Windkraft-Gegner im Land formieren sich
Wollen sich vernetzen: Windkraftgegner aus ganz Schleswig-Holstein nahmen an der Versammlung im Gasthof Lafrenz teil. Fotos: Kühl
Hamdorf. "Die Windindustrie ist gut organisiert und hat eine starke Lobby", sagte Kuno Veit aus Norderwöhrden, als er am Sonnabendnachmittag über 70 Windkraft-Gegner aus allen Teilen Schleswig-Holsteins im Gasthof Lafrenz in Hamdorf begrüßte: "Wenn wir etwas erreichen wollen, dann müssen wir 'Gegenwindler’ uns jetzt zusammenschließen." Insbesondere gegen den neuen Landesentwicklungsplan müsse man einen Schleswig-Holstein-weiten Widerstand mobilisieren. "Die Landesregierung will nämlich fast 4000 Hektar neue Windenergie-Eignungsflächen ausweisen", vermerkte Veit, "das bedeutet noch gute 1000 Mühlen mehr, als wir derzeit schon haben".
Bereits in seiner Begrüßung brachte der Dithmarscher eins der Hauptargumente der "Gegenwindler" vor: "Die Windkraft in ihrer jetzigen Form ist nur noch Geschäftemacherei, die mit Klimaschutz nichts zu tun hat." Ein landesweiter Zusammenschluss der Windenergie-Gegner sei wünschenswert, um die Chancen der zahlreichen Bürgerinitiativen zu verbessern, schloss Veit seine Auftaktansprache: "Wir haben uns hier heute getroffen, um die ausufernde Windkraft in unserem Land ein bisschen zu bremsen und damit die Belastung der Anwohner durch Lärm, Verlust der Immobilienwerte und Infraschall ein bisschen zu reduzieren."
Als nächstes hatten alle Bürgerinitiativen Gelegenheit, sich und die Situation in ihren Gemeinden vorzustellen. "Bei uns ist die Windkraft zum Thema Nr.1 geworden, nachdem es im Gemeinderat auf einmal hieß, dass in unserem Dorf zehn Windmühlen gebaut werden sollen", berichtete Sandra Kullak aus Jahrsdorf, "die Gemeindevertretung hat nun leider für diese Pläne gestimmt, aber die meisten Bürger wollen den Windpark nicht, und wir hoffen, dass wir irgendwie noch eine kleine Chance haben, das Ganze zu verhindern."
"Windkraftanlagen sind ökologisch unsinnig und aus wirtschaftlicher Sicht totaler Schwachsinn", behauptete Hans-Joachim Zilinski aus Westerland, der von Sylt aus den Kampf gegen die Bebauung der Nordsee mit Windkraftwerken organisiert. "Wir bezahlen mit unserer Landschaft für eine Hypothese, die überhaupt nicht bewiesen ist."
Applaus gab’s für Ursula Fehlberg aus Armstedt, die ihre Erfahrungen wie folgt zusammenfasste: "Wenn man als Bürger bei den Politikern nachfragt, heißt immer 'Das ist alles noch in Planung’ - und dann geht plötzlich die Schublade auf und alles ist fertig!"
Jutta Reichardt aus Neuendorf-Sachsenbande wies auf die negativen Auswirkungen von Windkraftanlagen auf die Gesundheit der Anwohner hin: "Lärm, Schattenbildung, Infraschall - das kennen wir alles." Gegen die Geschäftsinteressen der Anlagenbauer müsse man sich vehement wehren: "Wir dürfen nicht zu lassen, dass aus Gewinnsucht unsere ganze Heimat und Landschaft verschandelt und unsere Immobilien entwertet werden."
"In den Dörfern und Kreisen ist der Goldrausch ausgebrochen", sagte Klaus Kronberg von den Dithmarscher Grünen, "wo Millionenbeträge umgesetzt werden, zählen Einzelinteressen nicht viel." Beim Ausbau der Windenergie sei es von vornherein nicht um die Rettung des Klimas oder der Energieversorgung gegangen, konstatierte Kronberg zum Auftakt eines einstündigen Referats über den aktuellen Stand der Landesentwicklungsplanung: "Die Windenergie sollte von Anfang an ein drittes Standbein für die Landwirtschaft werden." Die "Goldgräberstimmung" in den Gemeinden mit Windpark-Ambitionen führe zu einer "Spaltung der dörflichen Gemeinschaft vor Ort", bedauerte Kronberg; die Landesregierung vertrete die Interessen der Windkraft-Lobby auf Kosten von Mensch und Umwelt: "Alles, was sich jetzt abspielt, bedeutet eine vollständige Ausklammerung des Schutzgedankens für Natur, Landschaft und Umwelt."
"Wollen wir einen Landesverband gründen?", fragte Jutta Reichardt nach knapp zweieinhalb Versammlungsstunden und bekam ein einstimmiges positives Votum von den über 70 Anti-Windkraft-Aktivisten. Eine weitere Stunde später hatten die Versammelten mit Erfolg eine Kommission mit Vertretern aus allen Bürgerinitiativen gebildet, welche die Verbandsgründung nun konkret vorbereiten soll. Ziele wie Aufklärung über die Risiken von Windkraftanlagen, Vernetzung der einzelnen Gruppen und Einrichtung einer gemeinsamen Homepage sollen in der Satzung festgeschrieben werden. Im Februar wollen die Windkraftgegner ihren Landesverband offiziell gründen. Auf einen Verbandsnamen konnte man sich am Sonnabend schon einigen: "Für Mensch und Natur - Gegenwind Schleswig-Holstein".




