Schleswig

"Er hat mich nicht geschlagen"

10. Mai 2008 | 22:16 Uhr | Von Sönke Lundt

Zwei Wochen vor den Kommunalwahlen ist Schleswigs Bürgermeister Thorsten Dahl in die Schlagzeilen geraten. Gegen den parteilosen Politiker liegt eine Strafanzeige vor. Er soll seine Lebensgefährtin geschlagen haben. Doch beide dementieren.

Schleswigs Bürgermeister sorgt erneut für Schlagzeilen: Die Staatsanwaltschaft Flensburg hat gegen Thorsten Dahl Ermittlungen eingeleitet. Bereits vor den Osterferien sei es zwischen dem Bürgermeister und seiner Freundin im privaten Umfeld zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen. Die Frau soll bei dem Vorfall angeblich verletzt worden sein. Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt bestätigte gegenüber den Schleswiger Nachrichten, es liege eine Anzeige wegen Körperverletzung vor. Die Ermittlungen gegen den parteilosen Bürgermeister dauern unterdes an. Wer genau Strafanzeige erstattet hat, wurde nicht genannt.

Dahl selbst sieht sich deshalb auch als Opfer einer Kampagne: "Ich gehe davon aus, dass das Ermittlungsverfahren in den kommenden Tagen eingestellt wird", sagte er gegenüber den Schleswiger Nachrichten. Er habe "keinen der ihm zur Last gelegten Tatbestände erfüllt".

"Es ist ausschließlich Privatsache"

In Ermittlungskreisen hört sich das anders an: Es sei nicht das erste Mal, dass der Kommunalpolitiker seine Lebensgefährtin bedrängt habe, hieß es dort. Bereits mehrere Wochen zuvor sei es bei einem Streit zwischen beiden zu einem ähnlichen Zwischenfall gekommen. Zudem habe bereits Monate zuvor die Polizei eingeschaltet werden müssen, um bei einem ebenfalls eskalierenden Streit zwischen Dahl und seiner mittlerweile von ihm getrennt lebenden Ehefrau zu schlichten.

Auf seiner Internetseite veröffentlichte der Bürgermeister am Sonnabend eine Gegendarstellung seiner Lebensgefährtin Doris Lampersbach. Dort wird sie mit den Worten zitiert: "Ich möchte betonen, dass ich nicht geschlagen worden bin und keinerlei Strafanträge gegen Herrn Dahl gestellt habe." Dass sich ein entsprechender Vorfall ereignet habe, wird von Lampersbach dagegen nicht ausdrücklich dementiert: "Es ist ausschließlich Privatsache und verdient es nicht, in der Presse dargestellt zu werden, da jeder ein Recht auf Wahrung seiner Würde hat."

"Auch für einen Bürgermeister gilt zunächst die Unschuldsvermutung"

Tatsächlich stellt sich die Frage, warum ausgerechnet zwei Wochen vor den Kommunalwahlen ein Zwischenfall zur Anzeige gebracht wird, der sich bereits vor den Osterferien ereignet haben soll. "In Anbetracht der Zeit, in der wir uns befinden, ist es ganz schön traurig, wegen eines Verdachtes so öffentlich angeprangert zu werden!", lässt Dahl über seine Internetseite verlautbaren. Lebensgefährtin Doris Lampersbach schlägt an selber Stelle ähnliche Töne an: Bereits im Vorfeld der Bürgermeister-Stichwahl 2007 habe es Schlagzeilen gegeben, "bei denen sich jeder an die große Zeitung mit den vier Buchstaben erinnert gefühlt" habe.

Schleswiger Politiker zeigten sich angesichts der Vorwürfe schockiert. Für Schleswigs CDU-Fraktionschef Holger Ley gelte dennoch "auch für den Bürgermeister zunächst erst einmal die Unschuldsvermutung". Andererseits, so Ley im Interview mit den Schleswiger Nachrichten, leite die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren nur dann ein, wenn auch tatsächlich ein Anfangsverdacht bestehe.

 "Ein unglaublicher Vorfall"

Caroline Schwarz - Vorsitzende des Hauptausschusses, der Dienstherr des Bürgermeisters ist - sprach gegenüber den Schleswiger Nachrichten von einem "unglaublichen Vorfall": "Ich hätte erwartet, dass Bürgermeister Dahl den Ausschuss über die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft informiert."

SPD-Fraktionsvorsitzender Karsten Reimer forderte Dahl indes auf, sein Amt ruhen zu lassen, bis die Vorwürfe gegen ihn entkräftet seien. Noch deutlichere Töne findet nur noch Otmar Petersen vom SSW: Im Falle einer erwiesenen Körperverletzung müsse Dahl "aus moralischen Gründen innere Einkehr halten, ob er nicht den Stuhl zu räumen" habe.


 

Leserkommentare

 
PETER GOTTWALD 10.05.2008 23:01
wow

echt spannend ... da berichtet die angeblich geschlagene Freundin, daß dem nicht so ist, aber die shz entblödet sich nicht, den stillen Vorwurf, es könne was dran sein "In Ermittlungskreisen hört sich das anders an: Es sei nicht das erste Mal, dass der Kommunalpolitiker seine Lebensgefährtin bedrängt habe, hieß es dort." doch noch irgendwie zu untermauern. Ähm... sorry, wenn die angeblich Bedrängte öffentlich erklärt, daß dies eben nicht der Fall ist, fragt man sich schon, was eigentlich die shz dazu bringt, Thorsten Dahl immer wieder an die Karre fahren zu wollen. Ob es nun nen Sockenauftritt in der Gallbergschule (absolut korrektes Verhalten in Turnhallen) ist oder die jetzige Klamaukstory ... wer hat eigentlich aus welchem Grund ein Interesse daran den Bürgermeister von Schleswig permanent als den Dorfdeppen darzustellen?????
Ich habe irgendwie das dumpfe Gefühl hier wird "Politik" betrieben ... "Politik" in Anführungstrichen, weil Politik ansich etwas ist was produktiv FÜR die Bevölkerung gemacht wird, im Sinne der Schleswiger Nachrichten allerdings eher FÜR verspinnerte Ideen einiger weniger, auf Kosten der restlichen Bevölkerung passiert. Mit Journalismus hat dies nur noch soviel zu tun, wie ne Kuh mit dem Sonntag. Vielleicht sollte die shz mal ihre Redakteure austauschen, macht wahrscheinlich eher Sinn und wäre einer demokratischen Entwicklung deutlich zuträglicher. Ansonsten sorry to say, gilt immer noch die Unschuldsvermutung und es ist schon erhebliche Ignoranz nicht bei der angeblich Betroffenen nachzufragen bzw. ihr statement nicht als real anzusehen, wenn dies so gewesen wäre, wäre der "Bericht" erst garnicht erschienen. Mit diesem "investigativen" Journalismus stellt sich die shz auf eine Stufe mit Blöd und ähnlichen Postillen, ich befürchte, dies ist gewollt und kein Ausrutscher.

PETER GOTTWALD 10.05.2008 23:05
P.S.

wann berichtet denn die shz mit den massiv fehlenden Gästen der Landesgartenschau ... das wäre mal nen Thema vor den Kommunalwahlen, aber Geld verbrennen im Interesse einiger weniger ist scheinbar kein Thema.

BERND BERWALD 11.05.2008 00:29
kein

Das Schlimme bei diesen SHZ-Redakteuren ist auch noch, dass sie bei den Leserbriefen die auf den Kleinkrieg zwischen Reportern / Ratspolitikern und Bürgermeister hinweisen von ihrem Kürzungsrecht gebrauch machen. Nach dem Motto, ja keine Kritik zulassen.

ZWISCHENDENMEEREN 11.05.2008 09:14
Wird vielleicht eher HIER Politik gemacht?

Der Bericht der Schleswiger Nachrichten und hier eben von shz ist doch einwandfrei? Es kommen alle Beteiligten zu Wort, es wird niemand vorverurteilt und der Verdacht, dass die Vorwürfe rechtzeitig zur Kommunalwahl erhoben werden, um jemandem zu schaden, wird auch angesprochen. Journalisten haben eine Chronistenpflicht - wenn so etwas in einer Stadt passiert, muss es berichtet werden. Über diese Angelegenheit nichts zu veröffentlichen, wäre wohl schlechter Journalismus und dann man könnte shz Parteinahme vorwerfen.

HEINICH THOMSEN 11.05.2008 09:56
Bürgermeister

Wer sich hier anonym äußert, wie "zwischen den Meeren" kommentiert sich damit selbst - es fehlt der Mut, zu einer Meinung persönlich zu stehen.
Natürlich kann man über die Veröffentlichung und deren Stil streiten - so oder so ist die Frage: Wem nützt es?
Anonyme Beiträge sollten nicht veröffentlicht werden.

PETER GOTTWALD 11.05.2008 10:16
@zwischendenmeeren

sorry, aber wohl nicht richtig mitbekommen ... Soweit ich das kapiert habe, wurde die Info, daß die angeblich Bedrängte, sich garnicht bedrängt fühlte, schon vor dem erscheinen des ersten shz-Artikels an die Redakteure gegeben und von denen geflissentlich übersehen.
Es ist ganz simpel, wenn Anklage erhoben wird, dann finde ich, daß eine Zeitung jedes Recht hat, dies zu bringen. Wenn nur eine Anzeige vorliegt ... und dann auch noch ohne Nennung des Namens, ... find ich, gehören private Dinge nicht in die Presse. Im übrigen darf man sich mal fragen, wie denn die Info über die Anzeige überhaupt auf dem Redaktionsschreibtisch landete. Kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß ein Polizist oder Staatsanwalt informierte, wäre nen ziemlich krasses Dienstvergehen bei "nur" einer Anzeige. Eins und eins zusammengezählt, dürfte die Wahrscheinlichkeit, daß Anzeigensteller und Informant der Zeitung wohl eher ein und dieselbe Person sind, auf der Hand liegen. DANN muß man sich aber fragen, was für nen Spiel gespielt wird. M.E. nen ziemlich dreckiges und wer das mitspielt gehört halt zu den Schmuddelkindern.



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