Schwebende Fische
Wie Fabelwesen wirken die Seepferdchen. Dabei gehören sie zu den Fischen. Rund 50 Arten von Seepferdchen gibt es. Foto: Hecker / Mulitmar Wattforum
Tönning. Pelle und Petra waren zwei Findelkinder. Ihre Namen bekamen sie von den Orten, an denen sie aus dem Meer gefischt wurden, vor der Insel Pellworm und vor Sankt Peter Ording. Ganz dünn und schwach waren die Seepferdchen, als sie ins Multimar Wattforum in Tönning gebracht wurden. Dort wurde ihr Leben wieder einfacher und sie konnten Familien gründen.
In den Aquarien des Multimars leben die Seepferdchen im Seegras, wie in der Natur auch. Denn an den grünen Halmen können sie sich mit ihrem Ringelschwanz festhalten - und Seepferdchen sind nun einmal nicht gern unterwegs. Sie sind die langsamsten Fische der Welt.
Wenn sie sich doch einmal auf den Weg machen, von einem Grashalm zum nächsten, sausen ihre Brustflossen wie kleine Propeller los. Es sieht aus, als würden sie mit den Ohren fliegen, denn die Brustflossen sitzen auf dem Kopf. Auch die Rückenflosse und die winzig kleine Afterflosse am Bauch fächern rasend schnell. Doch die hektische Wedelei bringt die Fischchen nicht auf Geschwindigkeit. Sie schweben geradezu durchs Wasser. Deshalb leben Seepferdchen am liebsten dort, wo es wenig Strömung gibt. Wie es Pelle und Petra und andere Artgenossen ins Wattenmeer verschlagen hat, wissen auch die Forscher nicht genau. Zu Hause sind sie zum Beispiel im Englischen Kanal.
Und früher kamen sie wohl gern auch als Sommergäste hierher. Doch seit vor über 70 Jahren ein Virus die Seegraswiesen im Wattenmeer zerstörte, finden Fischer sie nur noch selten in ihren Netzen - und dann sind sie immer schon stark geschwächt wie nach einer langen, anstrengenden Reise.




