"Moscheen - traditionell und modern"

23. Juni 2009 | 04:05 Uhr | Von Gabriele Knoop

Moschee in Regensburg: Auch dieser Entwurf wird in der Ausstellung gezeigt, in die Professor Wolfgang Voigt einführte.

Bild 1 von 2

Itzehoe. Das Urteil ist klar: Der osmanische Baumeister Mimar Sinan baute besser als Michelangelo beim Petersdom in Rom und besser als die byzantinischen Architekten. Denn er löste das Problem, eine schwere Kuppel auf einen rechteckigen Zentralbau zu setzen, mit harmonisch fließenden Linien und räumlicher Leichtigkeit. Damit widersprach der stellvertretende Leiter des Deutschen Architekturmuseums in Frankfurt, Wolfgang Voigt, der gängigen Vorstellung, Sinan habe die Spätantike kopiert. Voigt führte in die neue Ausstellung "Moscheen - traditionell und modern" im Wenzel-Hablik-Museum ein, die im Rahmen des Hamburger Architektursommers bis 23. August zu sehen ist.

Er stellte Sinan (1489-1588) als einen der ganz großen Namen im Kontext der Architektur seiner Zeit vor. Fast jeder, der schon einmal die Türkei bereist und dort eine Moschee besichtigt habe, habe einen Sinan-Bau besucht. Seine Moscheen prägen bis heute das klassische Bild von einem islamischen Gotteshaus obwohl es im Islam bzw. im Koran keine Festlegung gibt, wie ein Gotteshaus auszusehen habe. Die einzige Festlegung: Die Betrichtung, also eine Wand, muss nach Mekka ausgerichtet sein.

Da von Sinan keine Pläne und Zeichnungen überliefert sind, präsentiert das Hablik-Museum vier herausragende türkische Moscheen an Hand von Zeichnungen und Modellen der italienischen Architekten Augusto Burelli und Paola Gennaro, die seit 1980 Sinans Prinzipien erforschen und sein Bauideal rekonstruieren.

Dieses Ideal prägt bis heute die Innenräume vieler Moscheen in Deutschland, weshalb man sie auch als "Heimwehmoscheen" klassifizieren könne, berichtete der Architektur fotograf Wilfried Dechau. Er hat vergangenes Jahr anlässlich einer wissenschaftlichen Tagung zu Moscheen bundesweit verschiedene Bautypen fotografiert und zeigt diese nun in Itzehoe: Während sie sich im Innern kunsthandwerklich auf höchstem Niveau bewegen, sind viele von außen gar nicht zu erkennen, da sie sich in meist zweckentfremdeten Gewerbebauten befinden. Andere sind in Gewerbegebieten zwar als Moschee erkennbar, aber wie Dechau befand, architektonisch nicht erwähnenswert.

Nur wenige neue Moscheen liegen im öffentlichen Stadtraum, noch weniger suchen die architektonische Herausforderung, wie beispielsweise derzeit in Regensburg oder Köln (Architekt Paul Böhm). Diese neueren Moscheetypen renommierter deutscher Architekten stellt das Museum mit Plänen und Modellen vor. Auch Dechau bezog klar Stellung: Wenn sich der Islam mit Moscheen hier einrichte, solle er es mit einer Architektur tun, die für Mitteleuropa neu erfunden wird. Publikumsliebling im Hablik-Museum ist eindeutig der innovative Kölner Entwurf von Böhm, der bis 2010 gebaut werden soll und derzeit die öffentliche Diskussion prägt.

Es sei eine große Chance, dass keine Religion der Welt seine Gotteshäuser so wenig festlegt wie der Islam, man solle sie nicht durch die Unterstützung von "Heimwehmoscheen " und einer türkischen Parallelgesellschaft vertun, appellierte Dechau. Er schloss mit einer Beobachtung, die er für keinen Zufall hält: Während in den vielen unscheinbaren Hinterhofmoscheen die Imame kaum 20 Worte Deutsch sprächen, habe er in den modernen Moscheen meist sehr gebildete mehrsprachige Vorbeter angetroffen.


 

Leserkommentare

 
 

SHZ.DE MOBIL

Auch unterwegs bestens informiert!

Mit der iPhone-App und dem Mobilportal von shz.de haben Sie die neuesten Nachrichten aus Schleswig-Holstein immer zur Hand.

Weitere Informationen...

 
INSTITUT50PLUS
Lebendig leben...
Angebote für eine aktive Lebensgestaltung
 
HÄUFIG GELESEN

Zum Wegschmeißen der Lebensmittel verdammt

Das Kreisveterinäramt Nordfriesland macht es den Tafeln schwer: Sie sollen Lebensmittel wegwerfen, ...mehr

 
 


KONTAKT | IMPRESSUM | AGB | DATENSCHUTZ