Wenn Künstler auf Dächer schreiben
"Edle Artist AG" lautet der Schriftzug auf dem Dach des Neuen Rathauses Kiel. Foto: Hiller(2)
Kiel. Normalerweise bemalen Künstler Leinwände. Nicht so Achim Mohné und Uta Kopp. Für ihr künstlerisches Langzeitprojekt "Remotewords" steigen sie großen Häusern wie Museen und Universitätsgebäuden auf das Dach. Diesen verleihen sie in luftiger Höhe einen Anstrich der besonderen Art. In riesigen Buchstaben lassen sie Botschaften in den Himmel strahlen. Seit gestern prangt auch vom Dach des Kieler Neuen Rathauses ein Schriftzug: "Edle Artist AG" ist ein Anagramm, das aus dem Wort "Stadtgalerie" vom Kieler Schriftsteller und Künstler Arne Rautenberg kreiert wurde. Doch diese Kunst soll nicht nur Flugzeuggästen und Vögeln vorbehalten sein, sondern dient vor allem der künstlerischen Auseinandersetzung mit Google Earth.
"Google hat uns fasziniert. Und da das Medium künstlerisch noch überhaupt nicht genutzt wird, haben wir uns dieses Projekt überlegt", fasst Uta Kopp die Entstehungsgeschichte von "Remotewords" zusammen. Die studierte Grafikdesignerin und der Medienkünstler benutzen Google Earth, um das Medium Internet "künstlerisch zu bespielen". Achim Mohné sieht das Projekt in der Tradition der Landschaftskunst: "Die Landart hat die Verbindung zur Technik schwer gefunden. Das interessiert uns!" Bisher haben sie 13 internationale Stationen beschriftet - immer im Kontext zum Ort. "Die Botschaften dürfen nicht austauschbar sein und müssen genau zu diesem bestimmten Platz passen", sagt Mohné. So hat zum Beispiel ein Gebäude der Ruhr 2010 den Schriftzug "Was bleibt, ist die Zukunft" bekommen. Die Pixelschrift der kurzen Botschaften ist genau an das Medium Internet angepasst und ist als Analogie zur Bildschirmoberfläche gemeint. Der Ortsbezug wiederum soll im Kontext zur Möglichkeit des schnellen Ortswechsels im Internet stehen.
Die Kieler Stadtgalerie im Neuen Rathaus als Leinwand zu wählen, war Arne Rautenbergs Idee. Bei einem Aufenthaltsstipendium auf Sylt lernten sich die drei Künstler kennen. Die Idee, ein gemeinsames Projekt zu veröffentlichen, war schnell geboren. "Mich reizt es, Literatur vom Papier wegzuholen und sie woanders zu präsentieren", meint der Schriftsteller lächelnd, der bisher auch schon große Wände beschriftet hat. Doch diese gigantischen Ausmaße seien noch einmal eine andere Dimension. "Ich habe die Buchstaben der Stadtgalerie durcheinandergeschüttelt und hab mich gefreut, dass 'Artist' dabei herauskam." Und das "Edle" zeige sehr schön eine Wertschätzung für die Kunst, die ja vielleicht auch nach innen, Richtung Politik, ausstrahle, sagt Rautenberg und lächelt verschmitzt. Natürlich aber sei es auch eine Botschaft nach außen: "Die Stadtgalerie bekommt jetzt ein Gesicht." Auch Helga Helmig, Vorsitzende des Kunstbeirates, freut sich, dass "Kiel nun ein weiteres Highlight hat."
Dieses Highlight und die anderen 13 Kunstwerke sind unter anderem unter www.remotewords.net zu besichtigen.




