Pro und Contra

Katzenschwemme - Sollen die Tiere kastriert werden?

05. Februar 2010 | Von Michael Kluth, Sabine Sopha

Katzenschwemme in Schleswig-Holstein: Sollen die Tiere nun zwangskastriert werden? Michael Kluth und Sabine Sopha vertreten dazu unterschiedliche Positionen.

PRO (Michael Kluth)

Kater Joe ist zurück, hat zwei Miezen geschwängert, drei Autos zerkratzt und dem Nachbarn auf die Terrasse geschifft. Jetzt rollt er sich wohlig in die Schnuffeldecke. Liebe Katzenbesitzer, sagen Sie nicht, das kennen Sie nicht. Viele der Tiere sind so. Kein Vorwurf: Es liegt in ihrer Natur. Die Tierheime versinken existenzgefährdend in der Katzenschwemme. Die schwarzen Bretter in Supermärkten sind voll von Angeboten: Süße kleine Kätzchen abzugeben. Es gibt einfach zu viele davon. Dem Irrsinn ist leicht Einhalt zu gebieten: mit einer recht unkomplizierten Operation. Die Pflicht zur Kastration von Katzen mit Auslauf ist ein Gebot der Vernunft.

Katzenhalter berichten, dass ihre Tiere nach der Kastration weniger streunen (das schont die Autos), nicht mehr übelriechend markieren (das schont die Terrasse), weniger aggressiv sind (das schont alle), anhänglicher werden (an Menschen, nicht an Miezen) - und vor allem natürlich: sich nicht mehr vermehren. Zudem haben sie eine höhere Lebenserwartung und weniger hormonelle Erkrankungen wie Zysten, Tumore und Gebärmutterentzündungen. Alles spricht für die Kastrationspflicht.

Dafür muss eine gesetzliche Grundlage her, die Finanzierung ist zu regeln. Wie in Österreich. Die Politik ist gefordert.

Michael Kluth ist Mitglied unserer Schleswig-Holstein-Redaktion und verzichtet auf Haustiere.

KONTRA (Sabine Sopha):

Katzen sind eigenwillige Tiere. Wenn man ruft, hören sie - oder auch nicht. Katzen entscheiden eigenständig, wem sie erlauben, sie zu füttern. Ganz zu schweigen davon, dass sie bei der Auswahl ihres Futters ausgesprochen heikel sind. Streicheleinheiten akzeptieren Tiger und Co. nicht von jedermann. Und wenn den Samtpfoten ihre Herberge nicht mehr gefällt, suchen sie sich oftmals kurzerhand eine neue. Kurzum: Sie sind echte Persönlichkeiten.

Diesen eigenwilligen bis exzentrischen Wesen will man jetzt massenhaft verbieten, sich zu vermehren? Das mutet wie ein Eingriff in ihr Persönlichkeitsrecht an. Hinzu kommt: Will man alle frei herumlaufenden Felidae (so ihre lateinische Bezeichnung) einfangen und untersuchen? Das würde die Kosten noch mehr in die Höhe treiben.

Es gibt einen viel wichtigeren Ansatz: Menschen, die ein Tier bei sich aufnehmen, sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein. Den Stubentiger nicht einfach aussetzen, wenn sie in Urlaub fahren. Die Kuschelmieze nicht sich selbst überlassen, wenn sie umziehen, sondern den Tieren ein neues Zuhause suchen. Wenn sie ihren Lieblingen Freigang gewähren, sollte die Kastration allerdings selbstverständlich sein.


 

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