Wunsch nach mehr Dialogbereitschaft

25. Mai 2010 | 06:45 Uhr | Von Stefanie Reen


Die Band "Lucky Snuke" rockte neben "Banjillo" und "Destroy all humans" auf dem abendlichen Konzert zugunsten des Grünen Hauses.

"Grünes Haus bleibt. Für die offene Jugendarbeit." So prangt es in großen Lettern auf dem Banner, den die jungen Nutzer der Jugendeinrichtung anlässlich eines Aktionstages am vergangenen Sonnabend vor der Jugend-, Kultur- und Medienwerkstatt "Das Haus" angebracht haben. Der Spruch auf dem Band ist Programm: Die Jugendlichen wollen auf ihre Situation aufmerksam machen und sich für eine baldige Wiedereröffnung des Grünen Hauses einsetzen. Und darin, so ihre Botschaft, soll weiterhin eine offene Jugendarbeit stattfinden, wie sie viele Jahre erfolgreich praktiziert worden sei.

Mit verschiedenen Aktionen wie Spielen und Schminken für Kinder, Musik, einem Informationsstand und dem Verkauf von fair gehandelten Produkten sowie Grillgut und alkoholfreien Getränken wollen sie mit Eckernfördern aller Generationen ins Gespräch kommen und vor allem aufklären. Seit der Schließung des Grünen Hauses vor rund drei Monaten, die auf eine Drogenbestellung vom hauseigenen Telefon zurückgeht, kursieren viele Gerüchte über die jungen Besucher des kirchlichen Jugendtreffs. "Die Öffentlichkeit ist verunsichert", so Jan Brief, aktiver Nutzer des Grünen Hauses. "Viele Menschen fragen uns, ob man überhaupt noch ins Grüne Haus oder den Szenetreff Skaterpark gehen kann. Denen wollen wir zeigen, dass das Grüne Haus keine Drogenhölle ist, sondern dessen Nutzer ganz normale Jugendliche sind, wie ihre Töchter und Söhne." Weiter betont Brief, dass der Konsum von Drogen ein öffentliches Problem sei, das nicht nur Jugendliche und vor allem nicht nur die Nutzer des Grünen Hauses betreffe.

Seit der Schließung haben viele Gespräche sowohl unter den Jugendlichen als auch zwischen ihnen und Vertretern der Sankt-Nicolai-Kirche stattgefunden, in denen das Geschehene aufgearbeitet und reflektiert wurde. Bis zur für August oder September geplanten Wiedereröffnung finden weiterhin regelmäßige Treffen statt, in denen Kirchenvertreter und Jugendliche die Zukunft des Grünen Hauses besprechen. Parallel trifft sich wöchentlich eine offene Aktionsgruppe, die sich aus jugendlichen und ehemaligen Nutzern des Grünen Hauses zusammensetzt, die aktiv Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Bisher haben die jungen Leute bereits ein Frühstück sowie eine Aktion im Skaterpark veranstaltet.

Weitere Aktionen, wie eine öffentliche Kundgebung und die Verteilung von Flugblättern, sollen folgen. Zu allen Veranstaltungen, die von den Jugendlichen in Eigenverantwortung und auf eigene Kosten organisiert werden, werden über einen städtischen E-Mail-Verteiler sämtliche Vertreter der Kirche und der Ratsversammlung eingeladen. Die Resonanz lässt laut Aussage der Organisatoren etwas zu wünschen übrig. Auch zum Aktionstag am vergangenen Sonnabend fanden nur Wenige den Weg ins "Haus". Die Jugendlichen zeigten sich enttäuscht über das Ausbleiben von ausgerechnet den Kirchenvertretern, mit denen sie sich regelmäßig zum Gespräch treffen.

Auch wenn das Pfingstwochenende nicht der glücklichste Zeitpunkt für diese Aktion war, hätten sich die Jugendlichen darüber gefreut, wenn sich die Vertreter der Kirche gemeldet hätten, um ihre Sicht der Dinge darzustellen und darüber aufzuklären, wie es weitergehen soll. Nach Auskunft der Jugendlichen hätte bislang zwar ein reger Austausch stattgefunden, in dem von der Raumnutzung über den Grad der Selbstverwaltung bis zur Planung von Präventionsprojekten alles neu verhandelt werde, aber Vieles noch nicht abschließend geklärt sei.

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