HSH NORDBANK

 

Demo vor HSH-Nordbank

"Eure Gier kostet uns die Arbeitsplätze"

15. Dezember 2008 | 18:48 Uhr

Frust vor Weihnachten: Mitarbeiter der HSH-Nordbank fürchten um ihre Arbeitsplätze. Foto: dpa

Rund 500 Beschäftigte der HSH Nordbank in Hamburg und Kiel haben am Montag für den Fortbestand ihrer Arbeitsplätze bei dem angeschlagenen Finanzinstitut demonstriert. Während der sich verschärfenden Finanzkrise auch bei der Landesbank für Hamburg und Schleswig-Holstein war im September der Abbau von 750 Arbeitsplätzen bis 2010 angekündigt worden. Zur Jahresmitte beschäftigte das auf Schiffs- und Immobilienfinanzierungen spezialisierte Institut rund 4900 Mitarbeiter. Jeweils 200 Arbeitsplätze sollen im Ausland sowie an den Bank-Standorten in Hamburg und Kiel wegfallen, die übrigen rund 150 Arbeitsplätze im Zuge der Fluktuation gestrichen werden.

Die Gewerkschaft Verdi befürchtet einen noch höheren Stellenabbau als angekündigt. Arbeitnehmervertreter forderten bei einer Protestkundgebung am innerstädtischen Hamburger Firmensitz die "zerstrittenen" Anteilseigner auf, ein klares Bekenntnis für die HSH Nordbank abzugeben, Arbeitsplätze zu erhalten und die Standorte in Hamburg, Kiel und Luxemburg zu sichern. Die applaudierenden Bank-Angestellten hatten auf Plakate Sprüche geschrieben wie "Lasst uns nicht für Eure Fehler bluten", "Frohe Weihnachten - Für wen??" und "Weg ... erst das Geld und dann wir". Anders als die Arbeitnehmervertreter hatte der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Wolfgang Peiner, unlängst einen "Schulterschluss aller Anteilseigner" gelobt.

30 Milliarden Euro aus dem Rettungspaket

Verdi-Fachbereichsleiter Berthold Bose und der Konzernbetriebsratsvorsitzende, Olaf Behm, appellierten an die Politiker: "Hört auf, die Bank kaputtzureden". Das sei unerträglich und "ein Schlag ins Gesicht der Mitarbeiter". Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hatte eingeräumt, dass die Bank, bevor sie unter den staatlichen Rettungsschirm schlüpfte, ernsthaft in ihrer Liquidität gefährdet gewesen sei. Das Institut kann auf 30 Milliarden Euro aus dem Rettungspaket zurückgreifen. Die Mitarbeiter werden ihren Beitrag zur Sanierung leisten, kündigte Behm an. "Das kann aber nicht ohne Vorbedingungen wie den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen erfolgen." Die HSH Nordbank sei im Kern gesund. "Lasst uns diesen Kern retten und mehr als 1000 Arbeitsplätze sichern."

Die Mitarbeiter wollten mit ihrem Protest ein Signal an den Aufsichtsrat zur Beschäftigungssicherung senden. Das Gremium kam am Montagnachmittag zu einer Sitzung zusammen. Beschlüsse und Entscheidungen seien jedoch noch nicht zu erwarten, hieß es aus Kreisen der Bank. Es dürfte im wesentlichen darum gehen, wie die Bank zukünftig operieren wird. Im Gegenzug für die Garantieleistungen des Bundes muss die HSH Nordbank ein neues Geschäftsmodell entwickeln. Außerdem sollen die Anteilseigner für eine angemessene Eigenkapitalausstattung sorgen, so dass die Kernkapitalquote auf mindestens acht Prozent steigt. Neben einer Kapitalzufuhr von innen und von außen komme dazu der Abbau von Aktiva in Betracht, hieß es jüngst.

Die HSH Nordbank muss durch die Finanzkrise Belastungen von bislang 2,3 Milliarden Euro verkraften und ist in die roten Zahlen gerutscht. Für einen Jahresverlust laut Medienberichten von einer Milliarde Euro gab es keine Bestätigung. Ihre Anteilseigner sind zu 30,4 Prozent die Stadt Hamburg und zu 29 Prozent das Land Schleswig- Holstein. Der Sparkassen- und Giroverband für Schleswig-Holstein hält rund 13 Prozent, 26 Prozent der Bank liegen bei privaten Investoren.


 

Leserkommentare

 
DER WISSENDE 16.12.2008 14:36
Hier einmal das beste Beispiel wie schnell man in Hartz4 rutschen kann!

So schnell kanns gehen -aber immer schön auf die Hartz4-Empfänger meckern,die angeblich nicht arbeiten wollen! Die Großen wirtschaften alles runter und der Kleine leidet !Was bleibt ?750 Arbeitslose mehr !

JÜRGEN G. GMELL 30.12.2008 12:53
Der Unwissende

Glaubt eigentlich jemand - wobei das keine Glaubens ist -, dass bei einem Zusammengehen der Flensburger Sparkasse mit der HSH Nordbank, die "ihre" Leute zuerst entlassen hätte, oder "die anderen", "die Fremden" aus FL?

Es wird vielleicht auch im Neuen Jahr langsam an der Zeit, speziell da einmal die landespolitischen Zusammenhänge aufzuhellen.

Auch hier Silvesterfragen: Was ist eigentlich schlimmer, ein "einfacher" Bankräuber, ein Sparkassen-Räuber, Landesbank-Räuber oder Bundes-Bankräuber? - Die Flensburger Sparkasse war vielleicht nur als Fischfutter vorgesehen und kam bislang mit einem blauen Auge davon.

JÜRGEN G. GMELL 30.12.2008 13:01
Glaubensfrage

oder: Frage des Glaubens. - Entschuldigung. Und deshalb auch gleich die Auflösung der rhetorischen Frage: vom Standpunkt des Räubers aus, also vom sog. "moralischen" Standpunkt aus keiner, aber vom Standpunkt des Beraubten aus schon. - Guten Rutsch und wirklich ein Gutes Neues Jahr allen Hamburgern und Flensburgern!



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