ECKERNFÖRDER ZEITUNG

 

Stadtwerke Eckernförde

Interesse an Ökostrom ist begrenzt

01. November 2010 | 04:50 Uhr | Von Thomas Schulze

Gegen die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken: Olaf Schulze (Mitte) von der SPD-Landtagsfraktion. Co-Referent: Stadtwerke-Geschäftsführer Dietmar Steffens (l.), hier mit dem SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Siegfried Schneider. Foto: ts

Eckernförde. Nicht viele SPD-Mitglieder hatten am Freitagabend den Weg ins Stadthallenrestaurant gefunden. Doch die, die zur Mitgliederversammlung des Ortsvereins gekommen waren, wurden mit einem spannenden Vortrag über Atomkraft-Verlängerung, die regenerative Energienutzung und die Zukunft der Stadtwerke belohnt. Stellung nahmen Dietmar Steffens, Geschäftsführer der Stadtwerke Eckernförde (SWE) und Olaf Schulze, energiepolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion.

Als Chef des Eckernförder Energieunternehmens mit einem Umsatz von 25 Millionen Euro pro Jahr betonte der SWE-Geschäftsführer, dass Blockheizkraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung zukünftig noch bedeutender für die städtische Energieversorgung sein werden: "Jedes Blockheizkraftwerk trägt auch dazu bei, dass Atomkraft überflüssig wird." Daneben werde die Bedeutung von Windenergie weiter an Gewicht zunehmen, aus einem simplen Grund, so Steffens: "Schleswig-Holstein wird zu einem Energie-Exportland mit großen Verdienstmöglichkeiten." So entfielen 40 Prozent der Stromversorgung in Schleswig-Holstein auf den Sektor Windkraft, wie Olaf Schulze ergänzte.

Wenngleich auch die Stadtwerke auf Windkraft bauen - in Form einer 260 000-Euro-Beteiligung an einem Windpark vor Borkum - ist der Energiebezug doch vielfältig. Neben Atomstrom (40 Prozent) wird das Netz durch Strom aus österreichischer Wasserkraft gespeist. Ergänzt wird der Pool durch Erdgas, das jedoch schon bald durch Biogas ersetzt werden soll. Der angestrebte Ausbau von Biogasanlagen werde auch bei den vielen Städtebauprojekten (Hafenspitze, Carlshöhe, Nooröffnung) eine große Rolle spielen, bei denen die Stadtwerke kräftig investieren werden. Möglich mache das vor allem die gute Kooperation mit Stadt und Touristik, wie Steffens unterstrich. Ein weiteres Großprojekt in Millionenhöhe werde die Erneuerung der kompletten Eckernförder Straßenbeleuchtung sein, die innerhalb von drei Jahren durch die Stadtwerke durchgeführt werden soll.

Scharfe Kritik äußerte Schulze an der Bundesregierung und den Atomkonzernen. Außerdem forderte er eine dezentrale Energieversorgung mit vielen kleinen Kraftwerken. "Das Problem ist, dass die AKWs die Netze blockieren. Wir produzieren immer mehr Müll und haben das Sicherheitsrisiko. Dabei wäre eine hundertprozentige Versorgung im Land nur durch Windkraft an manchen Tagen sogar schon möglich." Den Regierungsentschluss kritisierte auch Steffens, machte aber zugleich darauf aufmerksam, dass die Stadtwerke beim Stromangebot kundenorientiert handeln müssten: "Sicherlich ist die Laufzeitverlängerung kontraproduktiv für die Entwicklung erneuerbarer Energien. Allerdings können wir nicht die Entscheidung für den Kunden treffen. Wenn wir nur Ökostrom kaufen würden, wären wir in wenigen Monaten Pleite." Damit entkräftete er auch die Kritik des zweiten Vorsitzenden des SPD-Ortsvereins, Jonas Kramer, der moralische Bedenken bezüglich des Atomstromangebots der Stadtwerke geäußert hatte. Angesprochen auf die Zukunft des Konzerns äußerte sich Steffens zuversichtlich: "Eckernförde boomt. Ich mache mir Gedanken über die Zukunft, aber keineswegs Sorgen."


 

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