf bekommen hätte."

"Das ist ein schwerer Mangel"

430 Euro warm zahlt das Ehepaar. Darin sind die Nebenkosten für die Stadtwerke enthalten. Bis auf Strom. Noch nie hätten sie so etwas erlebt. Nachbarin Gisela Sleur (70) war ebenso entsetzt. "So etwas glaubt man nicht, bis man es selbst erlebt."

Hilfe bot gestern Jochen Kiersch, Geschäftsführer des Mieterbundes Kiel, an. Er war bereit, nach Glückstadt zu kommen, um mit den 65 Mietparteien zu sprechen. Sein Tipp in solchen Fällen: Dem Vermieter schreiben und ihn darüber aufklären, dass die Nebenkosten künftig direkt an die Stadtwerke gezahlt werden. "Das ist ein schwerer Mangel", klärt er über die rechtliche Situation auf. Die Mieter könnten zudem die Miete mindern. Und er rät: "Die Einzugsermächtigung zurückziehen." Zwei Daueraufträge müssten eingerichtet werden. Zudem müssten Mieter dann auch immer ihre Kontoauszüge kontrollieren.

In Zukunft solle schneller reagiert werden

Stadtwerkeleiter Karl-Heinz Jacobs begrüßt das Engagement des Mieterbundes. "In solchen Fällen ist es gut, gemeinsam aufzutreten und zu handeln."
Denn den Stadtwerken liege nichts daran, gegen die Kunden zu arbeiten. In diesem Fall wären sie gezwungen gewesen, etwas zu unternehmen. "Wir haben die Schreiben als Drohgebärde gegen Capricornus geschickt. Wir hätten aber alles versucht, um vor Ort eine Lösung zu finden."

Es gebe Wohnungsgesellschaften vor Ort, mit denen die Stadtwerke sehr gut zusammenarbeiten. Dies sei ein Fall, wie er ihn noch nicht erlebt hätte. "In Zukunft werden wir schneller reagieren, dass sich nicht solche Summen aufstauen können."

Die Summe ist spätestens morgen auf dem Konto der Stadtwerke

Thomas Weinert von "Capricornus Investment" in Berlin hat ihm gestern schriftlich zugesagt, dass ein großer Teil der ausstehenden Summe spätestens morgen auf dem Konto der Stadtwerke ist.

Gegenüber unserer Zeitung sagte Weinert: "Der Rest kommt nächste Woche." Die Hausverwaltung mit Sitz in Lüneburg wäre für die Nachbuchungen zuständig gewesen. Dort hätte es "rein technische Probleme" gegeben.


 

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