Neue Entwicklungen im Bildungsstreik
Besetzter Hörsaal: Kieler Präsidium lenkt ein
Öffentlich verkündeten die Studenten ihre Forderungen vor dem besetzten Gebäude. Anschließend versammelten sich etwa 300 Studenten für ein spontanes Plenum im Hörsaal. Foto: Fligge
"Entspannt und konstruktiv", so beschreibt Student David das Gespräch mit der Leitung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Diese Einschätzung hatten nach der Allgemeinverfügung des Präsidiums vom vergangenen Freitag viele Studenten nicht erwartet. In sechs Punkten machte Präsident Gerhard Fouquet darin von seinem Hausrecht Gebrauch, drohte mit Räumung und sogar Exmatrikulation (shz.de berichtete).
Am Montag gab es eine neue Wendung in der Diskussion um die besetzte alte Mensa. Im voll besetztem Hörsaal verkündete Sarah Peignard, dass dem Präsidium viel daran liege, den Lehrbetrieb wiederaufzunehmen. Zusammen mit fünf weiteren Besetzern stellte sie der Universitätsleitung am Vormittag ihren Forderungskatalog vor. Dabei wurde auch über die Räumung des Hörsaals diskutiert. "Das Präsidium schlägt vor, die Besetzung in eine 'offene Besetzung' umzuwandeln", verkündet Peignard vor den etwa 300 Studenten. Das hieße, dass das Gebäude offiziell besetzt bliebe, alle Veranstaltungen jedoch wieder wie gewohnt aufgenommen würden. Auch die Transparente dürften hängen bleiben.
"So nimmt man uns als Gegner war"
Ein erstes Meinungsbild zeigt, dass nur wenige Studenten Bedenken gegen diesen Vorschlag haben. "Wichtig ist, dass die Symbolwirkung der Besetzung erhalten bleibt und wir die Arbeit in den Arbeitskreisen fortführen können", sagt einer der Studenten im Plenum. Eine andere Studentin meint, dass die Besetzung des Gebäudes Studenten schade, die dadurch ihre Vorlesung nicht besuchen könnten. "So nimmt man uns als Gegner war", sagt sie. Bis Dienstag elf Uhr haben die Besetzer nun Zeit über den Vorschlag des Präsidiums abzustimmen. Eine Entschärfung des Konflikts ist jedoch abzusehen. "Ich habe das Gespräch mit Fouquet als sehr positiv empfunden. Viele unserer Forderungen fanden Zustimmung und sind für das Präsidium auch nichts neues. Gerade deshalb sollten wir versuchen besser mit dem Präsidium zusammenzuarbeiten", sagt Peignard.
In den letzten Tagen zeigte sich die Erschöpfung der Besetzer. Viele waren durch den anstrengenden Prozess basisdemokratischer Entscheidung gefrustet. Einige wollte auch einfach wieder in einem weichen Bett statt auf dem harten Boden übernachten. Die Zahl der Besetzer sank auf etwa 30 Prozent. So wurden Stimmen laut, die nach der Legitimation des Plenums fragten, das den Anspruch hat, für die gesamte Studentenschaft zu sprechen. Die große Beteiligung der Studenten am Montag lässt die Besetzer in dieser Frage nun noch einmal aufatmen.





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