Wenn der Muezzin zum Freitagsgebet ruft
Von hier aus soll der Ruf erklingen: Die Minarette der Rendsburger Moschee sind 26 Meter hoch.
Vor der Moschee ist erkennbar, wenn es Zeit wird für das Freitagsgebet. Autos fahren vor, Männer stehen plaudernd in Grüppchen beisammen. Währenddessen hält Imam Yasar Karaman im Gebetsraum bereits seinen Vortrag. Danach beginnt das Gebet. Doch der Gebetsruf ist nur im Innern der - fast fertiggestellten - Moschee zu vernehmen.
"Es wäre hilfreich, wenn der Ruf auch draußen zu hören wäre", sagt Mercan Mergen. Denn der Gebetsbeginn richtet sich nach dem Sonnenstand - und so ändert sich der Beginn jeden Tag um wenige Minuten. Eine Gebetsuhr im Innenraum zeigt die genauen Zeiten an.
Während der Imam über den Koran spricht, sitzen bereits die ersten Männer auf dem Teppich - der in einzelne Felder eingeteilt ist. Damit jeder einen Platz findet, erklärt Mercan Mergen. Denn "das Freitagsgebet ist für Männer Pflicht", erläutert der zweite Vorsitzende des Islamischen Zentrums. So kann es durchaus sein, dass sich bis zu 150 Männer - junge und alte, Türken und Afghanen - in dem Rendsburger Gotteshaus versammeln. Die Frauen können auf der Empore Platz nehmen. Allerdings sind an diesem Tag keine dort.
"Allah ist der Allergrößte", beginnt der Muezzin den Gebetsruf. Für den Laien ein typisch orientalischer Singsang. Angestimmt wird er von Gemeindemitgliedern mit einer guten Stimme. Gleichzeitig ein Lob auf Allah schließt der Ruf mit "Kommt her zum Gebet". Zwischen drei und fünf Minuten kann der Ruf dauern. In islamischen Ländern erklingt er vom Minarett. Allerdings würde der Ausrufer nicht dort oben stehen, von wo man in Rendsburg einen wunderbaren Ausblick auf die Umgebung hat. Der Ruf wird per Lautsprecher übertragen. Im Minarett der Rendsburger Moschee liegen die Kabel dafür schon bereit. Jetzt muss nur noch die Genehmigung erteilt werden.
Vor einem Jahr hat das Islamische Zentrum den Antrag gestellt. Doch es muss noch ein Lärmgutachten erstellt werden, verlangt die Stadt. Das ist mit Kosten verbunden. "Wir benötigen das Geld momentan aber für die restlichen Baumaßnahmen", erklärt Mergen. Innerhalb von zehn Jahren ist - nur aus Spenden finanziert - der Bau an der Stadtgrenze zu Büdelsdorf entstanden. Im Erdgeschoss soll ein türkischer Laden mit Fleischverkauf angesiedelt werden. Denn: "Hier wird die Moschee anders genutzt, auch als Begegnungsstätte", erklärt Mergen.
Innerhalb der zehn Baujahre hätten sich die Anwohner an die Moschee gewöhnt, meint Mergen. Und sieht daher keine großen Probleme mit dem Ruf vom Minarett. Man sei "offen nach außen" und der Umgang mit den Nachbarn sei respektvoll. Schließlich gebe es auch keine Kirche ohne Glocken, fügt er hinzu. Seine letzten Worte gehen im Klingeln der Schranken und im Rattern des Zuges unter, der unmittelbar neben der Moschee vorbeifährt.
Bis zum öffentlichen Gebetsruf kann aber noch einige Zeit vergehen. Er hat nicht erste Priorität, eher symbolische Bedeutung, gesteht Mergen. Wichtiger ist dem Islamischen Zentrum, dass die Moschee noch in diesem Jahr eingeweiht wird.




