Husum
Hertie-Haus mit mediterranem Flair?
Husum. "Entscheidend wird sein, ob sie die Immobilien zum 'marktüblichen Preis' kaufen können", kommentiert Peter Cohrs die Bemühungen der AVW Immobilien AG, sieben frühere Hertie-Häuser in Schleswig-Holstein zu erwerben. Natürlich begrüße er die Initiative der Investoren aus Buxtehude, so der C.-J.-Schmidt-Chef, der erst kürzlich am ehemaligen Hertie-Standort das "Husumer Kaufhaus" eröffnet hat, weiter. Immerhin verfügten die auf diesem Sektor über einige Erfahrung. Doch die Finanzen seien am Ende sicher auch für AVW der springende Punkt.
Was das angeht, bauen die Niedersachsen indes ganz auf ihre "guten Kontakte" zu dem insolventen Immobilienbesitzer Dawnay Day, dem auch die einstigen Hertie-Filialen in Husum und Niebüll gehören. Das berichtet Husums stellvertretender Bürgermeister, Lothar Pletowski, von einem Treffen in Bremerhaven. Dort hatten sich am Dienstag Bürgermeister und Büroleiter der betroffenen Kommunen mit Vertretern von AVW und Jörg Krechky von der "Retail Real Estate Investment Team AG" - einem langjährigen AVW-Partner - getroffen, um von deren Ideen zu erfahren und die weitere Vorgehensweise abzustimmen (wir berichteten). Außerdem bekamen die Besucher - Pletowski und Niebülls Bürgermeister Wilfried Bockholt waren gemeinsam nach Bremerhaven gefahren - einen Eindruck, wie das Husumer Haus nach einer "Runderneuerung" durch AVW aussehen könnte. Als Vorbild dient das "Mediterraneo", ein zirka 10 000 Quadratmeter großes Einkaufszentrum, das mit seinen Einzelhaus-Fassaden ein bisschen an die Einkaufs-Malls der Color-Line-Schiffe erinnert.
Gehobenes Einkaufserlebnis
"Im Mittelpunkt des AVW-Konzepts steht das gehobene Einkaufserlebnis", zitiert Pletowski Vorstandschef Willy Koch. Aus diesem Grund sei das Unternehmen an großen Standorten auch nicht interessiert. "Die setzen auf Qualität, nicht auf Masse", sagt Pletowski. Dabei geht AVW von der Annahme aus, "dass die großen Einkaufszentren auf der grünen Wiese vor dem Hintergrund des demografischen Wandels keine Zukunft haben". Die sehe das Unternehmen vielmehr in den Innenstädten und rücke daher neben Wohlfühl- und Erlebnis-Faktoren auch touristische Aspekte besonders ins Zentrum der Betrachtung.
"Wenn das alles so umgesetzt wird, ist das natürlich das endgültige Aus der Hertie-Idee", sagt Pletowski. So werde es unter Führung von AVW nur noch Untermieter geben. Abseits dessen soll für jede Filiale eine gesonderte Analyse angefertigt werden, die sämtliche Standortfaktoren, also auch das vorhandene Angebot, berücksichtigt. Wie individuell gedacht wird, mag die Tatsache verdeutlichen, dass für kleinere Standorte anstelle eines "Mediterraneos" auch Versorgungszentren denkbar sind.
Treffen mit dem Ministerpräsidenten
Nächster Schritt ist am Dienstag, 27. April, ab 14 Uhr ein Treffen der Bürgermeister von Rendsburg, Schleswig, Husum, Niebüll, Itzehoe, Mölln und Elmshorn mit Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und AVW. Pletowski findet die Vorstellung von "ein bisschen italienischem Flair" in Husum außerordentlich verlockend, weiß seinen Optimismus jedoch zu zügeln: "Nach den Erfahrungen mit Hansekontor will ich keine übertriebenen Erwartungen wecken."
Damit liegt er ganz auf der Linie von Peter Cohrs, der andeutet, dass es "sicher auch noch andere Interessenten für die Immobilie gibt", die es allerdings weniger ins Licht der Öffentlichkeit dränge. Ob er selbst dazu gehöre, wollte der Geschäftsmann nicht sagen. Nur so viel: "Natürlich haben wir Interesse an dem Gebäude. Sonst hätten wir es ja nicht gemietet."





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