Zuviel Speed und PS für die Schweinswale?

26. Mai 2009 | 09:50 Uhr | Von Gernot Kühl

Mit bis zu 92 Stundenkilometern Geschwindigkeit sollen bei der "4 Elements Challenge" Speedboote über die Eckernförder Bucht brettern. Schweinswal-Schützer sind empört.

Mit solchen PS-starken Schnellbooten werden die Teilnehmer über die Bucht jagen. Foto: Baltic Dive Center

Die Kieler Tauchschule Baltic Dive Center verspricht den Teilnehmern der Speedboot-Rallye "4 Elements Challenge" am 3. und 4. Juli ab Eckernförder Südstrand das "ultimative High-Speed Erlebnis". GPS-geführt mit 50 Knoten übers Wasser der Eckernförder Bucht jagen, abtauchen von Wrack zu Wrack und die Koordinaten für den nächsten Anlauf- und Tauchpunkt finden - dass alles werde die 16 Taucher aus ganz Europa "mit Sicherheit an die "Belastungsgrenze" bringen, heißt es auf dem Internetseite der Tauchschule.

An die Belastungsgrenze und weit darüber hinaus werde die "Speedboot-Rallye" nach Überzeugung mehrerer Naturschutzorganisationen aber auch die Schweinswale und ihre gerade geborenen Kälber bringen. Sie fordern die Tauchschule unmissverständlich auf, die Veranstaltung abzusagen.

Eckernförder Bucht weit entfernt von den "hot spots"

Tauchschulinhaber Oliver Wolf sieht dafür jedoch keinen Grund. Er habe nach Protesten von Naturschutzverbänden die in der Flensburger Förde geplante Veranstaltung aus Rücksicht auf die besonders hohe Schweinswalpopulation in die seiner Meinung nach weniger sensible Eckernförder Bucht verlegt. Das Studium der Sichtungskarte der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäuger (GSM) habe ihn darin bestärkt: Die Eckernförder Bucht sei weit entfernt von den "hot spots", den Revieren mit den meisten Schweinswalsichtungen.

Man werde zudem die Spitzengeschwindigkeit von 50 Knoten auf dem 140 Kilometer langen Kurs zwischen der Eckernförder Bucht und der Kieler Innenförde nicht ausreizen, versprach Wolf. Realistisch seien Geschwindigkeiten von maximal 35 Knoten. Die "4 Elements Challenge" sei kein Rennen, sondern ein auf Genauigkeit über und unter Wasser ausgerichteter Wettbewerb für erfahrene Taucher. Die Eckernförder Bucht sei dafür ein erstklassiges Tauchrevier mit acht bis zehn Wracks. Maximal vier sollen Bestandteil der Challenge sein, sagt Wolf. Zudem habe ihm der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) signalisiert, dass er "keine großen Probleme" mit der Eckernförder Pilot-Veranstaltung habe und die Auswirkungen für die Schweinswale "nicht so gravierend" seien. Der 43-jährige "passionierte Taucher" habe bereits Pläne für die kommenden Jahre und stehe unter anderem mit mit dem Hochseilgarten Altenhof in Kontakt.

Naturschützer: "Todesgefahr für Ostsee-Schweinswale"

Das wiederum sehen andere Naturschutzorganisationen ganz anders. Sie sprechen von einer "Todesgefahr für Ostsee-Schweinswale". Der Schweinswal in der Ostsee sei ein vom Aussterben bedrohter und ganzjähriger geschützter Meeressäuger. Es sei nicht hinzunehmen, dass eine kleine Minderheit rücksichtslos das Leben der Schweinswale "noch dazu in ihrer Kinderstube" aufs Spiel setze, heißt es in einer gestern verbreiteten Presseerklärung der Naturschutzorganisationen Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM), Naturschutzbund Schleswig-Holstein (NABU S-H), Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) und des Verbandes Deutscher Sporttaucher (VDST). Sie protestieren vehement "gegen diese geplante Art von Schnitzeljagd mit Wracktauchen".

Die sich akustisch orientierenden Schweinswale würden nicht nur unter dem extrem hohen Unterwasserlärm leiden, sondern auch Verletzungen nach möglichen Kollisionen erliegen, gerade sehr schnellen Booten könnten sie nicht ausweichen. Schweinswale unterlägen zudem dem "Störungsverbot", untersagt seien erhebliche Störungen besonders während der Fortpflanzungszeit. Die Veranstaltung am 3./4. Juli sei mitten in der Wurf- und Säugezeit in einem Gebiet mit der höchsten Schweinswaldichte an der Ostseeküste geplant und solle alljährlich stattfinden, kritisieren die Verbände.

"Das ist absolut nicht tolerabel"

Schweinswal-Experte Dr. Andreas Pfander ist über die "Spaßveranstaltung" ebenso empört wie GSM-Geschäftsführer Hans-Jürgen Schütte. "Das ist absolut nicht tolerabel", sagt Pfander. "Die kritische Grenze beginnt bei 20 Knoten", sagt Schütte. Ab dann werde das biologische Sonar der Schweinswale erheblich gestört. Das führe dazu, dass Mutter und Kalb voneinander getrennt werden. Ab einer Entfernung von 50 Meter könnten Mutter und Kalb einander nicht mehr hören. Eine "unerträgliche Lärmbelastung" stelle auch das harten Aufschlagen der Boote auf die Wasseroberfläche dar.


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