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Prozess in Kiel

Ex-NPD-Chef stach "Hells Angel" nieder

31. Januar 2009 | Von ge

Peter Borchert bei einer Kundgebung. Foto: dpa

In Kiel beginnt Montag der Prozess gegen den Ex-NPD-Landesvorsitzenden Peter Borchert. Er soll einem "Hells Angels"-Mitglied ein Messer in den Bauch gerammt haben.

Kiel. Peter Borchert (35) ist ein Mann, der über sich selbst sagt: "Ja, ich bin ein Verbrecher." Seine jüngste Haftstrafe saß der ehemalige NPD-Landesvorsitzende von Schleswig-Holstein wegen Waffenhandels ab: Er hatte sechs Pistolen, neun Revolver und eine Maschinenpistole verkauft. Vermutlich an Abnehmer im Kieler Rotlichtmilieu. Am 27. April 2004 fiel das Urteil: 13-facher Verstoß gegen das Waffengesetz, dreieinhalb Jahre Haft.

Am 8. Oktober 2007 wurde Peter Borchert entlassen, suchte wieder Kontakt zur Neonazi-Szene und bereitete sein politisches Comeback vor. Auf einer rechten Internet-Plattform stellte er sich vor: "Gestatten, Borchert, bummelig zehn Jahre Haft hinter mir."

Ab Montag vor Gericht

Nun könnten es noch ein paar Jahre mehr werden: Von Montag an steht Borchert wieder vor dem Richter - wegen gefährlicher Körperverletzung. Es geht um eine Massenschlägerei mit Rockern der "Hells Angels" vor dem Kieler Amtsgericht.

Es war der 29. August 2008. Kampfsportler Borchert, der als einer der gewaltbereitesten Neonazis im Norden gilt, soll "Hells Angels"-Mitglied Dennis K. (36) mit einem Messer in den Bauch gestochen und lebensgefährlich verletzt haben. Dennis K. kam auf die Intensivstation. Wieder einmal. Erst im Jahr zuvor war er durch einen lebensgefährlichen Stich in die Leber niedergestreckt worden. Dieser Vorfall sollte an diesem Tag vor dem Amtsgericht verhandelt werden. Dennis K. wollte eine Aussage machen.

Nur eine Zivilstreife schützte Dennis K.

Vielleicht hätte die Polizei es wissen müssen: Dass so harte Jungs keinen Spaß verstehen. Dass sie nach anderen Gesetzen leben, auch wenn sie vor Gericht erscheinen. Doch nur eine Zivilstreife parkte vor dem Gebäude.

Messeropfer Dennis K., hauptberuflich Tätowierer aus Neumünster, ließ sich zum Prozess von zahlreichen "Hells Angels" begleiten. Auch der Angeklagte Ralf D. (35) hatte ein paar gute Freunde mitgebracht, darunter Peter Borchert.

Blutlache auf dem Bürgersteig

Im Polizeibericht heißt es später: "Zwischen den Gruppen kam es zu massiven körperlichen Auseinandersetzungen." Der Beamte einer Spezialeinheit, die zur Hilfe gerufen wurde, beschreibt es genauer: "Als wir ankamen, rollten schon 30 kräftige Männer über die Straße." Und auf dem Bürgersteig breitete sich eine Blutlache aus. Peter Borchert soll Dennis K. und einem weiteren "Hells Angels"-Rocker mit einem Messer "unvermittelt und kurz hintereinander jeweils einen Stich in den Bauchraum versetzt haben". So steht es in der Anklage der Staatsanwaltschaft. Am Ende waren 70 Polizisten im Einsatz, die 20 Personen festnahmen. Etwa zehn Beteiligte der Massenschlägerei konnten entkommen. Der Angeklagte Ralf D. erlitt Kopfverletzungen, die beiden Opfer Borcherts überlebten nach Notoperationen.

Peter Borchert sitzt seitdem wieder hinter Gittern. In Untersuchungshaft. Für ihn könnte das Verfahren mit einer Sicherungsverwahrung enden. Dann käme er möglicherweise nie wieder frei. "Wir haben erhebliche Sachverhalte zusammengetragen", sagt Oberstaatsanwalt Uwe Wick.

Prügelei in der "Mausefalle"

Warum Borchert die Konfrontation in der Öffentlichkeit suchte, ist unklar. Ebenso wie die Hintergründe des Streits zwischen der rechten Szene und den Kieler "Hells Angels". Er soll schon lange schwelen, vermutlich geht es um Schulden im Milieu. "Hells Angel" Dennis K. soll von dem Neumünsteraner André D. Geld fordern, hat ihm angeblich schon einmal Rippen und Kiefer gebrochen. Am 3. März 2007 bekam André D. wieder Schläge. In der Kieler Diskothek "Mausefalle" brach Dennis K. ihm den Gesichtsmittelknochen. Doch diesmal hatte André D. seinen Bruder dabei - Ralf D. - und der stieß Dennis K. ein Messer in die Leber.

Peter Borchert begleitete den Bruder zum Prozess vor dem Kieler Amtsgericht. Ob er Dennis K. gezielt angegriffen hat, muss die Verhandlung zeigen. Mögliche Gründe: Borchert hatte einmal einen engen Vertrauten, mit dem er die Gruppe "Combat 18 - Pinneberg" lenkte, die 2003 als kriminelle Vereinigung aufgelöst wurde. Dieser Mitstreiter wendete sich danach den "Hells Angels" zu und arbeitete als Tätowierer im Laden von Dennis K.

So etwas kann kränken. Gerade das Gemüt eines Mannes, der über sich sagt: "Ja, ich bin ein Verbrecher." Und meint: Aber einer mit Ehre. "Ich trage die schwarze Krone, die außer mir niemand sieht. Nur wenige bekommen eine."


 

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