Muezzin-Ruf

KOMMENTAR: Sieg der Vernunft

03. Februar 2010 | Von Gero Trittmaack

Kompromiss in Rendsburg: Der Muezzin darf zum Gebet rufen - allerdings nur äußerst leise. Ein erster Schritt zu einem harmonischen Zusammenleben von Christen und Muslimen, findet Gero Trittmaack.

Was kaum jemand erwartet hatte, ist in Rendsburg Realität geworden. In der Frage, ob, wie oft und wie laut der Muezzin von der neuen Moschee rufen darf, hat die Vernunft gesiegt. Die Moschee-Betreiber des Islamischen Zentrums akzeptieren die gesetzliche Vorgabe der Lautstärke und beschränken sich zudem darauf, einmal pro Woche freitags zum Mittagsgebet zu rufen. Damit wurde ein Kompromiss erreicht, der lange undenkbar schien - zu verhärtet waren die Fronten in einem erbitterten Streit, der sich um Ängste, Religionsfreiheit und Fremdenhass drehte.

Nachdem eine Bürgerinitiative gegen den Ruf des Muezzin mobil gemacht hatte, weil sie eine Lärmbelästigung befürchtete, kippte die Diskussion schnell: In einschlägigen Internetforen wurde sogar der Untergang des Abendlandes prophezeit für den Fall, dass öffentlich zum Gebet gerufen würde. Rendsburgs Bürgermeister Andreas Breitner, der sich früh für das Recht auf den Gebetsruf ausgesprochen hatte, wurde dort als Vaterlandsverräter bezeichnet und mit Morddrohungen überzogen.

Die Entscheidung der islamischen Gemeinde in Rendsburg, nicht auf ihr Recht zu pochen und fünf Mal am Tag zu rufen, nimmt nun plötzlich alle Schärfe aus dem Streit und müsste eigentlich all die Scharfmacher verstummen lassen, die sich in den vergangenen Monaten so vehement zu Wort gemeldet haben. Der Kompromiss, der so auch unter anderem von der evangelischen Kirche vorgeschlagen worden war, ist den Betreibern der Moschee sicher nicht leicht gefallen - er ist jedoch ein Zeichen dafür, dass die Verantwortlichen an einem vernünftigen Miteinander interessiert sind.

Ein erster Schritt ist getan, von einem harmonischen Zusammenleben sind Christen und Muslime allerdings auch in Rendsburg noch weit entfernt. Die vergangenen Monate haben nur allzu deutlich aufgezeigt, dass das Verhältnis immer noch vielfach von Distanz, Misstrauen und Unverständnis geprägt ist.


 

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