"Keine Gefahr für die Gesundheit"

17. April 2010 | Von Anette Asmussen


Wundervolle Sonnenuntergänge: Die Vulkan-Wolke können für besonders intensive Lichtverhältnisse sorgen. Foto: dpa

Über 200 lange Jahre war er still. Jetzt ist auf Island der Vulkan Eyjafjalla ausgebrochen, stößt Asche kilometerweit in den Himmel und weltweit herrscht große Aufregung. Nicht nur, dass der Luftverkehr das größte Chaos seit dem Tag der Terroranschläge am 11. September 2001 erlebt, viele Menschen fürchten auch Schäden für ihre Gesundheit oder das Klima.

Aber: "Das ist unnötig", beruhigt der Kieler Vulkanologe Hans-Ulrich Schmincke (Foto). Was in einer Flughöhe von 10 000 Metern für Flugzeuge gefährlich werden kann, ist für die Menschen am Boden "völlig unerheblich". Schmincke spricht von einem "dünnen Schleier", der in Schleswig-Holstein allenfalls für Fachleute bemerkbar sein wird. "Das ist nicht der Rede wert." In größerer Höhe allerdings breche sich das Licht wegen der Aschewolke anders als üblich. "Deshalb werden wir wunderschöne Sonnenuntergänge sehen können. Besonders intensive Rot- und Gelbtöne." Das einzige Problem, das Schmincke sieht, ist die "Geduld, die wir wegen der ausgefallenen Flüge haben müssen".

Tausende Reisende

auf Flughäfen gestrandet


Tatsächlich sperrten gestern mehr als ein Dutzend Länder ihren Luftraum - 60 Prozent aller Flüge in Europa fielen aus. Hunderttausende Reisende übernachteten auf Flughäfen in Großbritannien, Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Stillstand auch in Hamburg, Hannover, Bremen, Düsseldorf, Münster/Osnabrück, Köln/Bonn, in Frankfurt sowie den beiden Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld.

Das Flugverbot sei vielleicht "etwas übervorsichtig", meint Wissenschaftler Schmincke. Doch tatsächlich habe es in den vergangenen drei Jahrzehnten immer wieder Zwischenfälle mit Jets gegeben, die durch Aschewolken geflogen seien. "Die kleinen Glaspartikelchen, die dort schweben, werden in die Turbinen gezogen und schmelzen dort." In der Folge können Motoren ausfallen, das betroffene Flugzeug geht in den Sinkflug - ein Absturz sei nicht ausgeschlossen. Zumindest aber bestehe die Gefahr erheblicher Schäden, die nur mit großem finanziellem Aufwand zu beseitigen seien.

Glaspartikel machen

Flugzeug-Maschinen kaputt


Glas in Vulkanasche? Der Vulkanologe verweist auf das aufsteigende Magma, das als Lava aus dem Krater austritt. Fetzen dieser Lava würden in die Luft geschleudert und Teil der Aschewolke. Kühlen sie schnell ab, entstünden kleine Glaspartikel. "Aber giftig oder gar radioaktiv ist da nichts."

Problematischer schätzt Hans-Ulrich Schmincke die Lage in unmittelbarer Nähe des Vulkans ein. Er weist insbesondere auf zwei Gefahren hin - zum einen auf die Schneeschmelze am Eyjafjalla-Gletscher. Es werde "Fluten geben, in denen Eis- und Gesteinsbrocken mitgerissen werden", prognostiziert der Wissenschaftler. Sie bedrohten den gesamten südöstlichen Teil der Atlantikinsel. Zum anderen gingen Gefahren von giftigen Fluoriden aus, die mit der Lava an die Oberfläche drängen und von Regenfällen leicht ausgewaschen werden. Tiere, die diese Fluoride mit der Nahrung aufnähmen, vergiften sich und verenden. "Aber eine Gefahr für das Weltklima - die sehe ich nicht." Dafür sei die Eruption viel zu klein gewesen.

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