Nach Olpenitz wackelt auch das Ellenberger Projekt
Kappeln / Heerenberg. Auch wenn Port Olpenitz das rettende Ufer erreicht zu haben scheint, schlagen die Wellen um das Mega-Projekt jetzt bis in das niederländische Heerenberg. Von dort kam eine Pressemitteilung, nach der John Teunissen, Planer des barrierefreien Sport- und Freizeitzentrums auf dem Gelände der ehemaligen Marinewaffenschule, sein Projekt "überdenken" will.
"Von A bis Z" habe er die Ereignisse um Port Olpenitz verfolgt, in Kontakt mit Jaska Harm, Geschäftsführer der Port Olpenitz GmbH, gestanden, erklärte John Teunissen. Mit Harm habe er sogar über eine mögliche Zusammenarbeit gesprochen, etwa mit Blick auf Vermietung von Ferienwohnungen oder sportliche Aktivitäten. Teunissen: "Wir ergänzen uns in dem, was wir tun - da lagen große Chancen." Mit der jüngsten Entwicklung um das Rücktrittsangebot des Kappelner Bürgermeister allerdings sei eine Atmosphäre entstanden, "die unseren Investitionen nicht zuträglich ist". Seit drei Jahren stecke Teunissen in der Planung um das Ellenberger Projekt, habe dazwischen "viele Probleme" mit dem damaligen Wirtschaftsminister Dietrich Austermann ausgestanden - "und von Anfang an hat sich die Stadt, insbesondere Herr Feodoria, für unser Projekt stark gemacht". Der Bürgermeister sei wichtig für sein Vorhaben. Seiner Meinung nach habe Feodoria "stets zielorientiert für das Projekt Kappeln-Ellenberg gehandelt". Teunissen: "Wenn er aber so ignoriert wird, wie jetzt in Kiel, dann fragen wir uns - was steht uns bevor? Dabei geht es uns in erster Linie um die Position eines Bürgermeisters, nicht so sehr um die Person Roman Feodoria."
Derzeit erlebe der Niederländer eine instabile Situation in der Schleistadt, die er sich weder leisten noch ein verantwortungsvolles Handeln garantieren könne. Schließlich plane auch er eine Investition von bis zu 50 Millionen Euro. Teunissen: "Wir sind kein Spielplatz, sondern ein Unternehmen."
Dennoch: Sollte es tatsächlich zu einem Wechsel im Amt des Bürgermeisters kommen, bedeutet das für den Niederländer nicht den automatischen Rückzug aus Kappeln. Zunächst will er abwarten, wie Feodoria sich am heutigen Mittwoch im Landtag äußert, will dann auch künftig "aufmerksam nach Kiel und Kappeln blicken". Teunissen: Dabei sei es für ihn wichtig, wie mit der Sache, aber auch Personen umgegangen werde.
Eine andere wichtige Person nämlich hat Teunissen in der jüngsten Vergangenheit in stetem Wechsel erlebt: die des schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministers. "Mit Jörn Biel haben wir jetzt schon den dritten Minister in eineinhalb Jahren. Was bedeutet das für unsere bisherigen Absprachen? Wir empfinden das als gefährlich." Die Einflussnahme der Landesregierung sei "nicht immer leicht nachvollziehbar".
Keine Befürchtungen hat er, wenn er an die Naturschützer denkt. "Unsere Pläne sehen so aus, dass wir die Umweltschützer mit an den Tisch holen wollen."
Kappelns stellvertretender Bürgermeister Horst Trauzettel reagierte überrascht auf Teunissens Stellungnahme. "Kein Investor kann davon ausgehen, dass er es immer mit den gleichen Personen zu tun hat. Politik ist auf Wechsel angelegt, auch auf persönlichen Wechsel." Überdies habe Feodoria schon vorher angekündigt, seine Dienstzeit nicht zu Ende führen zu wollen. Sollte sich Teunissen aus dem Projekt verabschieden, bedeute dies einen Imageverlust für die Stadt, da in Kappeln auch das Europäische Zentrum der International Paralympics Commitee (IPC) entstehen sollte.
Jaska Harm kann Teunissens Schritt nachvollziehen. "Das, was um Port Olpenitz passiert ist, kann durchaus als Warnsignal für andere Investoren verstanden werden".
John Teunissen will bis zu einer endgültigen Entscheidung nichts überstürzen. "Wir haben keine Eile", sagte der Niederländer. "Erst wenn der Rauch verzogen ist, kann man richtig sehen, was wie gebrannt hat. Ich will einfach sicher sein, dass wir in Kappeln gute Arbeit leisten können. Und derzeit bezweifle ich das sehr."



