Flensburg
Auszahlungspanne: Tageseltern in Not
Wie lange wird hier noch gespielt? Tagesmutter Sandra Fey kann die Miete für die Räume bald nicht mehr aufbringen. Foto: Iwersen
Flensburg. Mitte November herrschte Freude bei den rund 70 Tagespflegeeltern in Flensburg: Nach langer und zäher Diskussion hatte der Jugendhilfeausschuss beschlossen, ihren Stundensatz um 30 Cent auf 3,30 Euro zu erhöhen. Doch bei vielen kam das Mehr auf dem Konto nicht an. Schlimmer noch: Es haben sich Rückstände aufgebaut. Unregelmäßigkeiten bei der Berechnung der geleisteten Betreuungsstunden seitens der Stadtverwaltung haben dazu geführt, dass Tageseltern seit Wochen auf ihr Geld warten - oder zu viel überwiesen bekommen.
Sandra Fey gehört zur ersten Gruppe. Auf 2400 Euro beziffert die Tagesmutter den Betrag, den ihr die Stadt schuldet. "Ich habe Probleme mit meinen Mietzahlungen", sagt sie. Zum Glück habe sich der Vermieter, von dem sie und ihre Kollegin Räume für die Kinderbetreuung gemietet haben, kulant gezeigt. "Aber ich habe noch andere laufende Kosten."
Unregelmäßigkeiten schon seit Oktober
Da Tageseltern wie Selbstständige arbeiten, müssen sie auch für ihre Versicherungen und die Krankenkasse aufkommen. "Wenn das noch ein, zwei Monate weitergeht, kann es passieren, dass wir das alles nicht mehr bedienen können", sagt Cynthia Kienaß, Vorsitzende des Vereins Tageseltern. Dass die Reserven und Rücklagen der Betroffenen bald aufgebraucht seien, teilte sie in einem Schreiben Oberbürgermeister Simon Faber und den Ratsfraktionen mit - samt der Aufforderung, die ausstehenden Geldleistungen auch außerhalb der städtischen Zahlungsperiode anzuweisen.
Kienaß kann nicht genau sagen, wie viele ihrer Kolleginnen betroffen sind, dass es sich jedoch nicht um Einzelfälle handelt, bestätigt Jugendhilfeausschuss-Vorsitzende Simone Lange auf Tageblatt-Nachfrage: "Die ersten Beschwerden haben mich Anfang des Jahres erreicht. Dabei ist es schon seit Oktober zu Unregelmäßigkeiten gekommen. So etwas gehört sich nicht."
Personalwechsel erschwerte die Situation
Lange ist verärgert über die Verwaltung, da es aus ihrer Sicht ein vermeidbare Panne ist. Seit dem Sommer sei abzusehen gewesen, dass es zu einer neuen Berechnung der monatlichen Auszahlungen kommen würde.Der Grund: Neben dem politischen Beschluss, die Stundensätze anzuheben, habe es rechtliche Vorgaben gegeben, die die Altersversorgung betreffen. Demnach durfte die Stadt diese nicht mehr zu 100 Prozent übernehmen, sondern nur noch ein Drittel. "Das mag kompliziert sein, das es so kommt, war aber lange bekannt", kritisiert Lange.
Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf widerspricht: "Die Systemumstellung trat erst zum 1.1. in Kraft. Vorher können wir nicht nach den neuen Richtlinien bescheiden. Das wäre unsauber." Er räumt jedoch ein, dass die Situation durch einen Personalwechsel im vergangenen Jahr erschwert wurde.
Mögliche Sonderschichten werden geprüft
Die neuen Mitarbeiter müssten sich auch erst einarbeiten. Es werde aber geprüft, ob Sonderschichten eingelegt werden können. Teschendorf betont, dass die Stadt kein Interesse habe, die Tageseltern schlecht zu behandeln: "Wir werben ja dafür, neue Tageseltern zu bekommen."
Tagesmutter Kienaß will den Verwaltungsmitarbeitern keine böse Absicht unterstellen, aber vielleicht müsse man "Personal freischaufeln". Ähnlich sieht das Simone Lange, die in der kommenden Sitzung des Jugendhilfeausschuss, am 15. Februar, das Thema nochmal auf die Tagesordnung bringen möchte. Stellt sich heraus, dass mehr Personal nötig ist, sagt sie, "dann müssen wir das beschließen."
Leserkommentare
umgehend Abschläge auszukehren. Solche Beträge können "überschlagsmäßig" im Kopf berechnet werden.
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Wieder einmal Flensburg mit einer solchen Story. Gerade ist die Überschrift aus
dieser Zeitung weg :
"Wenn der Staat kapituliert" und schon kommt das nächste Ding.
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So langsam wird man zu den Vorgängen in FL die Frage stellen dürfen, ob Politik und Verwaltung ihren Laden überhaupt noch im Griff haben.
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Da geht es nicht nur um Wurstbuden, um die sich die Verwaltung kümmert, da gibt es marode KITAS und Schulen andererseits. Und immer dann wenn der Staat meint etwas
erledigen zu wollen, geht es gründlich schief. Was kommt sind faule Ausreden.
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Jeder Betrieb aus der freien Wirtschaft wäre längst ein Fall für den Konkursrichter,
würde dort so schlampig und arrogant vorgegangen.
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Seit 2009 hat eine Mitarbeiterin die Auszahlungen der Geldmittel bearbeitet, die in Form von Bescheiden bewilligt worden sind. Ende 2011 erhielt ich selbst ein Schreiben von XXX, in dem ein Betrag von 2400 EUR ZURÜCKGEFORDERT wurde. Dies betraf den Bereich Altersvorsorge. Ihre offensichtliche Vorgängerin hatte dies falsch bearbeitet! Wir hatten die Alterssicherung für den verlangten Zeitraum (Vorjahr) MEHRMALS persönlich nachgewiesen. Diese Fehlinformationen hat sie offenbar an ihre Nachfolgerin weitergegeben. Parallel dazu ging der Akt an die Abteilung Finanzen (bekanntes Prozedere: die Stadt verlangt Betrag x von einem Bürger, der Bürger darf der Rechtmässigkeit dieses Begehrs NICHT widersprechen, ganz im Gegensatz zu einem Bescheid, bei dem dieses möglich ist). - Ein Unding!
Aus einer Mitarbeiterin wurden also zwei Mitarbeiterinnen (XXX und noch eine andere Dame). Wann haben diese ihre Arbeit begonnen? Es war früher schon bekannt in der Verwaltung, dass XXX die einzige Mitarbeiterin war, die das Zahlungsprogramm bearbeiten kann. Doppelte Personalzahl, schlechtere Leistung? Wobei die Leistung (hier: Fehlerfreiheit) vorher schon katastrophal war!
Es ist NICHT richtig, dass die Stadt 100% der Altersvorsorge übernommen hat. Es waren 50%. Die 30 ct/Kind/Std. der 3,30 EUR/Kind/Std. waren der Altersvorsorge geschuldet.
Wurden also gleichzeitig: das Entgeld der Tageseltern erhöht (was Augenwischerei ist, weil es andernteils wieder gestrichen wird) und die Atersvorsorge reduziert? Und gleichzeitig zwei neue Mitarbeiterinnen eingestellt, die mit dem Zahlungsprogramm ungehen sollen? Schwierig, wenn Niemand da is, der sie anlernen kann.
Die Sachlage ist skandalös.
Ich für meinen Teil habe Klage beim Verwaltungsgericht in Schleswig eingreicht. Adresse ist bekannt. Meine Klage bearbeitet ein Richter in Einzelrichterübertragung.